So ergeht es einem deutschen Studenten in Katalonien.

Lukas ist 23 und studiert an der ESADE Business and Law School in Barcelona. NOIZZ erzählt er, wie er das Unabhängigkeitsreferendum erlebt hat.

Die Tage davor

„Seit dem katalonischen Unabhängigkeitstag gibt es hier jeden Tag vor allem friedliche Demos für das Referendum. Ich wohne mitten im Gotischen Viertel Barcelonas, also wirklich in der Innenstadt, und da gab es jeden Abend um genau 22.05 Uhr einen Topf-Protest. Da haben Leute 15 Minuten lang auf Töpfen rumgeschlagen. Metall auf Metall. Das ist natürlich besonders klasse, wenn man schlafen wollte.

Der Tag des Referendums

„Morgens war es verdächtig still. Die Straßen waren wie leergefegt. Ich habe mit meinem Besuch Sightseeing gemacht. Wir sind immer wieder an Wahllokalen vorbeigekommen. Dort standen Hunderte Katalanen in Zweier- und Dreierreihen, um wählen zu gehen. Und die Polizei stand friedlich davor. Ich selbst habe keine Krawalle gesehen. Das hat sich scheinbar auf ein paar Hotspots beschränkt.“

Es kommt zu Gewalt zwischen Polizei und katalanischen Wählern Foto: Emilio Morenatti / dpa picture alliance

„Man hat zwar überall Hubschrauber gehört. Aber hätte ich nicht aus den Medien vom Referendum gewusst und wären wir nicht zufällig an den Wahllokalen vorbeigekommen, hätte ich mich wahrscheinlich über den friedlichen Tag gewundert. Abends habe ich Gesänge vom zentralen Plaça de Catalunya gehört. Das klang aber alles eher friedlich. Die Straßenschlachten selbst habe ich nicht so mitbekommen.

Nach Schließung der Wahllokale jubeln die Katalanen Foto: Emilio Morenatti / dpa picture alliance

Der Tag danach

„Heute, als die spanische Polizei, die Guardia Civil, in einer Kolonne an mir vorbeigefahren ist, wurde die von jedem Passanten angebrüllt. Die Leute waren richtig wütend und haben durchgängig gehupt. Als die Polizei dann weg war, war wieder alles friedlich.“

Wie es jetzt weitergeht

„Ab morgen ist ein Generalstreik geplant. Das heißt, es gibt nur ein Minimumlevel an Bahnverkehr. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mir einen Roller miete. Innerhalb der Uni-Führung gibt es jetzt auch die Debatte, wie sie die Situation handhaben. Momentan ist es jedem Angestellten freigestellt, ob sie mitstreiken oder nicht.

Ich mache mir Sorgen, wie es weitergeht. Was passiert jetzt? Welche Konsequenzen hat das Referendum für uns? Die ganze Referendumsscheiße geht mir ziemlich auf die Nerven!

Quelle: Noizz.de