#metoo im Nahen Osten.

Sie wurde auf Arbeit sexuell belästigt. Daraufhin ging sie zur Polizei, um diesen Vorfall zu melden. Doch anstatt ihr zu helfen, passierte ihr auf dem Polizeirevier das Gleiche

Im arabischen Fernsehen berichtete jetzt eine junge Jordaniern von diesen Geschehnissen. Und erreicht mit ihrem Auftritt in der Talkshow, dass sexuelle Belästigung kein ganz so großes Tabuthema mehr ist.

In der Sendung saß auch der jordanische Politiker Mahmoud al-Kharabesh, der den ganzen Vorfall der 21-Jährigen nicht glaubte. „Jordanische Mädchen sind nicht so. Jordanische Mädchen rennen nicht ins Fernsehen. Bist du überhaupt Jordaniern?“, schrie er sie in der Talkshow an.

Allerdings ließ sich die junge Frau von seinem Gebrüll nicht einschüchtern. Sie entgegnet dem ehemaligen Parlamentsabgeordneten: „Wir Frauen werden sexuell belästigt und wir wissen, was passiert.“

Dies führte dazu, dass der Politiker noch mehr provoziert fühlte: „Sie sind erst 21 Jahre alt und haben all diese Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht?“ Darauf stürmte er aus der Sendung. Er verklagt nun die „Deutsche Welle“, weil er findet, dass sie mit dieser Talkshow Jordanien beleidigen würde.

Dieser Auftritt bewirkte nun endgültig, dass Frauen öffentlich über die sozialen Medien – zum Beispiel Twitter – ihre Erfahrungen mit sexuellen Belästigungen teilen. Die #metoo-Bewegung hat nun also auch die arabische Welt erreicht. Frauen berichten von sexuellen Übergriffen von ihren Brüdern, Vätern, von Grabschern in Bussen und von der absoluten Gleichgültigkeit in der Familie, wenn von diesen Vorfällen erzählt haben.

In arabischen Ländern wie Ägypten und Tunesien herrschen katastrophale Zustände für Frauen.

99,3 Prozent der ägyptischen Frauen waren schon mal Opfer eines sexuellen Übergriffes oder einer sexuellen Belästigung. Das ergab eine Studie der Uno aus dem Jahr 2013. Laut eine Umfrage der Thomson-Reuters-Stiftung von Oktober ist Kairo gilt die gefährlichsten Stadt für Frauen weltweit. In Tunesien herrschen ähnliche Zustände. Drei Viertel der Tunesierinnen erlebten sexuelle Gewalt. Mehr als 60 Prozent gaben an, auf offener Straße Opfer von sexueller Gewalt geworden zu sein.

Seit 2014 gibt es schärfere Gesetztesentwürfe in Ägypten, die es Tätern nicht mehr ermöglichen, ihre Tat zu entschuldigen, nur weil Frauen zu viel Haut und Haare gezeigt haben. Auch in Tunesien verabschiedete das Parlament im Juli ein Gesetztesentwurf, durch das sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum und innerhalb der Familie bestraft werden soll.

Quelle: Spiegel Online