Romeos "Emo Trap"-Inkarnation.

In unserer Reihe "Yung Deutschrap" stellen wir euch regelmäßig nice Nachwuchskünstler vor, die sich in den Weiten des Deutschrap herumtreiben und das Potenzial haben, die nächsten großen Stars zu werden.

In der dritten Folge geht es um lilmido, einem jungen Teenie aus dem Internet, der sein gebrochenes Herz in poppige "Emo Trap"-Hits ausschüttet.

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Sein Alter will er nicht verraten. Man muss aber auch kein Hellseher sein, um zu bemerken, dass lilmido seine Kinderschuhe noch nicht vor allzu langer Zeit abgelegt hat. Wenn man ihn zum ersten Mal hört, braucht man einen Moment, bis es Klick macht – ja, da vertont ein wirklich junger Teenie Liebeskummer.

Und das richtig gut! Die musikalische Früherziehung hat ganze Arbeit geleistet. lilmido schreibt zuckersüße Melodien, kann mit Harmonien umgehen und hat auch das richtige Händchen an den Autotune-Reglern. Heraus kommen kleine Klagelieder mit Hitpotenzial.

Ich habe mit dem zurückgezogenen Romeo über die großen Themen des Lebens gesprochen: Liebe, Vergänglichkeit, und 40 Euro für den nächsten Beat.

NOIZZ: lilmido, in deiner Musik geht es eigentlich ausschließlich um Herzschmerz. Wie geht’s dir denn gerade?

lilmido: Bin grad ganz glücklich, dass mein Stuff bisschen mehr gehört wird.

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Warum möchtest du uns nicht sagen, wie alt du bist?

lilmido: Ich gebe mein Alter ungern Preis, da ich finde, dass Kunst/Musik unabhängig vom Alter betrachtet werden soll. Außerdem ist es ganz cool, wenn die Leute nicht alles über mich wissen und paar Sachen unbekannt bleiben.

Kannst du was über deinen musikalischen Hintergrund erzählen?

lilmido: Meine Mutter hat mir mit fünf Jahren Klavierspielen beigebracht und das ist so das Einzige.

Wie ist dann aus dem fünfjährigen Kind lilmido geworden?

lilmido: Hatte schon immer den Traum, Sänger oder Schauspieler zu werden und deshalb hab ich in der Grundschule aus Spaß immer gesungen und gemerkt, dass ich Taktgefühl hab und bisschen singen kann. Zu der Zeit hab ich viel Cro gehört.

Irgendwann 2015 hab ich dann angefangen, mehr Deutschrap zu hören und hab mich mega cool gefühlt. Hab auch mal was gecovert und – holy, war das scheiße, haha. Aber wirklich aktiv angefangen mit Musik hab ich Anfang 2017, da hab ich "Old School-Hip Hop"-Stuff gemacht (mit meiner kindlichen Stimme, yea) und dann hat sich das alles halt entwickelt.

Klavierunterricht, Singen, Schauspielen, Liebeslieder schreiben – du scheinst ein richtiger Bohème zu sein. Was machst du denn mit deiner Zeit, wenn du gerade nicht an der Musik arbeitest?

lilmido: Musik hören.

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Wieso ist dir Musik so wichtig?

lilmido: Musik ist meine Leidenschaft, ohne die ich eigentlich nicht leben kann. Es geht darin um meine Gedanken und bestimmte Sachen, die passiert sind. Deshalb bedeutet sie mir so viel – weil ich damit Sachen verarbeiten kann, sie mir ein gutes Gefühl gibt und mich glücklich macht.

Wenn du keine Musik machen dürftest: Was würdest du in deinem Leben tun?

lilmido: Nicht leben, denk ich mal. Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich wäre ohne Musik glaube ich ein ganz anderer Mensch.

