"Hi, ich komme aus Asbestos" – das wollen die Bewohner*innen der kanadischen Kleinstadt künftig nicht mehr sagen müssen. Sie möchten ihren toxischen Namen loswerden. Dabei gibt es noch viel schlimmere Ortsnamen, wie alleine ein Blick auf Deutschland zeigt.

Es gibt einfach Städte, bei denen sich deren Bewohner*innen wahrscheinlich schon zwei Mal überlegen, wie sie sich vorstellen. Für die knapp 7.100 Einwohner*innen von Asbestos in der kanadischen Provinz Québec ist das bestimmt schon öfter ein Thema gewesen – so häufig, dass sie den Namen endlich ändern wollen. Eine Umbenennung würde die Stadt rund 85.000 Euro kosten – wahrscheinlich würden sich dann aber auch wieder mehr Unternehmen in der Region ansiedeln.

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Der Wunsch nach Veränderung ist ihnen nicht zu verübeln, denn wer möchte schon aus einer Stadt kommen, die nach einem krebserregenden Stoff benannt ist? Noch dazu ist der toxische Ortsname ein echtes Imageproblem, wie Bürgermeister Hugues Grimard gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" betont, denn die Bürger*innen werden Asbester genannt. Erghs. Wie die Stadt aber stattdessen heißen soll, ist noch nicht entschieden, jeder über 14 Jahre durfte Vorschläge einbringen. Abgestimmt wird Mitte Oktober.

Aus 1.000 Namensvorschlägen blieben sechs Favoriten übrig

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Seinen Namen erlangte die Kleinstadt Asbestos, weil dort seit dem späten 19. Jahrhundert tatsächlich Asbest abgebaut wurde. Damals wusste man noch nicht, wie schädlich der Stoff für unsere Gesundheit ist, er galt als überaus praktisch. Vor allem, weil die Silikat-Mineral-Fasern feuerfest sind. So wurde in Asbestos der Stoff nicht nur in Minen abgebaut, sondern auch weiterverarbeitet zu Baustoff oder feuerfester Kleidung. Die Stadt konnte davon sehr gut leben.

2012 schloss die letzte Asbest-Mine und spätestens seitdem gibt es eigentlich keinen Grund mehr, die Stadt so zu nennen. Die verbliebenen Favoriten im Rennen lauten Phénix, Französisch für das mystische Fabelwesen, das aus Feuer wieder aufersteht, aber auch L’Azur-des-Cantons, Larochelle und Val-des-Sources. Außerdem steht auch Trois-Lacs, also drei Seen zur Auswahl, die es in Asbetsos eben gibt – bisher heißt nur ein Stadtteil so. Kurios wäre es aber, wenn die Asbester sich Jeffrey-sur-le-Lac nennen würden. Es ist der Name der ehemals größten Asbest-Mine im Ort. Aber egal, wie sich die Kandier*innen entscheiden, wir haben hier ein paar Beispiele, dass es sie mit ihrem Ortsnamen gar nicht mal so hart getroffen hat. Frei nach dem Motto: Schlimmer geht immer.

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Hodenhagen in Niedersachsen

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Die Gemeinde mit gerade einmal knapp 3.177 Einwohner*innen im Heidekreis hat in der Ortsnamenlotterie echt die Arschkarte gezogen. Was soll das bedeuten, "Hodenhagen"? Fans der funk-Serie "Monsters of Kreisklasse" dürften die Borussia Hodenhagen kennen, allerdings, so viel sei gleich gesagt: mit den männlichen Geschlechtsorganen hat der Ort rein gar nichts zu tun.

Das ortsansässige Adelsgeschlecht Hodenberg hatte seinen Sitz auf der Burg Hodenhagen, die auf dem Gebiet des heutigen Ortskernes von Hodenhagen lag. Ein Problem mit ihrem Ortsnamen haben die Hodenhagener allerdings auch nicht.

Blödesheim in Rheinland-Pfalz

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Okay, seien wir fair: Seit 1971 nennt sich das kleine Dorf mit 433 Bewohner*innen Hochborn – weil sie genug von den "Witzen" und Vorurteilen gegenüber ihres ursprünglichen Ortsnamen hatten. Dennoch leiden die wenigen Einwohner*innen noch heute unter dem alten Namen. In der Region werden sie häufig noch immer als "Blödesheimer" verunglimpft.

Fickmühlen, Niedersachsen

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Also: Entweder ist man einfach stolz darauf, aus Fickmühlen zu kommen oder man ist peinlich berührt. Das Dörfchen im Landkreis Cuxhaven zählt leider nur 165 Menschenseelen. Hat aber immerhin einen Sportverein. Das "Ficken" kommt übrigens sehr wahrscheinlich vom plattdeutschen Wort "fucken", was das hin und her reiben des Mühlwerkes beschreibt. So einfach ist das – und gar nicht versaut.

Elend in Sachsen-Anhalt

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Elend war früher ein eigenes Dorf, inzwischen gehört es zur Stadt Oberharz am Brocken. Gegen die Eingliederung hatten die Elender wohl nicht viel einzuwenden, denn ihr negativ konnotierter Name war oft genug Gegenstand von Witzen. Zudem findet sich unweit von Elend im Harz unweit des Dorfes Sorge. In DDR-Zeiten ging daher folgender Witz um: Wo ist der Sozialismus zu Hause? Antwort: zwischen Elend und Sorge.

Kotzen in Brandenburg

Stell dir vor, du wirst gefragt, woher du kommst und deine Antwort lautet: "Kotzen". Wer im idyllischen Dorf rund 14 Kilometer von Rathenow entfernt im Havelland wohnt, hat sich mit dieser Situationskomik und allen einhergehenden Flachwitzen wohl bereits abgefunden. Immerhin wissen wir, dass der Name nichts mit dem Aufstoßen unseres Mageninhaltes zu tun hat, sondern slawischen Ursprungs ist und so viel wie "Ort, wo haarige Pflanzen wachsen“ bedeutet. Ob das besser ist?

Ursulapoppenricht in Bayern

Das kann erstens keiner buchstabieren und zweitens, was zum Teufel soll das bedeuten?! Um genau zu sein, handelt es sich allerdings seit 1972 bei Ursulapoppenricht nicht mehr um einen eigenen Ort, sondern nur noch um einen Ortsteil der oberpfälzischen Gemeinde Hahnbach. Dennoch bleibt der Name kurios und kann irgendwie nichts Gutes bedeuten.

Um den Ort vom nicht weit entfernten und ebenfalls irrsinnig klingenden Miachaelenpoppenricht, der jetzt nur Poppenricht heißt, zu unterscheiden, wurden vor den eigentlichen Ortsnamen die Namen der Kirchenpatronin Ursula gesetzt. In früheren Zeiten, als der Ort den Zusatz "Ursula" noch nicht führte, hieß der Ort "Bobmried" oder im Jahr 1519 "Popenriede". Ja, es wird nicht schöner.

Ich hoffe, die Asbester aus Asbestos in Québec, Kanada fühlen sich nun besser. Zumindest so lange, bis sie bald einen neuen Namen haben.

  • Quelle:
  • Noizzz,de