Hatespeech geschieht nicht im luftleeren Raum.

Dass Hass im Netz weit mehr ist als nur ein Kavaliersdelikt, dürfte sich langsam herumgesprochen haben. Auch wenn die Strafverfolgung in Deutschland immer noch der aktuellen Entwicklungen hinterherhinkt. Wer sich davon überzeugen will, muss sich nur die nachfolgende Reportage anschauen.

Den Internethass musste Kenichiro Okamoto vermutlich mit seinem Leben bezahlen. Der japanische Blogger, der als Experte für Cybersicherheit, das Darknet und Hatespeech galt, hielt am Sonntag in der Stadt Fukuoka ein Seminar über den Umgang mit Internettrollen. Rund 15 Minuten nach der Veranstaltung war Okamoto tot.

Der 41-Jährige wurde auf einer Toilette angegriffen. Ein Mann soll mehrere Male mit einem Messer auf den Japaner eingestochen haben.  Der mutmaßliche Täter konnte zunächst entkommen, stellte sich dann aber der Polizei.

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass es sich bei dem 42-jährigen Tatverdächtigen um einen Internettroll handelt. Okamoto soll zuvor über einen Troll gebloggt haben, der ihn intensiv im Internet belästigt haben soll. Er ging davon aus, dass der Troll unter rund 270 verschiedenen Namen im Netz bekannt war. Die Polizei bestätigte allerdings bisher nicht, dass es sich bei dem Verdächtigen auch exakt um den Troll handelt, der Okamoto zuvor belästigt hatte. „Ich dachte, dass ich ihn umbringen werde“, soll der mutmaßliche Täter der Polizei laut dem japanischen Zeitung Asahi Shimbun gesagt haben.

In Japan ist Hatespeech im Netz ein verbreitetes Problem. Die New York Times berichtet davon, dass die Zahl von angezeigten Verleumdungen und Beleidigungen im Netz laut japanischer Polizei 2016 bei über 11.000 Fällen lag – im Vergleich zu rund 9400 Fällen im Jahr 2013.

Quelle: Noizz.de