Ein Verhaltenskodex regelt, wie Studierende ihren Glauben ausüben dürfen.

Vollverschleierte Frauen dürfen an der Uni Hamburg künftig keine Prüfungen mehr ablegen – außer sie legen ihre Burka ab.

Auch bestimmte Seminare, Labor-Praktika und medizinische Untersuchungen gehören zu den Verbotszonen für Vollverschleierte, die im „Zehn-Punkte-Papier zur Religionsausübung“ erwähnt sind, das Uni-Präsident Dieter Lenzen nun vorstellte.

Die Uni Hamburg ist damit nach eigenen Angaben bundesweit die erste Hochschule, die in einem Verhaltenskodex regelt, wie Studierende ihren Glauben leben und ausüben können.

Das Hauptgebäude der Uni Hamburg.

[Foto: Barghaan unter CC BY 3.0]

Generell sagte Lenzen zur Vollverschleierung: „Wir lassen das ausdrücklich zu.“ Doch etwa bei Prüfungen zur Feststellung der Identität sei keine Vollverschleierung gestattet.

Auf Anfrage von NOIZZ hieß es seitens der Uni, dass darunter auch Seminare fallen, „in denen eine Auseinandersetzung gefordert wird“, die also Teil einer Prüfungsleistung sind.

Bei dem Papier geht es auch um die Frage, ob sich Vorlesungen nach den Gebetszeiten von Muslimen richten sollten. Die Forderung einiger Studierenden wies die Kommission, die das Papier ausarbeitete, zurück.

Gespräche mit Islamwissenschaftlern hätten laut Kommissionsleiterin Birgit Recki ergeben, dass nach dem Koran Gebetszeiten bei Bedarf auch verschoben werden dürften.

Laut gesprochene Gebete etwa in der Bibliothek sind ebenso untersagt wie rituelle Fußwaschungen in sanitären Anlagen.

Der „Raum der Stille“ auf dem Campus der Uni Hamburg.

Religiöse Feste dürfen ausschließlich in einem „Raum der Stille“ stattfinden, den die Universität auch weiterhin auf dem Campus zur Verfügung stellt.

An der Kommission waren Religionswissenschaftler, Verfassungsjuristen, Psychologen und Vertreter der Studierenden beteiligt. Ziel sei es gewesen, so Lenzen, die Religionsausübung weitgehend zu ermöglichen, ohne die Freiheit der Wissenschaft einzuschränken.

Hintergrund waren offenbar Übergriffe von muslimischen Studenten, die im „Raum der Stille“ und anderen Uni-Räumen muslimische Frauen und Nicht-Muslime bedrängt haben sollen.

  • Quelle:
  • Noizz.de