In unseren Mülltonnen landet zu viel, was da eigentlich nicht hingehört. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamtes. Dabei versuchen wir doch eigentlich, alles richtig zu trennen. Aber das ein oder geht uns durch die Lappen. Wie geht Müll trennen für die Umwelt richtig?

Ich nehme mir bereits seit einiger Zeit vor, bewusster und nachhaltiger mit Lebensmitteln, Kleidung, Materialien und eben auch Müll umzugehen. Von Kindheitstagen wurde ich auf "richtiges" Mülltrennen getrimmt: Spaziergang zum Glascontainer, Altpapiersammeln, Batteriesammelbox, Grüner Punkt in den Gelben Sack, Pfandflaschen – dieser Recycelwahnsinn ist das ziemlich "almanigste", was ich in meiner Erziehung erfahren habe.

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Nur, um dann als erwachsene Frau festzustellen, dass ich ziemlich viel falsch trenne, keine Ahnung davon habe und ich noch nicht mal wirklich was dafür kann. Denn es ist: gar nicht mal so einfach. Dass nicht nur ich mit diesen vielen Optionen der korrekten Mülltrennung überfordert bin, zeigt auch eine neue Studie des Umweltbundesamtes. Eigentlich gilt Deutschland als eines der Vorzeigeländer in Sachen Recycling – eigentlich traurig, wenn man sich diese Zahlen anschaut. Denn wir produzieren rund 20 Prozent mehr Verpackungsmüll als andere europäische Länder.

Reichlich Biomüll, aber auch Papier, Glas, Plastik und immer wieder Batterien landen in deutschen Restmüll-Tonnen, obwohl das alles da eigentlich gar nicht hingehört. Fast 40 Prozent des "falschsortierten" Abfalls sind Bioabfälle, die eigentlich auf den Kompost oder in die Biotonne gehören. Gut ein Viertel sind Wertstoffe, die recycelt werden könnten. Dazu kommen 0,5 Prozent "Problemabfälle": Batterien, Lack, Energiesparlampen. Dass das nicht gut für die Umwelt ist, sollte auch allen nicht Greta-Thunberg-Anhänger*innen klar sein. Trotzdem passiert es – ob aus Faulheit oder Unwissen, ist schwer zu sagen.

Fakt ist: Tatsächlicher Restabfall, wie Staubsaugerbeutel, Kippen oder Kehricht – macht nur ein Drittel des Restmüll-Gewichts aus. Das Krasse ist: Früher landete noch viel mehr im Restmüll, was da nicht hingehört. 1985, also vor 35 Jahren, landetet doppelt so viel Abfall im "Restmüll": 239 Kilo waren es 1985, 128 Kilo pro Einwohner heute. Das macht unsere Müllmasse zwar nicht geringer, aber sie wäre eher wiederverwendbar, wenn wir richtig trennen. Denn der Restmüll wird nicht recycelt. Genau hier liegt das Problem.

Was also ist zu tun?

Kaufe möglichst unverpackte Produkte ein!

Die Umweltbehörden setzen auf bessere Informationen. Ein guter Anfang, aber seien wir mal ehrlich: Das alleine wird es kaum tun. Beispiel Biotonne: Ist seit 2015 Pflicht, machen aber nur wenige. Obwohl es ziemlich easy wäre, ungekochte Gemüseschalen, Kaffeesatz und Co. darin zu sammeln. Laut Umweltverbände machen aber auch viele Fehler, die die Biotonne nutzen: Oft lande Plastik in der Biotonne, und alleine ein Haushaltsgummi im Biomüll macht die weitere Verwertung eigentlich unmöglich.

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Also bin wohl in erster Linie ich als Verbraucher*in gefragt und habe mir einmal genauer angeschaut, wo, was und in welchen Müll gehört. Bei meiner Suche nach Antworten habe ich aber erst einmal festgestellt, dass ein anderer Punkt viel entscheidender ist: die Müllvermeidung. Denn wer weniger Müll produziert, kann ihn auch besser und einfacher trennen.

