Und alle sagen: Deutschkenntnisse sind das A und O.

Felix Hemmer von Run24 – einer Rohrreinigerfirma – wird nicht gerade von Bewerbern überrannt. Doch Ende Januar ist das anders. Im Berliner Hotel Estrel suchen viele Menschen Arbeit – sie kommen aus Ländern wie Syrien und Afghanistan.

Zwei Praktikumsplätze hat Felix Hemmer innerhalb der ersten beiden Stunden schon vergeben; gerade bekommt er noch eine weitere Bewerbung herübergereicht. „Ich bin total positiv beeindruckt“, sagt Hemmer. „Rohrreiniger ist hierzulande nun einmal nicht der angesehenste Beruf.“

Mehr als 4.200 Anmeldungen

Es ist bereits die zweite Auflage der Jobbörse für Geflüchtete und Migranten, die das Berliner Hotel Estrel veranstaltet. Die erste Runde im Februar 2016 war so schnell ausgebucht, dass bald klar war, dass es eine weitere Börse geben würde.

Und auch in der zweiten Runde hat die Zahl der Interessierten nicht abgerissen: Mehr als 4.200 Anmeldungen verzeichnete der Veranstalter, das ist weit über der Kapazität des Events.

Die Chancen für die Bewerber stehen gut. Rund 180 Unternehmen haben laut eigenen Angaben 3000 Arbeitsmöglichkeiten für sie an dem Tag im Angebot. Von der Altenpflege-Einrichtung bis zum IT-Unternehmen. Vom Praktikum bis zur vollen Stelle.

Wir haben uns auf Berlins größer Jobmesse für Geflüchtete umgehört: Was wollen die geflüchteten Menschen werden? Warum haben sie noch keinen Job? Und was denken die möglichen Arbeitgeber über sie?

Amir Hossein Peyravi (21)

Amirs Ziel: Wieder als Techniker arbeiten Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Ich bin seit eineinhalb Jahren in Deutschland. Ursprünglich bin ich aus dem Iran, aber dort wurde ich als Christ verfolgt.

Im Iran habe ich Ingenieurwissenschaften studiert. Leider wird mein iranischer Abschluss in Deutschland nicht anerkannt. Weil ich bislang noch nicht gut Deutsch kann, habe ich noch keine Stelle finden können. Jetzt habe ich bald Niveau B2. Damit rechne ich mir gute Chancen auf einen Job aus.

Auf der Messe sehe ich mich nach Ausbildungsplätzen zum Programmierer oder Flugzeugtechniker um.“

Ibrahim Rahimi (31)

Er startet seine Ausbildung im September Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Im Iran habe ich fünf Jahre lang ein eigenes Restaurant geleitet und drei Jahre lang als Koch gearbeitet.

Vor einem Jahr bin ich aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Seit gut einem halben Jahr arbeite ich im Eventbereich.

Das gefällt mir gut, weil ich jeden Tag Deutsch sprechen kann, jeden Tag mit Menschen Kontakt habe und nette Kollegen habe. Mein Deutsch ist dadurch deutlich besser geworden. So gut, dass ich jetzt sogar eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann beginnen kann.“

Olaf Marsson, Berlin Event

„Das Deutsch der Flüchtlinge verbessert sich schnell“ Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Wir waren schon letztes Mal hier. Danach haben wir rund 20 Flüchtlinge für Service, Bar und Garderobe eingestellt. Mittlerweile können wir die Menschen auch als Kellner einsetzen, denn ihr Deutsch hat sich durch die Arbeit sehr verbessert.

Unsere Erfahrungen mit den Geflüchteten sind sehr gut: Die Menschen sind sehr zuverlässig und motiviert. Arbeiten kann man bei uns ab Level A2.

