„Wir kämpfen nicht für uns, sondern für uns alle.“

Es ist eines der heißesten Themen der letzten Woche: Energie-Riese RWE will auch die letzten Überbleibsel des Hambacher Forsts roden, um darunter nach Braunkohle zu baggern. Damit genau das nicht passiert, halten etliche Aktivisten den Wald bereits über Jahre besetzt – in ihren selbst errichteten Baumhäusern. Unter großem Polizeieinsatz wurde nun geräumt. Die emotionale Ansprache einer vertriebene Aktivistin geht derweil viral.

Der politische Hintergrund

Energielieferant Braunkohle steht in Sachen Klimaschutz längst am Pranger. In Deutschland ist er (immer noch) ein weit verbreiteter Brennstoff zur Stromerzeugung. Das Problem ist der hohe CO2-Ausstoß, der bei seiner Verwertung entsteht. Dieser ist extrem umweltschädlich und derzeit der Hauptgrund, wieso die nationalen Klimaschutzziele 2020 vermutlich nicht erreicht werden. Der Hambacher Forst wurde in diesem Kampf zwischen kapitalistischen Energiekonzernen und einer nachhaltigen Entwicklung zum Symbol des Protests.

Eine der Aktivistinnen hat nun unmittelbar, nachdem sie ihren Platz in den Wipfeln räumen musste, ein ergreifendes Plädoyer gehalten. Die Situation im Video sorgt für Gänsehaut. Hinter ihr ihr geliebter Wald, auf den freien Flächen die Maschinen für die Rodung, neben ihr in militanter Pose: Vielleicht der Polizist, der sie wenige Minuten zuvor aus ihrem Baumhaus gezerrt hat. Unter Aufsicht dieses ausgerüsteten Beamten fasst sie mit zitternder Stimme die Perspektive ihrer Gleichgesinnten zusammen.

“[...] Und denken wahrscheinlich sie hätten gewonnen, aber sie können nicht gewinnen, weil sie den Wald genau so brauchen, [...] und es einfach nicht verstehen, dass wir nicht für uns kämpfen, sondern für uns alle.”

Damit trifft sie das Dilemma moderner Industriegesellschaften auf den Kopf, die sich durch das unnachhaltige wirtschaften der eigenen Existenzgrundlagen beraubt. Unter Tränen fährt sie fort, die Perspektivlosigkeit eines Kapitalismus’ zu beschreiben, der nicht bereit ist, die drohenden globalen Umweltkatastrophen zu berücksichtigen:

„Hinter diesen Menschen steht ein Konzern ohne Zukunft. Hinter diesen Menschen steht nichts als ein Arbeitsvertrag.“

Selbst der Polizist scheint von ihrer Rede ergriffen und dreht sich während des gesamten Videos immer wieder nervös zur Seite. Knapp zwei Millionen Aufrufe hat das Video bisher und wurde über 30.000 mal geteilt.

Über die Hälfte der insgesamt 50 Baumhäuser sind bereits geräumt, teilweise auch schon abgerissen. Nach einer kurzen Pause am Wochenende sind die Einsatzkräfte seit heute morgen wieder aktiv. Daran konnten auch die 4000 bis 9000 Demonstranten nichts ändern, die sich am Sonntag für den Erhalt des Waldes um den mittlerweile abgesperrten Hambacher Forst versammelt haben. Ein letzter Hoffnungsschimmer: Umweltschützer haben beim Oberlandesgericht Münster einen Eilantrag eingereicht. Ob dieser überhaupt eine reelle Chance hat oder eher als symbolischer letzter Widerstand zu lesen ist?

Quelle: Noizz.de