Eine Schule in Ostwestfalen geht auf Nummer sicher.

Der Terror traf in Europa auch 2017 vor allem Metropolen. Grund genug für das Gymnasium Steinhagen seine Oberstufenkurse nicht mehr in Großstädte zu schicken.

Bisher waren Paris, Wien und London regelmäßige Ziele von Kursfahrten der Schule in der Nähe von Bielefeld, doch im nächsten Sommer geht es stattdessen nach Oxford und Krakau. Der Grund: Eltern und auch Lehrern sind die Millionenstädte zu unsicher geworden. Sie haben Angst, dass ihre Kinder und Schüler Opfer eines Anschlages werden könnten. So wie es zum Beispiel in Nizza passiert ist, wo zwei Schülerinnen und eine Lehrerin im Juli 2016 starben.

In Nizza raste ein Attentäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge

Schulleiter Josef Scheele-von Alven hält den Wunsch einiger Eltern für übertrieben: „Wenn man vernünftig überlegt, ist die Gefahr, Opfer eines Autounfalls zu werden, viel höher“, sagte er der „Neuen Westfälischen“. Doch jetzt muss er sich an die Entscheidung der Lehrerkonferenz halten: „Ich werde keine Fahrten mehr nach London und Paris genehmigen, und auch nicht nach Wien, das auch einigen zu unsicher erschien, weil dort die UNO sitzt“.

Das Absurde an den Abläufen in Steinhagen: Schüler der Französischkurse müssen bei Besuchen ihrer Partnerschule in Villeparisis trotzdem über Paris anreisen, dort Flughafen und Bahnhöfe nutzen. Auch um nach Oxford zu kommen, fliegt man in der Regel erst mal nach London.

Trotz des Terroranschlags am Breitscheidplatz finden die Fahrten nach Berlin weiter statt

Die Realschule aus dem benachbarten Halle sagte im September nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn eine Klassenfahrt in die britische Hauptstadt ab – in letzter Minute.

Klassenlehrer Reinhold Borutta hatte vorher mit seinen Kollegen gesprochen: „Es gab nicht einen, der mir gesagt hat: Fahr auf jeden Fall. Ich bin nicht in der Lage, die Schüler alle zu beschützen“, erklärte er sich.

Das traurige Fazit des Schulleiters Scheele-von Alven: „Immer ist die Rede davon, wir dürften uns von den Terroristen in unserem Leben nicht einschränken lassen, aber genau das ist längst passiert“.