In den vergangenen Jahren war die Bekanntgabe des "Jugendworts des Jahres" immer eine Mischung aus Fremdscham und Belustigung. "Das können die doch nicht ernst meinen?!" Dieses Jahr sieht's slightly besser aus ...

Für das "Jugendwort des Jahres" scheint es eine Verbesserung zu sein, dass der Pons-Verlag den Langenscheidt-Verlag Anfang 2019 übernommen hat. Jahrelang hatte nämlich Langenscheidt die Wahl zu jenem Wort in München veranstaltet. 2019 pausierte man.

In der Langenscheidt-Ära waren es ja immer die absurdesten Wörter, die die Wahl gewannen. Wörter, die man nie – auch nicht ein einziges Mal – aus dem Mund von Jugendlichen gehört hatte. Wörter, von denen langweilige Erwachsene – "Langenscheidts", wie die Langenscheidt-Redaktion sie in pseudo-jugendlichem Sprech genannt hätte – dachten, dass sie Teenager benutzen könnten.

Kein Mensch, weder Jugendliche*r noch Erwachsene*r, sagte jemals "Gammelfleischparty" oder "Smombie". Dasselbe gilt für "Niveaulimbo" und "hartzen".

Es war zugegebenermaßen immer lustig – weil die Wort(er)findungen in ihrer Abwegigkeit oft lustig waren. Es war aber immer auch peinlich. Weil man sich dachte: Ihr seid wie 39-Jährige, die versuchen, sich wie 15-Jährige zu geben und dabei grandios scheitern. Denn so was kann nur scheitern. "Mama, hör auf, du bist uncool", hören wir einen Teenager sagen – falls Teenager*innen "uncool" sagen.

Es war ja in den letzten Jahren schon besser geworden, als Langenscheidt anfing, durch Online-Votings zum Ergebnis zu kommen. Dieses Prozedere wurde auch 2020 wieder angewendet. Jugendliche waren im Internet aufgerufen, Vorschläge einzureichen und das Wort in mehreren Abstimmungen auszuwählen. Eine Jury hatte zwischendurch aus den besten Vorschlägen zehn Wörter zusammengestellt

Das Resultat: "Lost" ist das "Jugendwort des Jahres" 2020

Mit dem Begriff wird ahnungsloses und unsicheres Verhalten beschrieben. Mit 48 Prozent der Stimmen hat es sich gegen die Finalisten "Cringe" und "Wyld/Wild" durchgesetzt, wie eine Sprecherin des Pons-Verlags am Donnerstag in Stuttgart sagte.

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"Cringe", das sich nicht durchsetzen konnte, beschreibt etwas Peinliches und Unangenehmes, teils auch Fremdschämen. Jugendliche sagen "Wyld" oder "Wild", wenn sie etwas Krasses und Besonderes umschreiben.

Wir finden: "Lost" ist nicht nur das "Jugendwort 2020", sondern überhaupt das perfekte Wort für das Corona-Jahr 2020.

Das Jugendwort des Jahres: Nie hat ein*e Jugendliche*r jemals "Smombie" gesagt

Die "Jugendwörter des Jahres" 2018 bis 2008

2018: Ehrenmann / Ehrenfrau

2017: I bims

2016: fly sein

2015: Smombie

2014: Läuft bei dir!

2013: Babo

2012: Yolo

2011: Swag

2010: Niveaulimbo

2009: hartzen

2008: Gammelfleischparty

[Text: dpa/ml]

  • Quelle:
  • Noizz.de