In keiner anderen Region der Erde hat sich die Situation für Journalisten in der letzten Zeit so sehr verschlechtert.

In Europa scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, redet man sich gerne ein. Jeder darf sagen, was er will. Journalisten schauen den Politikern und Wirtschaftsbossen auf die Finger, keiner hat damit ein Problem. Jemandem die Meinung verbieten, ihn deswegen einsperren oder verletzen, das scheint ganz weit weg von uns.

Dass dem nicht so ist, zeigt die heute veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG). Mit dem Ranking wird durch Befragungen untersucht, wie es in 180 Ländern und Regionen weltweit um die Pressefreiheit bestellt ist.

So bewertet Reporter ohne Grenzen die Pressefreiheit weltweit

Ein Hauptergebnis der Untersuchung ist: In keiner Region der Welt hat sich die Lage für Journalisten im vergangenen Jahr deutlicher verschlechtert als in Europa. Vier der fünf Länder, die in dem Ranking die größten Verluste machten, liegen in unserer Nachbarschaft: Malta, Slowakei, Tschechien und Serbien. Aber auch weitere europäische Länder wie Polen, Dänemark oder Ungarn rutschten in der Rangliste ab.

Für den Verlust der Länder gibt es zahlreiche Gründe: Unter anderem war Europa in den vergangenen Monaten Schauplatz zweier Mordanschläge auf Journalisten: Im Oktober wurde auf Malta die Journalistin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe getötet. Kein Land machte in dem Ranking größere Verluste: Stand der Inselstaat 2017 noch auf Rang 47, liegt der EU-Staat 2018 auf Rang 65.

In der Slowakei wurden der Journalist Jan Kuciak und seine Freundin im Februar ermordet. Daneben werden Journalisten in zahlreichen westlichen Ländern inzwischen zunehmend Opfer von Anfeindungen aus der Politik: Großgemacht wurde dieser Stil nicht zuletzt von US-Präsident Donald Trump, dessen Land auf Rang 45 liegt.

„Hass und Verachtung gegen Journalistinnen und Journalisten zu schüren, ist in Zeiten des Vormarschs populistischer Kräfte ein Spiel mit dem Feuer. Leider erleben wir das zunehmend auch in Mitgliedsstaaten der Europäischen Union“, sagte ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger.

Deutschland konnte im Vergleich zur letzten Untersuchung einen Platz nach oben klettern: Weltweit liegen wir auf Rang 15. Allerdings registrierte die Organisation auch bei uns viele Verstöße gegen die Meinungsfreiheit: Als Beispiele werden verschiedene Vorfälle beim G20-Gipfel in Hamburg genannt. Weitere Sorgen bereite der Organisation das sogenannte „BND-Gesetz“, mit dem der Geheimdienst die Kommunikation sämtlicher Journalisten im Ausland überwachen darf, sofern es im Interesse Deutschlands ist. Insgesamt liegt Deutschland im Mittelfeld der EU-Staaten: Vor uns liegen unter anderem auch Staaten wie Jamaika, Costa Rica oder Estland.

An der Spitze steht wie im Vorjahr Norwegen, gefolgt von Schweden und den Niederlanden. Auf den letzten Plätzen liegen Eritrea, Turkmenistan und Nordkorea. Größter Aufsteiger ist der afrikanische Staat Gambia, der sich um 21 Plätze auf Rang 122 verbesserte.

Quelle: Noizz.de