Alles, was du über das Treffen der beiden wissen musst.

Mit Spannung wurde das erste Treffen eines US-Präsidenten und einem Führer von Nordkorea in Singapur erwartet. Enttäuscht haben Donald Trump und Kim Jong Un die Weltöffentlichkeit in jedem Falle nicht. Beide einigten sich auf der Insel Sentosa deutlich schneller als erwartet auf die Unterzeichnung von Dokumenten, die womöglich eine historische Wende bedeuten könnten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Gipfel gibt es hier.

Das Treffen begann gegen 9 Uhr in einem Hotel auf der Insel Sentosa in Singapur. Trump begrüßte zunächst Kim vor Kameras per Handschlag, ehe sich beide zu einem Einzelgespräch mit Dolmetschern trafen. Das Gespräch wurde nach etwas mehr als 40 Minuten beendet.

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„Es war nicht einfach, hierher zu kommen. Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier“, sagte der US-Präsident nach dem ersten Gespräch. Trump hatte im Vorfeld gesagt, dass er schon nach wenigen Minuten abschätzen könne, ob der Nordkoreaner es mit den Verhandlungen ernst meine. Anschließend wurden die Gespräche mit einem Beraterstab aus beiden Ländern fortgesetzt: „Ich glaube, das ist ein guter Auftakt für den Frieden“, soll Kim in den Gesprächen gesagt haben.

Nach einem gemeinsamen Essen traten beide Politiker vor die Medien und unterzeichneten zusammen Dokumente: „Die Welt wird große Veränderung sehen“, sagte Kim vor den Kameras. Nach der Unterzeichnung der Papiere traten Kim und seine Delegation die Rückreise nach Nordkorea an. Donald Trump stand dagegen bei einer anschließenden Pressekonferenz den Medien noch Rede und Antwort.

Nach den Dokumenten soll sich Nordkorea einer vollständigen Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel verpflichtet haben. In dem Papier erklärt das Kim-Regime ein „festes und unerschütterliches Bekenntnis“ zur atomaren Abrüstung. Im Gegenzug sollen die USA den Nordkoreanern Sicherheitsgarantien zugesagt haben. Trump sprach in der abschließenden Pressekonferenz davon, dass die gegen Nordkorea verhängten Sanktionen vorerst bestehen bleiben. Allerdings stellte er in Aussicht, die Zahl der US-Soldaten in der Region zu reduzieren und auf Militärübungen zu verzichten. In den Papieren steht allerdings nicht, wie genau Nordkorea sein Atomprogramm reduzieren, geschweige denn beenden wird. Trump sprach in der Pressekonferenz aber davon, dass Nordkorea bereits begonnen hatte, eine große Raketentestanlage zu zerstören.

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Allgemein handelt es sich nur um Absichtsbekundungen, die nicht verpflichtend sind. Es wird kein konkreter Zeitrahmen genannt, wann und wie genau die beschlossenen Schritte umgesetzt werden sollen. Es wird in den Papieren lediglich von einer schnellen Umsetzung gesprochen. Die entsprechenden Maßnahmen sollen in Zukunft von US-Außenminister Mike Pompeo und dessen nordkoreanischen Amtskollegen ausgearbeitet werden.

Das Treffen und die schnelle Unterzeichnung von Dokumenten ist eine historische Wende in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea. Es war zuvor bezweifelt worden, dass es zu schnellen Ergebnissen kommen wird. Auch ein vorzeitiger Abbruch konnte nicht ausgeschlossen werden.

Ob und in welchem Ausmaß es zu einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel kommen wird, ist dennoch nicht abzusehen. Sollte es Kim wirklich ernst meinen, kann ein solcher Prozess Jahre in Anspruch nehmen und erfordert eine umfassende Kontrolle durch internationale Experten, die bisher zu dem isolierten Land kaum Zutritt hatten.

Dass die US-Regierung es geschafft hat, die nordkoreanische Führung allerdings überhaupt zu einem Gespräch und einem solchen Abkommen zu bringen, ist ein großer diplomatischer Erfolg. Dass Kim in Zukunft im Weißen Haus und Donald Trump in Pjöngjang empfangen werden soll, war vor wenigen Monaten noch undenkbar. Beide sollen solchen Treffen gegenüber offen sein. Das Gespräch in Singapur ist als Beginn eines Prozesses zu werten, in dem noch viele weitere Gespräche zwischen Vertretern der Staaten notwendig sein werden.

Das Handeln des Präsidenten wirft auch Fragen auf: Ob es taktisch klug war, einem derart repressiven Regime entgegen zu kommen, wird sich erst in Zukunft zeigen. Ebenso wird man sich an anderen Orten der Welt die Frage stellen: Wie kann es sein, dass Donald Trump einen Diktator innerhalb weniger Stunden zu derartigen Zugeständnissen bringen kann, während er Gespräche mit seinen engsten Partnern auf dem G7-Gipfel per Twitter platzen ließ?

  • Quelle:
  • Noizz.de