Endlich Toiletten, die mal funktionieren ...

Öffentliche Toiletten haben einen schlechten Ruf. Wer kann, vermeidet den Gang in die Kabine, hinter deren Tür immer eine unangenehme Überraschung lauern kann. Wenn sie denn überhaupt funktioniert – jede fünfte Toilette in Berlin ist nicht funktionstüchtig.

Auch aus ökologischer Sicht sind die City-Toiletten alles andere als ideal, zu viel Trinkwasser wird bei Reinigung und Spülung verbraucht. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz will etwas dagegen unternehmen und hat im „Toilettenkonzept“ Trockentoiletten eingeplant – vorerst nur als Test.

Auf Festivals sind Komposttoiletten schon mehrere Jahre im Einsatz

Manche kennen die Öko-Toiletten von Festivals. Von der Fusion bis hin zum Hurricane – überall findet man sie mittlerweile. Charakteristisch ist der Sägespäne-Geruch, der beim Kompostieren hilft und Gestank übertüncht. Statt Wasser benutzt man die Holzschnipsel zum „Spülen“.

Der Umweltstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) nannte in einer Antwort auf eine Parlamentsanfrage die Vorteile von Trockentoiletten: Sie kommen ohne jeglichen Einsatz von Wasser aus und verwerten die Fäkalien in einem „naturnahen und nachhaltigen Kompostierungsprozess“.

Bisher testet der Berliner Bezirk Lichtenberg vier Trockentoiletten. Eine erste stellte man an der Rummelsburger Bucht auf, weil zu viele Menschen ins Gebüsch gingen, erklärt CDU-Stadtrat Wilfried Nünthel auf NOIZZ-Anfrage. Da kam ein Angebot von einem jungen Start-Up gerade recht. Warum nicht mal eine Öko-Toilette testen?!

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Man habe Paten in der Nachbarschaft gefunden, die ein Auge auf das Klo haben. Das Experiment habe gut funktioniert und die Grünanlage geschützt. Daraufhin stellte der Bezirk drei weitere Komposttoiletten in Parks auf.

Laut Toilettenkonzept sollen ab 2021 berlinweit vier weitere folgen. Die Zahl ist jedoch verschwindend gering, immerhin soll es bis 2022 laut Planung 366 öffentliche Toiletten in Berlin geben.

Doch es könnten noch mehr Öko-Toiletten werden. „Die Bezirke sind hierdurch nicht gehindert, darüber hinausgehende Planungen eigenständig umzusetzen“, antwortet Kirchner auf die Anfrage.

Billig sind die Trockentoiletten nicht. Zwar sind die Anschaffungskosten geringer als bei einer herkömmlichen oder vollautomatisierten Toilettenanlage, und auch die Betriebskosten sollen sich laut Kirchner kaum unterscheiden. Doch die Komposttoiletten halten nur halb so lang wie die klassischen Klos, die mindestens 20 Jahre funktionieren.

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Anders als der Bezirk Lichtenberg hat die Stadt Hamburg schlechte Erfahrungen mit den Öko-Klos gemacht. Auf einem Spielplatz wurde eine öffentliche Toilette für 200.000 Euro zu einem Kompostklo umgebaut. Doch die meiste Zeit war es außer Betrieb, da die „Entsorgungswege fehlten“ und die „Umwandlung zu Dünger“ zu aufwendig war.

Bleibt zu hoffen, dass der Berliner Senat aus den Fehlern der Hamburger lernt. Dann gibt's in Zukunft Selfies vor dem Sägespäne-Toiletten.

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Quelle: Noizz.de