Laut der Deutschen Umwelthilfe, ist zum Beispiel etwa die Hälfte aller in Deutschland angebotenen Getränke auch in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen erhältlich. Die können bis zu 50 Mal wiederverwendet werden – im Gegensatz zu Einwegplastikflaschen. Wer Leitungswasser trinkt, verzichtet sogar komplett auf Verpackungen. Das ist in Deutschland auch vollkommen unbedenklich. Ohne Verpackung kommt eben auch eigentlich das meiste Obst und Gemüse aus, das man auf Märkten und im Supermarkt kaufen kann. Wer einzeln und verpackt kauft, verschwendet nachweislich auch weniger Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden.

Komplett ohne Abfall zu leben schafft keiner, das liegt in der Natur der Sache. Umso wichtiger ist es dann also genau zu wissen, was wo reingehört. Die Verbraucherzentrale weiß da bestens Bescheid.

Wohin mit dem Coronaschutz?

Masken und Handschuhe immer in den Restmüll

Weil es gerade so unheimlich aktuell ist, fangen wir doch damit an. Wenn du in Zeiten der Corona-Pandemie Einmalhandschuhe bevorzugst und einen einfachen chirurgischen Mundschutz, den du ebenfalls nur einmal verwenden solltest, trägst, gehört das auf keinen Fall in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne – auch wenn du dir vielleicht glaubst, sicher zu sein, dass die aus Plastik sind. Denn: Dein Mundschutz und die Handschuhe könnten kontaminiert sein. Im Restmüll werden sie verbrannt.

Gelber Sack: Immer schon den Deckel abmachen!

Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen: Auf immer mehr Tetrapacks deiner heiß geliebten Hafermilch oder deines Yoghurtbechers siehst du den Hinweis, dass der Deckel extra in den Gelben Sack kommen soll. Aber wieso nur? Das ist etwas, dass ich zugegeben auch viel zu oft vergesse. Der Grund ist easy.

Viele Verpackungen bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Zurück zum Joghurtbecher: Der ist aus Kunststoff, der Deckel aber aus Aluminium. Hängen beide Materialien zusammen, kann es sein, dass sie von der Sortieranlage nicht erkannt werden können. Unter Umständen wird der Becher dann nicht recycelt.

Im Gelben Sack landen alle Verpackungsstoffe aus Kunststoff, Weißblech und Aluminium – etwa Folien, Tuben, Konservendosen oder Plastiktüten sowie Tetrapacks. Auch alle Gegenstände die den "Grünen Punkt" haben, landen hier. Auch dein Coffee-to-go-Becher oder die Styroporbox für das Take-away-Essen gehören hier rein.

Du musst deine Tetrapacks oder Joghurtbecher auch nicht nochmal ausspülen, das verschwendet unnötig Wasser, denn in der Müllsortieranlage wird eh alles gereinigt.

Sonderfall Wertstoff-Tonne

In manchen Orten Deutschlands gibt es keinen Gelben Sack, sondern die Wertstofftonne. In die kommen nicht nur die Verpackungen wie aus dem Gelben Sack, sondern auch Sachen, die früher zum Teil im Restmüll landeten: Etwa deine kaputte Rührschüssel aus Plastik, die alte Zahnbürste oder ein ausrangierter Kochtopf. Yes, das alles darf eigentlich nicht in den gelben Sack. Verwirrend, oder?

Klirr: Deine Wein- und Ginflaschen gehören in den Glascontainer

Hier kommen alle Glasflaschen rein, die kein Pfand haben – also eben deine leere Pfeffiflasche, der Wein vom letzten Mädelsabend und so. Getrennt gesammelt werden Grün-, Braun- und Weißglas und nein, die werden beim Abtransport nicht wieder zusammengeschüttet!

Aber auch hier kannst du einiges verkehrt machen: Deckel aus Metall oder Plastik solltest du abschrauben und in den Restmüll (Metall) oder gelben Sack (Plastik, Verbundmetall) tun. Steingut, Porzellan, feuerfeste Keramik und Glasgeschirr, wie zum Beispiel Windlichter gehören definitiv nicht in den Glascontainer!

Deine fancy Zeitschriften und der Karton deiner letzten Onlineshopping-Orgie kommen ins Altpapier

Altpapier

Das ist eigentlich die einfachste Tonne: Zeitungen, Zeitschriften, Schreibpapier, Verpackungen aus Pappe oder Geschenkpapier. Tabu sind: Tetrapacks, Kasssenbons, beschichtetes Back- und Wachspapier. Auch keine Taschentücher, Styropor oder Tapetenreste, falls du auf die Idee kommen solltest!

