Ein absurder Vorgang.

Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass die Migrationsorganisation in Deutschland völlig planlos, willkürlich und schwer nachvollziehbar abläuft. Gut integrierte Menschen werden abgeschoben, Kriminelle bleiben, Arbeitsverbote verstärken Perspektivlosigkeit, Asylbewerber mit Schulabschluss dürfen kein BAföG erhalten und werden von Ausbildungen ferngehalten.

In Berlin gibt es nun einen weiteren, absurden Fall. Die gefeierte Konzertpianistin Anastassiya Dranchuk muss spätestens bis 31. Januar das Land verlassen. Die 28-jährige, geboren in der ehemaligen Sowjetunion, heute Gebiet von Kasachstan, hat keine Aufenthaltserlaubnis mehr bekommen.

Dabei kam sie 2001 auf Einladung der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ nach Deutschland, war schon als 12-jährige eine hoch talentierte Pianistin. Sie studierte an deutschen Hochschulen, sammelte Preise, spielte bei Empfängen der Bundesregierung und wurde ein Star der deutschen Klaviermusik.

Sie verdient genug Geld, ist nicht abhängig von staatlichen Leistungen. Man stelle sich vor – ja, anderes und viel bekannteres Business und natürlich ein anderer Einzelfall, aber vom Prinzip ähnlich – Pierre-Emerick Aubameyang würde einfach in den Gabun abgeschoben.

Noch skurriler wird Dranchuks Geschichte bei einem Blick auf ihre Eltern: Die kamen eigentlich nur als Begleitpersonen ihrer Tochter ins Land, zunächst die Mutter, ein paar Jahre später der Vater, erhielten in der Zwischenzeit aber beide einen deutschen Pass und arbeiten heute als fest angestellte Musiklehrer an einem Gymnasium. Nur Tochter Anastassiya wurde nicht eingebürgert – und soll nun gehen.

Am Ende scheiterte alles an bürokratischen Versäumnissen. Durch ihre vielen Auftritte beendete sie ihr Studium nicht, was rechtlich bedeutet: Ausbildung ist kein Grund mehr auf einen Aufenthalt. Auch versäumte sie es einfach, ihre Einbürgerung zu beantragen. Dafür ist es nun zu spät.

Dass sie nun nach Kasachstan ausreisen soll, ist für Dranchuk absurd. Sie lebt seit 16 Jahren in Deutschland, spricht nicht einmal kasachisch, hat keinerlei Bindung zum Land. „Ich habe dort niemanden. Ich spreche die Sprache nicht. Deutschland ist meine Heimat. Meine Eltern sind hier und alle meine Freunde“, sagte sie der „Berliner Zeitung“. Vor dem Verwaltungsgericht wird sie nun gegen die Entscheidung klagen.

Bereits vor Monaten ist ihr der Pass entzogen worden. Bis zur Klärung ihres Status muss sie in Berlin und Brandenburg bleiben.

Quelle: Berliner Zeitung