Letztes Mal waren wir überrascht, wie viele sehr gut qualifizierte Bewerber sich hier umsehen. Deswegen haben wir auch hier gleich diese Spezialstelle ausgeschrieben: Wir suchen einen neuen Systemadministrator.“

Bettina Schröder, Sprecherin Personaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg

Bettina Schröder Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Das größte Problem bei der Arbeitssuche sind immer noch die Deutschkenntnisse. B2 ist oftmals Mindestvoraussetzung für eine Ausbildung oder eine Stelle hierzulande. Um das Niveau zu erreichen, braucht es gut 19 Monate. Aber das haben viele Flüchtlinge aus 2015 mittlerweile geschafft.

2016 haben mehrere Hundert Menschen ein Praktikum, einen Ausbildungsplatz oder eine Stelle über die Börse gefunden – eine enorm gute Quote. Nach dieser zweiten Runde dürften es noch mehr werden, gerade wegen der besseren Deutschkenntnissen.“

Salah Balout, Syrien

18 Jahre Fahrer in Syrien, aber keinen deutschen Führerschein Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Ich habe 18 Jahre lang meines Lebens als Fahrer gearbeitet. Und das möchte ich gerne auch wieder. Das Problem ist nur, dass ich keine Arbeitszeugnisse aus Syrien habe – und noch keinen deutschen Führerschein. Deswegen bin ich hier zur Zeitarbeitsfirma Avenir gegangen.

Sie finanzieren von ihren Gewinnen Fortbildungen für ihre Mitarbeiter. Ich hätte dann beispielsweise eine Chance, dass sie mir den deutschen Führerschein zahlen.

Bis jetzt war es nicht einfach Arbeit zu finden – ich habe zu wenig Deutsch gesprochen. In drei Tagen schließe ich meinen B1 Sprachkurs ab, dann habe ich bessere Chancen.“

Ann Nyambura (30)

„Direkt mit den Arbeitgebern Kontakt aufnehmen" Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Ich bin hier, weil ich Arbeit als Hotelfachfrau suche. Vor einem Monat bin ich aus meiner letzten Stelle ausgeschieden und schaue mir hier verschiedene Arbeitgeber an.

Ich bin sehr zufrieden mit der Messe, weil ich direkt mit den Arbeitgebern in Kontakt komme und alle sehr zuvorkommend sind. Flüchtling bin ich nicht, aber ich finde es gut, dass das auch für Migranten geöffnet ist – vor fünf Jahren bin ich aus Kenia gekommen.“

Hahmed Hoseini (32)

„Im Iran habe ich Filme gedreht und gedolmetscht“ Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Ursprünglich komme ich aus Afghanistan. Weil es mir dort zu unsicher war, bin ich aber erst in den Iran geflüchtet und kam vor gute einem Jahr nach Deutschland.

Im Iran habe ich acht Jahre lang als Dolmetscher für Persisch und Englisch für eine Menschenrechtsorganisation gearbeitet. Und ich war Kameramann. (Wenn man Hosein googelt, findet man ihn mit eigener Autorenseite bei der Internationalen Filmdatenbank ImdB. Einer der Filme, an dem er beteilgt war, lief 2015 auf dem Internationalen Filmfestival in Montréal.)

Leider kann ich derzeit in keinem der beiden Berufe arbeiten. Als Dolmetscher ist mein Deutsch noch zu schlecht, da bräuchte ich C1-Niveau, Minimum B2. Auch als Kameramann unterzukommen ist sehr schwierig. Deswegen suche ich gerade nach einer Ausbildung zum Automechaniker.

Karen Reinhardt, Recruiting Deutsche Bahn

„Der Andrang ist riesig“ Foto: Alina Leimbach / Noizz.de

„Wir haben gerade unsere erste kurze Verschnaufpause seit einigen Stunden. Der Andrang ist groß. Gerade der Lokführerberuf ist sehr gefragt. Ich habe heute schon einige Bewerbungen bekommen. Viele kommen gezielt her und fragen nach. Andere informieren sich nur.

Um als Lokführer oder Azubi bei uns anfangen zu können, ist allerdings mindestens Spachniveau B1 Pflicht. Denn wir haben viel mit Sicherheit zu tun, und ein Großteil unserer Kommuniaktion läuft über Telefon ab. Da muss alles sitzen und deswegen scheiden einige Bewerber deswegen aus.“

Quelle: Noizz.de