Voll öko: die Biotonne für deine toten Urban-Jungle

In die Biotonne kommen organischen Abfälle, wie Pflanzenreste und Gartenabfälle – also zum Beispiel die verwelkten instagramable Pfingsrosen oder der von dir gekillte Kaktus. Auch Obst- und Gemüseabfälle, Kaffee- und Teefilter können hier rein. Nicht aber Knochen und gekochte Sachen, die gehören in den Restmüll. Ja, wieder: kompliziert.

Und: Es gibt sogenannte Biokunststoffbeutel, die auch biologisch abbaubar sind. Das dauert aber auch so lange, dass diese Biokunststoffbeutel jeder Kompostanlage ein Dorn im Auge sind. Also besser Papiertüten nehmen. Muss man eben öfters den Müll runterbringen.

Deine Graffitidose gehört in den Sondermüll!

Leer gesprayt.

Genauso wie leere Batterien (die kannst du in fast jeden Supermarkt gesammelt abgeben), Renovierungsabfälle, Reinigungsmittel, Gartenchemikalien mit Gefahrstoffsymbolen und quecksilberhaltige Thermometer. Denn: Ihre Inhaltsstoffe sind gesundheitsschädlich und können der Umwelt schaden. Sonderabfälle kannst du an speziellen Sammelstellen kostenlos abgeben.

Dein kaputtes Macbook, DJ-Pult und Co. musst du extra entsorgen!

Kaputt, aber kein Fall für die normale Mülltonne!

Egal ob iPhone, Kaffeemaschine, Drucker oder Plattenspieler: Deine kaputten Elektrokleingeräte müssen seit einiger Zeit getrennt entsorgt werden. Entweder auch auf einem Wertstoffhof oder aber bei allen größeren Elektrohändlern wie Saturn, Media Markt und Co. Gleiches gilt für kaputte LED-Glühbirnen.

Deine alte Ikea-Bude? Ein Fall für den Spermüll!

Ikea-Möbel

Irgendwann hat selbst die beste Malm-Kommode ausgedient – ein Fall für den Spermüll! Den muss man in den meisten Städten extra bestellen oder aber man muss ihn selbst zu einem Müllhof fahren. Auch Matratzen, Tapetenreste und alte Teppiche bei deinem eventuell nächsten Umzug sollten dort mit entsorgt werden.

Und wohin mit: Altkleider, Korken, CD und DVD?

Kleider, die sonst auf dem Müll landen würden – in Västerås werden sie zur Energiegewinnung genutzt

Alte Kleidungsstücke gehören in der Regel nicht in den Müll, sondern können in die Altkleidersammlung gegeben werden. Sollte dein T-Shirt so richtig kaputt sein, dass es keiner mehr tragen kann, ab damit in den Restmüll.

Wer viel Wein trinkt, kennt das Problem – wohin mit dem Korken? Einige Wertstoffhöfe, soziale Einrichtungen, aber natürlich auch Weinhändler sammeln Korken. Kork ist ein gefragter Rohstoff. Daher sind die Korkeichenwälder nahezu übernutzt. Aus recycelten Korken werden biologische Dämmstoffe und Bodenbeläge gemacht.

Und im Streamingzeitalter hast du garantiert jede Menge alte CDs und DVDs rumliegen: Sie bestehen zu 99 Prozent aus Polycarbonat, das man gut recyceln kann. Sensible Daten kann man vernichten, indem man die Scheiben vorher zerkratzt. Am besten bringst du sie zum Wertstoffhof, der Restmüll ist aber auch okay.

Und der Rest? In den Restmüll!

Wenn du alles richtig trennst dürfte im Restmüll gar nicht mehr so viel landen und vor allem sehr unspektakuläre Sachen. Wird alles richtig getrennt, bleibt für die Restmülltonne nicht mehr viel übrig: verschmutzte Papiere und gebrauchte Taschentücher, Binden, Tampons, Staubsaugerbeutel, defekte Glühbirnen, ausgetrocknete Filzstifte, Zigarettenkippen, alte Fotos, zerbrochenes Porzellan oder Glas und – wer noch keine Wertstofftonne hat auch kaputte Kunststoff- oder Haushaltsgegenstände.

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Ehm, gar nicht so schwierig oder? Dann lernen wir das jetzt alle Mal – für eine bessere Umwelt!

Quelle: Noizz.de