Auch die Suche nach Geschworenen ist nicht gerade einfach.

Ein Fall, der erst Entsetzen auslöste, dann die globale #Metoo-Bewegung: Der Prozess gegen Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung, Nötigung und sexueller Belästigung findet unter weltweit großer Aufmerksamkeit statt. Trotz allem muss der zuständige Richter, wie immer, unparteiisch sein. Genau das bezweifelte Weinsteins Verteidigung jedoch.

Richter James Burke habe Weinstein auf "voreingenommene und aufrührerische Weise" dazu aufgefordert, sein Handy nicht mehr im Gerichtssaal zu benutzen, hatte die Verteidigung argumentiert. Deswegen müsse er sich zurückziehen. Burke lehnte das jetzt jedoch ab. "Ich wollte ihm nur genug Angst machen, damit er sein Handy künftig nicht mehr benutzt. Das Gericht kennt das Urteil nicht und hat keinerlei Entscheidung darüber getroffen, was es sein könnte oder nicht", sagte er.

Erfolglose Suche nach Geschworenen

Als Richter unparteiisch zu sein, ist die eine Sache. Eine andere ist es jedoch, zwölf Juroren und sechs Ersatzjuroren zu finden, die bei einem so schlagzeilenträchtigen Prozess unbefangen sind. Diese Aufgabe kann sich mehrere Tage oder sogar Wochen hinziehen. Die Juroren sind eine Voraussetzung dafür, dass der Prozess mit den Auftaktplädoyers richtig losgehen kann.

Die Suche nach geeigneten Geschworenen gestaltet sich so schwierig, wie gedacht. Am Dienstag und Mittwoch waren je 120 potenzielle Juroren befragt worden, die meisten davon hatten sich jedoch sofort als befangen erklärt. Am Donnerstag wurde die Befragung der 120 nächsten potenziellen Juroren auf Freitag vertagt, weil ein Staatsanwalt plötzlich dringend zum Arzt musste.

In dem Prozess geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen – Weinstein soll eine von ihnen 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Der Prozess könnte insgesamt bis zu zwei Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht dem 67-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe. In Kalifornien ist ein weiterer Strafprozess angekündigt.

Insgesamt haben mehr als 80 Frauen, darunter bekannte Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Uma Thurman und Salma Hayek, Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Einige von ihnen könnten als Zeugen in dem Prozess gehört werden.

[Text: Zusammen mit dpa]

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Quelle: Noizz.de