"Endlich! Can't wait", schreibt sein Kumpel Benjamin von Stuckrad-Barre unter den Ankündigungs-Post auf Instagram. Denn genau 25 Jahre nach dem Kult-Roman "Faserland" veröffentlicht Christian Kracht mit "Eurotrash" eine Fortsetzung. Allzu viel bekannt ist allerdings noch nicht.

Die News kam aus dem Nichts und elektrisierte "Faserland"- und Kracht-Fans gleichermaßen: Bald, mit Sicherheit noch in diesem Jahr, kommt bei Kiepenheuer und Witsch der neue Roman des Schweizer Schriftstellers raus. Name: "Eurotrash". Thema: "Faserland"-Fortsetzung. Mehr gibt der Autor auf seinen Social-Media-Kanälen nicht preis. Außer dem Cover, auf dem das Porträt eines Mannes abgebildet ist, hinter dessen Ohr eine Kirsche hängt. Es trägt den Titel "man with cherries | sold" und stammt von der zeitgenössischen belgischen Künstlerin Karien Deroo.

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"Faserland". Wir erinnern uns: Die Pop-Literatur schlechthin – wenn man ignoriert, das zuvor schon Schriftsteller-Journalisten wie Joachim Lottmann oder Rainald Goetz Bücher geschrieben haben, die man später so nannte.

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"Faserland". Ein Ich-Erzähler, Sohn reicher Eltern, der von Sylt nach Zürich reist, durch die gesamte Republik, und dabei hassliebenswert rumschnöselt. Sein Sound machte das Buch und den Autor über Nacht berühmt. 1999 gesellten sich zu Kracht noch die Schriftsteller Eckhart Nickel, Alexander von Schönburg und Joachim Bessing, formten mit ihm ironisch das Popliterarische Quintett, schlossen sich gemeinsam im Adlon ein und erquatschten das Buch "Tristesse Royale".

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Einen ähnlichen Hype wie "Faserland" hat dieses Jahr vielleicht Leif Randts Roman "Allegro Pastell" erlebt; ob er sich auch so lang halten wird wie das Kultwerk des Schweizers, bleibt abzuwarten.

Worum geht es im neuen Kracht-Roman "Eurotrash"?

Aber worum geht es jetzt in "Eurotrash"? Zum Glück gibt es noch mehr Info-Quellen, als nur den Autor selbst. In der Verlagsvorschau heißt es zu dem Buch:

"Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in 'Faserland' ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In 'Eurotrash' geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt." Der Roman sei ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor.

Außerdem liefert Kiepenheuer und Witsch auch den ersten Satz von "Eurotrash", der schon ganz gut zeigt, wohin die Reise stimmungsmäßig geht:

"Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, 'Faserland' genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch."

"I'll see you in twenty-five years."

Vorangestellt scheint dem Ganzen ein Zitat aus David Lynchs Kult-Serie "Twin Peaks", die 1990 bis 1991 ausgestrahlt wurde. In einer Folge sagt darin die ermordete Laura Palmer in der sogenannten Black Lodge rückwärts zum FBI-Agenten Dale Cooper: "I'll see you in twenty-five years."

Und tatsächlich versuchte man, die Serie 2015 bzw. 2016, also 25 Jahre später, fortzusetzen. Leider konnte man Laura Palmers Prophezeiung nicht ganz exakt einhalten: Die dritte "Twin Peaks"-Staffel wurde wegen Produktionsverzögerungen erst 2017 ausgestrahlt.

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Bei Kracht dürfte es mit den 25 Jahren klappen. Er hat ihn sich aber höchstwahrscheinlich auch von der Schweizer Kulturstiftung "Pro Helvetia" finanzieren lassen. Die hat ihm (und 20 anderen Autor*innen) dieses Jahr nämlich 25.000 Franken zukommen lassen, um "ein neues Literarisches Werk zu schaffen". (Die "Berner Zeitung" ärgerte sich mit Blick auf Krachts reiches Elternhaus ein wenig darüber.) Da er sich für dieses Stipendium bereits 2019 beworben haben muss, wird er die Idee für das Werk schon länger mit sich rumgetragen haben.

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In den Kommentaren unterhalb des Instagram-Posts freuen sich Krachts Freund*innen und Anhänger*innen lautstark über seine Ankündigung: "Ja, Eurotrash ist eindeutig besser als Moserland", schreibt Kracht-Spezi Rafael Horzon, der mit "Das neue Buch" gerade selbst ein neues Buch veröffentlicht hat. "Endlich! Can't wait", schreibt Pop-Literaten-Buddy Benjamin von Stuckrad-Barre.

Und auch der andere Pop-Literat von einst, Eckhart Nickel, reagiert – mit einem Kirschen- und einem Zylinder-Emoji (als Anspielung auf das Buch-Cover). Krachts Frau Frauke Finsterwalder schickt ihm Herzchen im Kommentarfeld.

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  • Quelle:
  • NOIZZ.de