Er gestand einen Doppelmord aus Liebe zur eigentlichen Mörderin – das zumindest erzählte Jens Söring in der Talkshow von Markus Lanz. Doch wie kam es zu dem folgenschweren Geständnis? Und warum wurde Söring noch nicht für unschuldig erklärt? Seine Theorien darüber sind spannend.

Markus Sörings Lebensgeschichte könnte glatt aus der Feder eines Krimi-Autoren stammen. Nach 33 Jahren Haft vor allem in den USA ist der verurteilte Doppelmörder zwar wieder in seiner Heimat Deutschland – doch dass er unschuldig ist, glauben ihm die Behörden nicht. Bei Markus Lanz erklärte er nun, warum er zunächst ein Schuldgeständis abgelegt hatte – und stellte sich den bohrenden Fragen des Moderators.

Doch erstmal auf Anfang. Wofür wurde Söring überhaupt verurteilt? 1990 war er für den Doppelmord an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Als 19-Jähriger hatte Söring die Morde zunächst gestanden, dieses Geständnis aber später widerrufen. Haysom wurde wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Jens Söring bei Markus Lanz

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Abschiebung nach Deutschland

Nach einem nicht enden wollenden Verfahren beschlossen die US-Behörden schließlich: Söring soll auf Bewährung frei kommen und nach Deutschland abgeschoben werden. Am 17. Dezember 2019 kehrte der heute 53-Jährige schließlich zurück. "Das war der schönste Tag meines Lebens. Der Sonnenschein, der blaue Himmel in Frankfurt – das erste Mal in Freiheit, unglaublich. Ich bin so dankbar dafür", sagte er zu Gast in der ZDF-Talkshow. Doch für seine Zeit im Gefängnis fand er düstere Worte. Drei Jahrzehnte seines Lebens hätte er verloren, sagte er Lanz: "Ich war 30 Jahre lang eine Nummer und habe immer dagegen angekämpft, eine Nummer zu bleiben. Diesen Kampf habe ich gewonnen. Das ist jetzt Vergangenheit für mich."

Falsches Geständnis aus Liebe?

Doch warum saß Söring für eine Tat im Gefängnis, die er angeblich gar nicht begangen hat? Das erklärte er im Laufe der Talkshow mit der Liebe zu seiner damaligen Freundin. Haysom sei älter gewesen und allein deshalb schon faszinierend, so Söring, der damals als Diplomatensohn in den USA lebte. Er sei mit seinen 18 Jahren eher unsicher und unreif gewesen, Elizabeth Haysom dagegen war die "Bienenkönigin" in ihrem Studentenwohnheim. Zunächst hätten sie sich angefreundet, später seien sie ein Paar geworden. Die Beziehung zerbrach während des Mord-Prozesses, als sich beide gegenseitig beschuldigten.

Moderator Lanz stellte ihm daraufhin die Frage, ob er von dem Mord auch erst durch Haysom erfahren habe. Söring wich aus: "Ich kann heute nicht mehr so über die Tatnacht sprechen, weil ich mich an deutsche Gesetze zu halten habe. Ich kann nur sagen, dass ich nicht am Tatort war." Gelogen habe er, um die Frau, die er "über alles liebte", vor dem elektrischen Stuhl zu schützen. "Wenn es in Virginia keine Todesstrafe gegeben hätte, hätte ich vielleicht gesagt, 'Schatz, ich geh dich jeden Tag besuchen und warte, bis du frei bist.' Aber das stand nicht zur Debatte."

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Keine Reue ohne Schuld

33 Jahre Gefängnis – eine lange Zeit, die Jens Söring hätte verkürzen können. Doch er entschied sich dagegen, durch ein erneutes Geständnis früher entlassen zu werden. Lanz er erklärte er: "Um in Virginia entlassen zu werden, muss man Reue zeigen für die Taten, die man begangen hat. Aber das konnte ich nicht – weil ich es nicht war. Es tut mir leid für die Menschen, die gestorben sind, aber ich habe das nicht getan."

Seine Antwort auf Lanz' Frage, warum er nicht trotzdem einfach gestanden hätte, um sich selbst zu retten: "Weil es nicht die Wahrheit war". Damit wollte sich der Moderator nicht zufriedengeben und hakte noch einmal nach: "Sie wären bereit gewesen, bis zum Rest Ihres Lebens im Gefängnis zu bleiben?" Sörings bestimmte Antwort: "Absolut, ja."

Warum wurde Söring nicht für unschuldig erklärt?

Nun verwundert es doch sehr, dass Söring zwar auf freien Fuß gelassen wurde, der Bundesstaat Virginia ihm aber nie eine Unschuldserklärung ausstelle. Söring hat eine Vermutung, warum ihm diese bisher verweigert wurde: "Ich hätte dann einen Antrag auf Haftentschädigung über 1,4 Millionen stellen können."

Ohnehin kaufen einige Menschen dem ehemaligen Häftling seine Unschuld nicht ab. Und das könne er sogar verstehen, wie er im ZDF sagte: "Ich habe ein Geständnis abgelegt und für viele Menschen ist es nicht vorstellbar, dass man so etwas aus Liebe tun kann." Er nehme es ihnen nicht übel.

Seine Ex-Freundin hat Jens Söring nie wieder getroffen. "Das will ich auch nicht, ich habe ihr nichts zu sagen. Es wäre schön, wenn sie die Wahrheit sagen würde. Aber das wird sie nicht tun." Auch in die USA darf er nie wieder einreisen. Doch das ist für Söhring wohl eher Erleichterung als Strafe.

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Quelle: Noizz.de