Es sind grausame Bilder.

Schwere Tierquälerei wurde von der Tierrechtsorganisation Animals Rights Watch (ARIWA) in zwei großen deutschen Schweinemastbetrieben aufgedeckt. In Videos, die dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" zugespielt wurden, ist zu sehen, wie kranke Schweine misshandelt und auf unsachgemäße und grausame Weise getötet werden.

Die Bilder, die mit versteckter Kamera und einem Team mit mobiler Kamera gedreht wurden, zeigen, wie ein Mitarbeiter ein Schwein aus einer Bucht mit anderen kranken Tieren holt und dieses dann mit einem Holzprügel fast tot schlägt. Der Mann nutzt daraufhin ein Bolzenschussgerät und sieht dabei zu, wie sich das Tier in einem minutenlangen Todeskampf hin und her windet.

>> McDonald's kackt ab: Sind vegane Burger die Zukunft?

Laut dem von "Report Mainz" befragten zuständigen Amtsveterinärs Olav Henschel muss nach einer Betäubung mit einem Bolzenschussgerät normalerweise unverzüglich die Entblutung erfolgen. Diese geschieht üblicherweise durch eine Öffnung der Halsschlagader. Wird dies unterlassen, wacht das Tier wieder auf und ist grausamen Schmerzen ausgesetzt.

Die Aufnahmen aus dem anderen Betrieb in der Nähe von Cottbus zeigen, wie kranke Schweine zwar mit einem Bolzenschussgerät betäubt werden, daraufhin von einem Mitarbeitern aber minutenlang liegen gelassen werden, bevor er sie entblutet.

"Normalität in deutschen Betrieben"

Bei dem Betrieb bei Cottbus handelt es sich um die Spreefa GmbH, die Tochter eines der größten Schweinemastproduzenten Deutschlands. In dem Großbetrieb werden rund 20.000 Schweine gehalten. Der andere Betrieb ist ein Schweinemastbetrieb bei Schwerin. Beide Firmen haben die Vorfälle mittlerweile öffentlich verurteilt, die betroffenen Mitarbeiter entlassen und zugesichert, dass es sich um Ausnahmefälle handele.

Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Studien aber, dass es sich bei den Aufnahmen keineswegs um Einzelfälle handelt. Eine groß angelegte Studie von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover, bei der tote Schweine aus sechs Bundesländern untersucht wurden, stellte 2017 bei 61,8 Prozent der Tiere eine mangelhafte Durchführung der Betäubung und/oder Tötung fest.

>> Ferkel-Kastration ohne Betäubung: Bauern wollen weg von Methode

Auch ARIWA geht nicht von Einzelfällen aus. Die Sprecherin der Organisation, Sandra Franz, sagte dem "Spiegel": "Diese Zustände stellen die Normalität in deutschen Betrieben dar. [...] Da eine Behandlung der Tiere nicht rentabel wäre, werden sie einem langsamen und leidvollen Tod überlassen." Laut dem Nachrichtenmagazin werden mehr als 13,5 Millionen Schweine vor Erreichen des Schlachtalters getötet, weil sie erkranken oder verletzt werden.

Verstoß gegen geltendes Recht

Amtsveterinär Henschel ordnet die Taten aus den Videos deutlich als "Verstoß gegen geltendes Recht" ein. Der Fall werde an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Laut "Spiegel" entspricht die Ausstattung der Krankenbuchten in den Betrieben grundsätzlich nicht den geltenden Vorgaben. Demnach sind die Abteile aus hartem Beton und Spaltenboden verdreckt, der Futtertrog unter verkrusteten Ablagerungen kaum noch zu erkennen. Auch der vorgeschriebene Einstreu mit Stroh fehlt.

ARIWA hat eine Onlinepetition an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gestartet mit dem Ziel Tierkörperbeseitigungsanlagen zu verpflichten, alle angelieferten Tiere systematisch zu dokumentieren. Das Ministerium wiederum erklärte dem Politmagazin gegenüber, es komme auch auf die tierärztlichen Befunde unmittelbar am Tier an. Laut Strafrechtler Bülte sind die Veterinärbehörden und Justizorgane jedoch so unterbesetzt, dass deren Arbeit sehr mangelhaft ist.

Hier könnt ihr euch die Aufnahmen anschauen – falls ihr die Nerven dafür habt:

Quelle: Noizz.de