Auf einen Eilantrag folgte jetzt die Entscheidung des Obergerichtshofs Münster.

Es geht um Schutz von Bechsteinfledermäusen: Die Rodung durch den Energiekonzern RWE zum Kohleabbau im Hambach Forst wird offiziell gestoppt!

Der Hintergrund: Der Tagebau Hambach ist der größte von der RWE Power AG betriebene Braunkohletagebau. Er betrifft die Gemeinden Niederzier, Kreis Düren und Elsdorf, Rhein-Erft-Kreis.

Dafür rodet der RWE im Hambacher Forst, historisch korrekt Bürgewald oder Die Bürge genannt – oder „Hambi“, wie ihn Umwelt-Aktivisten nennen.

Aktuell ist der Wald in Nordrhein-Westfalen noch rund 200 Hektar groß, die ältesten Bäume sind circa 350 Jahre alt. Der Abschnitt liegt zwischen Köln und Aachen. Die Bewaldung hat vor etwa 12.000 Jahren begonnen – also seit der letzten Eiszeit.

Demos wurden gehalten und gestoppt, ein Blogger verunglückte bei seiner Berichterstattung über den Protest der Umwelt-Aktivisten, die den Wald besetzt hatten. Und anonyme Hacker griffen den RWE-Server wegen seiner Rodung im Hambacher Forst.

Doch die Räumungsarbeiten hatten begonnen, als plötzlich Zweifel an RWEs Genehmigung aufkamen – angestoßen durch Aktivisten und Anwälten, die sich dem links-grünen politischen Spektrum zuordnen lassen.

Die Bezirksregierung Arnsberg hatte den Tageausbau 2018 bis 2020 aber bereits genehmigt. Auch eine Verbandsklage vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (kurz: BUND) war abgelehnt worden.

Der RWE hatte vor Gericht erklärt, das Unternehmen würde mit dem Bäumefällen spätestens bis zum 14. Oktober warten, also bis kommenden Sonntag. Dann wollte der RWE nach eigenen Aussagen den Wald auf weniger als 100 Hektar abholzen.

Jetzt die überraschende Wendung: Die Rodung wird doch gestoppt. Vorläufig. Der RWE könne weitermachen – wenn er die Waldflächen nicht beansprucht.

Die Argumentation des BUNDs war das Vorkommen der Bechsteinfledermaus, in der Anzahl, dass der Hambacher Forst quasi einem europäischen FFH-Schutzgebiet gleichkäme.

Die Unterschungen dazu: mehrere schwere Kisten voll mit Dokumenten. Die seien eben nicht sofort zu prüfen. Und damit am Ende nicht rauskommt, dass die Befürchtungen des BUNDs um die Bechsteinfledermaus berechtigt sind und die Rodung des RWE damit gesetzeswidrig, dürfe das Bäumefällen nicht beginnen.

Damit revidiert das Oberverwaltungsgericht Münster das frühere Urteil des Verwaltungsgerichts Köln.

Der Richter in Münster erklärte außerdem, dass der RWE die Notwendigkeit für die Versorgungssicherheit nicht belegt habe, das heißt, es gibt keine Tatsachen oder Unterlagen, die beweisen, dass die Energievorsorgung bundesweit oder in Deutschland insgesamt gefährdet sei.

Die Umweltschutzorganisationen sind erfreut über die Entscheidung von ganz oben. Trotzdem werde man an der für den morgigen Samstag geplanten Demo festhalten.

Quelle: Noizz.de