Wie schön wäre eine Welt, in der faire Produkte selbstverständlich sind – von unseren Klamotten bis hin zu unserem Kaffee. Jonathan Funke strebt mit seinem Unternehmen tip me eine solche Welt an. Seine Idee: globales Trinkgeld.

Stell dir vor, du bist mit Freunden in deinem Lieblingscafé und trinkst den besten Cappuccino der Stadt. Natürlich gibst du dem Barista Trinkgeld, weil er freundlich war, der Kaffee so lecker und einfach, weil es nett ist. Oder nicht? Das Trinkgeld gehört zur Netiquette und ist eine schöne Tradition. Aber was ist eigentlich mit den Kaffeebauern in Brasilien oder Indonesien? Waren die nicht auch maßgeblich daran beteiligt, dass du deinen Kaffee genießen konntest? Genau diese Frage hat sich auch Jonathan Funke, 24, gestellt und ein Unternehmen gegründet: tip me.

Alles fing damit an, dass Jonathan auf einer Demo gegen Primark war. "Es kam mir falsch vor, dass ein T-Shirt weniger kostet als eine Tasse Kaffee." Auf Stickern von Oxfam, die er verteilte, stand: "Nur 3 Prozent von dem Preis deines T-Shirts geht an die Näher*innen." Er dachte: "Wenn man also nur wenige Cent direkt und sicher an die Näher*innen senden könnte, würde das ihr Leben nachhaltig verändern."

Das Start-up tip me will globale Ungerechtigkeit bekämpfen

Eine Idee, aus der das Sozialunternehmen tip me entstand. Doch Jonathan sitzt nicht alleine im Boot. Mit dabei ist Helen, 28, die bis dahin auf internationaler Ebene im Bereich der Armutsbekämpfung gearbeitet hatte, und Robin, 26. Er studierte die Auswirkung von Transparenz in globalen Lieferketten. Jonathan selbst studiert nachhaltige Wirtschaft, wen wundert's. Und auch heute ist der Antrieb immer noch derselbe: Globale Ungerechtigkeit durch einfache, alltägliche und für jede*n zugängliche Lösungen bekämpfen.

Das Gründer-Team: Jonathan, Helen und Robin (v.l.)

Doch wie funktioniert tip me überhaupt? Ziemlich einfach: Wenn du im Internet Klamotten oder Schuhe shoppst und der Händler Partner von tip me ist, kannst du vor Abschluss deines Einkaufs noch festlegen, ob und wie viel Trinkgeld du an den Menschen geben willst, der deine Klamotten hergestellt hat. Dieses Geld wird dann direkt, sicher und vor allem ohne Abzüge auf das Handy des Arbeiters geschickt. In einem lokalen Shop kann er sich dann dein Trinkgeld bar auszahlen lassen. Partner sind zum Beispiel dawn und ethletics.

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Pakistan und Vietnam – tip me war es wichtig, die Empfänger des Trinkgelds kennenzulernen

"In Pakistan habe ich gemerkt, wie viel Sinn das globale Trinkgeld macht", erzählt Jonathan von seiner Reise. Als Mohammed Boota gesehen hat, dass Konsument*innen jetzt wissen, wer ihre Schuhe gemacht hat, habe er sich riesig gefreut. "Es ist eine Wertschätzung für gute Arbeit, die das Leben aller verbessert." Arbeiter könnten mit dem Trinkgeld ihre ganz persönlichen Wünsche erfüllen: die Kinder auf eine gute Schule schicken, ihr Motorrad reparieren oder sogar ein kleines Unternehmen eröffnen.

Mohammed Boota erhält das Trinkgeld auf seinem Handy und kann es sich in einem lokalen Shop abholen

Um Partner von tip me zu werden, müssen Unternehmen harten Standards entsprechen

Partner von tip me wird nicht einfach jeder, der sein Image polieren möchte. Jonathan erklärt: "Wir arbeiten nur mit Unternehmen, die Menschenrechte in ihrer Lieferkette respektieren. Es ergibt keinen Sinn, Trinkgeld an ausgebeutete Kinder zu schicken. Wir haben harte Standards, die Unternehmen erfüllen müssen." Ausbeuterische Unternehmen würden sich gar nicht erst melden, aus Angst, wirklich transparent zu zeigen, was hinter dem Produkt für eine Geschichte steckt.

Jonathan und Robin mit den Arbeitern in der Firma in Pakistan

Die Vision von tip me? Eine Welt, in der faire Produkte selbstverständlich sind. Die Mission: Lösungen für faire Wertschöpfungsketten anbieten. "Wir wollen erreichen, dass man sich beim Einkaufen wundert, wenn man nicht genau erfahren kann, wo ein Produkt herkommt." Daraus kann man dann meist schließen, dass dieses Unternehmen etwas zu verbergen hat. "Dadurch können wir den Druck aufbauen, der diese Industrie transparent, fair und menschlich machen kann", so Jonathan.

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Quelle: Noizz.de