Rechtsextremer verkaufte Waffen an Paris-Attentäter

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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Screenshot der Facebook-Seite „Génération Identitaire“ Foto: Screenshot / Facebook

Ausgerechnet ein Identitärer ermöglichte den Anschlag des Islamisten.

Claude Hermant ist Mitglied der Identitären Bewegung in Frankreich. Diese rechtsextreme Gruppierung strebt die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft an. Nun stellt sich heraus: Mit Waffengeschäften ermöglichte er den islamistischen Terroranschlag von Amedy Coulibaly 2015 in Paris.

Hermant verkaufte insgesamt 500 Waffen

Wie der „Störungsmelder“ mit Berufung auf die Zeitung „Ouest France“ berichtet, wurde der 54-Jährige nun zu sieben Jahren Haft und 30.000 Euro Bußgeld verurteilt. Hermant soll mehr als 500 Waffen verkauft haben, sechs davon beschaffte sich Coulibaly.

Im Januar 2015 erschoss der Dschihadist eine Polizistin und in einem koscheren Supermarkt vier weitere Menschen. Beim Sturm des Supermarkts wurde Coulibaly getötet.

Identitäre inszenieren sich als gewaltlos

Der Prozess bringt erneut das Selbstbild der Identitären ins Wanken, die sich gerne als harmlose Aktionskünstler inszenieren. Auch in Deutschland und in Österreich pflegen sie dieses Image mit Hochglanzfilmchen und einem Hipster-Lifestyle. Deswegen werden die Identitären auch „Nipster“ genannt.

Die Identitären-Flagge (links oben) bei Pegida in Dresden nach der Bundestagswahl Foto: dpa

In Deutschland wird die Gruppierung vom Verfassungsschutz beobachtet. „Wir sehen bei der ‚Identitären Bewegung‘ Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“, erklärte der Chef der Behörde Hans-Georg Maaßen.

Bei Pegida sind die Fahnen der Identitären Bewegung, die ein umgedrehtes schwarzes Lambda auf gelbem Grund zeigen, noch heute zu sehen. Wie „Die Zeit“-Recherchen ergaben, kooperiert auch die AfD mit den Identitären.

Die „Blockade“ des Justizministeriums im Mai ging in die Hose, die Identitären bekamen Platzverweise Foto: Paul Zinken / dpa

Die Aktionen sind oft nicht mehr als heiße Luft

Die Identitäre Bewegung entstand in Frankreich und ist auch in Österreich sehr stark. Seit 2014 gibt es einen Ableger in Deutschland. Immer wieder ziehen sie mit provokanten Aktionen Aufmerksamkeit auf sich, die oft nur heiße Luft sind.

Zuletzt scheiterten die Identitären mit der Aktion „Defend Europe“. Sie charterten ein Schiff und wollten im August auf dem Mittelmeer Hilfsorganisationen beim Retten von Menschenleben stören (NOIZZ berichtete).

Weil das Boot technische Probleme bekam, wurde die Aktion vorzeitig abgebrochen. Der Einsatz dauerte weniger als eine Woche.

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