Wir hätten da vier Tipps für Sie ...

5.800 Wörter lang ist das Manifest, das Mark Zuckerberg in die Welt geschickt hat – und er ist auf einer Mission: Er will Facebook zum Dreh- und Angelpunkt unserer Gesellschaft machen. Nur mit guten Absichten natürlich.

Seine Ausgangsfrage ist dabei gar nicht so falsch: „Schaffen wir uns gerade die Welt, die wir alle wollen?” Das fragen wir uns auch. In Zeiten von Filterblasen, Fake-News, Hasskommentaren und Co. gibt es mehr als genug Baustellen auf Facebook.

Dabei muss man Zuckerbergs Manifest eher symbolisch sehen. In den USA steht der 32-Jährige für die liberale Elite, die gegen Präsident Trump steht – auch wenn seine Anhänger gerade über Facebook ihre Botschaften verbreiten.

Und hier ist dann auch die Krux: Zuckerberg macht zwar vage Vorschläge, wie man einer individuellen Filterblase, Fake-News und Hasstiraden Herr werden könnte – konkret wird aber nicht. Das übliche Geblubber, das wir schon seit Monaten hören.

Warum?

Weil Facebook keine seiner 1,9 Milliarden Nutzer und damit auch potentielle Werbekunden verlieren möchte. Dabei wäre es doch so einfach etwas gegen die Probleme zu tun: Wenn man denn konsequent wäre.

Wir haben hier mal ein 4-Punkte-Programm für Facebook.

1. Schluss mit der Hetze

Nutzer, die oft unter Pseudonymen menschenverachtende, rassistische oder homophobe Kommentare oder Post schreiben, sollten konsequenter verfolgt werden. Klar kann man die nicht direkt ausschließen oder sperren, das wäre nicht demokratisch.

Aber wie wäre ein Gelbe-/Rote-Karten-System? Sobald ein Hetzkommentar aufkommt, markiert Facebook (oder vielleicht sogar Zuckerberg persönlich) den Nutzer mit einer gelben Karte.

Bei einem weiteren Verstoß gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerkes, gibt es die rote Karte – und damit ist der Account gesperrt.

2. Psst, es gibt etwas gegen Fake-News – und das nennt sich Journalismus

Facebook ist mittlerweile die größte und wichtigste Plattform für journalistische Medien geworden. Viele von uns nutzen Facebook als erste Quelle für ihr tägliches News-Update. Bei 44 Prozent der Amerikaner ist das schon der Fall.

In Deutschland sind es im Moment nur knapp 10 Prozent – Tendenz aber steigend. Natürlich mischen sich nicht nur astreine journalistische Meisterwerke drunter, sondern auch Verschwörungstheorien und anderer Unsinn.

Das muss aufhören, sofort! Das hat nichts mit Meinungsvielfalt zu tun, es sind einfach falsche Informationen. Da muss sich auch Facebook seiner Verantwortung bewusst werden und eine Art Kontrolleur spielen.

Facebook braucht eine Sortierredaktion und einen Chefredakteur mit journalistischer Kompetenz, um Fake-News als solche zu kennzeichnen oder eben im Algorithmus herab zu stufen – also weniger sichtbar in der Timeline der Nutzer.

3. Go back to the rules: Macht euch nicht nur vom Markt abhängig

Als facebook.com 2004 an den Start ging, war es ein schöner kleiner sozialer Treffpunkt im Internet. Man konnte sich austauschen und sich updaten. Das ist auch heute noch das Erfolgsrezept.

Bei stetig steigenden Nutzerzahlen nicht ohne Folgen: Facebook ist eine lukrative Werbeplattform. Schnell und günstig erreicht man viele Menschen. Ein Milliardengeschäft für Facebook. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016 konnte Facebook so 2,25 Milliarden Euro.

Und da wird kaum danach geguckt, für was geworben wird. Hauptsache die Kohle stimmt! Ändert eure Grundsätze, liebes Facebook. Werbung ist wichtig, aber nicht alles.

4. Seid nicht so prüde!

Was im Moment für den US-Konzern schlimmer ist als Rassismus oder Mobbing, ist Nacktheit. Sexistische Äußerungen sind aber eigentlich okay. Eine Haltung, die typisch ist für die US-amerikanische Gesellschaft. Eine nackte Brust? In meiner Timeline?! Oh God, shame on you!

Facebook wird aber nicht nur von Amerikanern genutzt. Wenn ich eine ästhetische Fotografie habe, auf der man eine nackte Brust sieht, die aber meilenweit von Pornographie entfernt ist – why the fuck soll ich sie nicht auf Facebook posten dürfen?

Hier werden falsche Maßstäbe angesetzt. Und Facebook sollte sie nicht nur dahingehend ändern, das Nacktheit in historischen Kontexten sichtbar bleibt.

Vier einfache Tipps, die vielleicht dazu beitragen, dass wir wirklich diese Welt schaffen, die wir wollen.

Quelle: Noizz.de