„Pupsprozess“: Dieser Furz beschäftigt 23 Beamte

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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„Pupsen-Verboten“-Schilder gibt es in Berlin noch nicht Foto: blattwerkstatt / Fotolia

Der Fall zieht sich über eineinhalb Jahre.

Skurril, skurriler, Berlin: Der Fall von Christopher S., der im Februar 2016 in der Nähe einer Polizistin gepupst haben soll und wegen Beleidigung angezeigt wurde (NOIZZ berichtete), kostete die Behörden viel Zeit und Geld. Insgesamt 23 Beamte arbeiteten an dem Fall 17 Stunden und 13 Minuten.

Das ergab die Antwort auf eine Kleine Anfrage des Berliner Linken-Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg. Das Wort Pups umging er dabei und formulierte die Frage ganz neutral: Flatus incarceratus bei der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft?

Die Anfrage ist im Internet öffentlich einsehbar Foto: Screenshot / kleineanfragen.de

Die Antwort der Senatsverwaltung für Justiz zeigt auf, wie lange sich welche Polizei- und Gerichtsmitarbeiter mit dem Pups beschäftigt haben.

Auszug aus der Kleinen Anfrage von Sebastian Schlüsselburg Foto: Screenshot / kleineanfragen.de

Die Berliner Zeitung führt eine Rechnung aus Schlüsselburgs Büro auf: Überschlägt man anhand der Antworten konservativ die Personalkosten, habe dieser Pups die Steuerzahler am Ende mindestens 87,25 Euro gekostet.

Hierbei rechnet der Abgeordnete die Streifenpolizisten nicht mit ein, da er annimmt, dass die Beamten ohnehin in dem Viertel unterwegs waren.

Denn der „Tatort“ Rigaer Straße galt zu der Zeit als Gefahrengebiet. Der Gruppenleiter der Polizeieinheit will Christopher S. beim Furzen beobachtet haben und drohte mit der Anzeige wegen Beleidigung.

Gut ein Jahr später erhielt der mutmaßliche Pupser einen Strafbefehl über 900 Euro. Dagegen legte er Widerspruch ein. Nur deshalb kam es zu einer Gerichtsverhandlung.

Sie fand erst im vergangenen Monat statt und endete nach nur wenigen Minuten. Die Richterin stellte das Verfahren ein. Damit dauerte es mehr als eineinhalb Jahre von dem Vorfall bis zum Ende des skurrilen Falles.

Die Senatsverwaltung ist sich sicher, dass „eine objektive Bewertung des Sachverhalts keine negativen Auswirkungen“ auf das Ansehen der Berliner Polizei und Anwaltschaft hat. Nunja.

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