Du willst ein Zimmer wie auf Pinterest, hast aber kein Geld, und willst dazu nachhaltig leben. Mit diesem Struggle bist du nicht alleine – hier ein paar Tipps, wie du genau das bekommst.

Eingekerkert in meinen eigenen vier Wänden, haben die letzten vier Monate meine Toleranz für Unordnung komplett zerstört. Während der letzten zwei Jahre, seit meines Einzugs in meine jetzige Wohnung, waren ein improvisierter Blumenkasten als Kosmetiktisch und ein halber Umzugskarton als Bettzeug-Aufbewahrung völlig ausreichend. Doch jetzt kann ich diese Gegenstände nur noch angewidert anschauen. Warum sind mir noch nie die Staubschwaden aufgefallen, die sich hinter dem umfunktionierten Blumenkasten sammeln? Wie unruhig macht es mich eigentlich, die zwanzig unsortierten Briefe auf meinem Schreibtisch zu sehen? Muss meine Zimmerpflanze echt in einem braunen Plastiktopf sitzen?

Eigentlich will ich nichts lieber, als mit drei Monatsgehältern bei Maisons du Monde um mich zu werfen. Doch es gibt dabei einige Probleme.

Erstes Problem: Ich hab schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir bei H&M Unterhosen kaufe, die zum einen durch die halbe Welt gekarrt werden, um an meinem Hintern zu landen, und zum anderen unnötigen Verpackungsmüll produzieren.

Zweites Problem: Jeder Monatsgehalt geht ziemlich genau für Studienbeitrag, Miete, Krankenkasse, Essen und Kaffeesucht auf. Für den nachhaltigen Kleiderschrank aus regionalem Massivholz für 1.000 Euro ist da nicht mehr viel übrig. Ich lebe umweltbewusst, habe aber kein Geld. Kann ich trotzdem so wohnen, als wäre mein Leben eine Pinterest-Pinnwand?

Eine schöne Wohnung ist schlussendlich auch gut für die Psyche

Für Menschen mit Kreativität, Geduld und handwerklicher Neugier lautet die Antwort: Ja. Über die letzten paar Wochen habe ich damit experimentiert, mein Zimmer fast komplett neu zu gestalten, mit einem Budget von circa 150 Euro und einem – gefühlt sehr kleinem – ökologischen Fußabdruck. Das dauert länger und ist anstrengender, aber viel belohnender. Hier ein paar Tipps, um dich ein bisschen zu inspirieren:

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#1: Artikel bei IKEA aussuchen, dann bei Kleinanzeigen coppen

Für mich fing meine Wohnungseinrichtung vor zwei Jahren bei IKEA an – wie wahrscheinlich ziemlich jede Umzugsstory. Verständlicherweise, denn IKEA ist billig, übersichtlich und hat alles. Doch weil eben jede Umzugsstory bei IKEA anfängt, hat auch jeder IKEA-Möbel bei sich herumstehen, die er/sie irgendwann nicht mehr will. Warum also was Neues kaufen, in Plastik und Pappe verpackt, mit hohem Öko-Fußabdruck, wenn du dasselbe Teil in einer ähnlichen Verfassung garantiert auf Ebay Kleinanzeigen findest, für die Hälfte des Geldes? Recycle selber die Möbel von deinen Nachbarn, die sie ohne Kleinanzeigen wegschmeißen würden. Und wenn du die IKEA-Ästhetik nicht abkannst, dann pimpe das Billy-Regal einfach selber auf – Siehe Punkt #2 und #4.

Alles kann irgendwie schön gemacht werden

#2: Holzreste-Fundgrube im Baumarkt grinden

Der Baumarkt wird dein bester Freund werden. Am Anfang fühlst dich dort vielleicht noch unwohl, doch irgendwann hittet dich das Gefühl, dich gerade von allen Möbelhausketten zu emanzipieren und einfach dein eigenes Ding zu machen. Anstatt wochenlang den perfekten Schreibtisch auf Ebay Kleinanzeigen zu suchen, kannst du im Baumarkt in die Fundgrube spazieren, und ihn dir einfach selber bauen. Ein 10-Euro-Holz-Stück und ein 5-Euro-Lack später, und du hast eine relativ nachhaltige Tischplatte, die nach purem Money aussieht.

Der Baumarkt hat alle Antworten

#3: Finger weg von Amazon

Bestelle nichts online. Vielleicht denkst du, dass es dort die günstigsten Angebote für dich gibt, doch das ist eine Lüge. Online bestellen ist für die Umwelt so, als hättest du dort einfach einmal aus Bequemlichkeit reingekotzt. Lade dir stattdessen Ebay Kleinanzeigen runter oder überlege, wie du das gewünschte Stück selber basteln kannst. Hauptsache kein Amazon.

Wenn du online bestellst, bekommst du mehr Müll als Produkt geliefert

#4: Inspo bei teuren Läden holen, dann gebraucht nachbasteln

Ich weiß, wie sehr du dir gerne einen neuen Designer-Beistelltisch kaufen wollen würdest. Aber bevor du dir wegen unzureichendem Geldes dann doch lieber die billige IKEA-Version holst, werde kreativ. Einen Beistelltisch zu machen ist gar nicht so schwer, wie du denkst. Ein Tisch ist auch nichts anderes als eine Platte auf vier Beinen. Im Baumarkt gibt es Granitplatten schon für 5 Euro ein Stück, einen schlichten schwarzen Beistelltisch gibt es auf Ebay en masse. Und tada, dein geiler Tisch ist fertig, und du hast kaum Verpackungsmüll produziert.

Lass dich ruhig von teuren Marken inspirieren

#5: Altes verkaufen, nicht wegschmeißen

Wenn du nach stundenlangem hin- und herschieben und einräumen immer noch findest, dein altes Bett sieht aus wie ein Stück Scheiße, dann baue es nicht einfach auseinander und klopp es in die Tonne. Mach geile Fotos, biete es für 30 Euro zum Verkauf an und mach dem Nächsten eine Freude damit. Das ist einfach eine Win-Win-Win-Win-Situation. Die Umwelt gewinnt, weil du keinen Müll produzierst. Du gewinnst, weil du dein Budget damit ausweiten kannst. Dein*e Käufer*in gewinnt, weil dessen Budget geschont wurde, und die Umwelt gewinnt gleich noch mal, weil die Person sich dafür kein Regal auf Amazon bestellt hat.

Letztlich: Frage dich, warum du WIRKLICH dein Zimmer umgestalten willst. Oft haben wir nur einen Drang, neue Sachen haben zu wollen, weil wir so lange dasselbe angeguckt haben. Es macht schon einen riesigen Unterschied, wenn du das Bett, was du schon hast, einfach an eine andere Wand stellst. Wenn du dein Bücherregal einmal ausmistest, oder dir eine neue Pflanze zulegst. Das ist immer die günstigste Version – und nachhaltig sowieso.

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Quelle: Noizz.de