Du machst ja auch viele Features mit anderen Rappern bzw. Sängern. Gibt es da in deiner Gegend eine lokale Szene? Oder bist du ausschließlich übers Internet connectet?

lilmido: Ich wohne in Mittelhessen, aber meine Stadt ist lame as fuck und deshalb zieh ich mit 18 woanders hin. Mich gibt's also nur im Internet, lokal gibt's nicht wirklich was, wo man sich vernetzen könnte. Fast alle Leute, mit denen ich musikmäßig was zu tun hab, wohnen nicht in meiner Nähe.

Bis auf die Beats, machst du alles selber – schreiben, recorden, mixen, mastern. Kannst du uns beschreiben, wie genau bei dir ein Lied entsteht? Wird dir etwa im Wochentakt dein Herz gebrochen?

lilmido: Ein Song entsteht bei mir, wenn ich viel Ruhe hab und in der Mood bin. Ich höre einen Beat und wenn ich ihn fühle, dann hab ich automatisch schon 'ne Melodie im Kopf. Ich schreib dann einfach drauf los, manchmal brauch ich 30 Minuten für 'nen Text und manchmal drei Stunden. Ich nehm dann auf, meistens zehn bis 20 Spuren. Danach zieh ich mir den Stuff auf FL (Anm. d. Red. Fruity Loops, Software zum Produzieren) und mix das Ganze. Das ist dann wieder ähnlich wie beim Text; manchmal mix ich 'ne Stunde und manchmal fünf. Mein Ziel ist, dass alles 100 Prozent selfmade ist.

Cooles Fernziel – und ganz schön viel Arbeit für einen einzigen Menschen. Was ist denn für dich als Künstler aktuell der größte Struggle?

lilmido: Geld. Ich hab teilweise nicht mal genug Geld, um mir 'nen Beat für 40 Euro zu kaufen. Ich hoffe, das ändert sich bald.

Vom Sound her würde man dich in den zeitgenössischen Emo Trap einordnen, dass du viel Cro gehört hast, merkt man aber auch. Was sind zur Zeit deine Impulsgeber?

lilmido: Aktuell feier ich Edo Saiya und Lil Peep am meisten.

Du kannst uns jetzt genau einen Song von dir zeigen.

lilmido: Es kommt noch so viel, aber momentan ist es "beans".

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Doch Eines hab ich noch gelernt: Verlass dich niemals auf Liebe und Glück ist nur temporär

Das ist ein Zitat von dir aus deinem Lied " ". Kannst du das ein bisschen erklären?

lilmido: Liebe ist vergänglich und nichts, worauf man sich verlassen sollte, weil man sich nie sicher sein kann, dass die Liebe vom Partner nicht einfach von jetzt auf gleich verschwindet. Genauso schnell kann auch das Glück verschwinden. Man ist nie für immer glücklich, deshalb ist Glück nur temporär.

Das ist eine ganz schön tiefe, aber auch traurige Sicht auf das Leben. Wie sehen denn deine Pläne aus?

lilmido: Ich hoffe, dass das mit der Musik klappt und ich tu alles dafür, aber mache halt noch Schule. Ich möchte eigentlich nur Musiker werden und nix anderes machen, aber das ist ja nicht so einfach, davon zu leben.

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Welche Rolle spielen Erfolg, Fame und Geld bei diesem Plan?

lilmido: Jeder andere würde an der Stelle jetzt sagen, dass es ihm egal ist, aber ich bleib real. Ich will mit meiner Musik später mal was erreichen und deshalb freut mich das schon sehr, wenn ich zum Beispiel auf einen Song viele Klicks kriege oder wenn bekannte Personen meine Musik feiern. Erfolgserlebnisse sind halt auch ab und zu mal wichtig, weil irgendwo ja die Motivation herkommen muss, weiter zu machen. Geld ist mehr oder weniger notwendig, um Beats und Releases zu finanzieren, und um mein Homestudio zu upgraden. Momentan investiere ich jeden Cent – ob Spotify-Einnahmen oder Taschengeld – in Musik.

Stell dir vor, du könntest dir die nächsten sechs Monate deiner Karriere aussuchen – was würde passieren?

Ililmido: Ich würde ohne Geldprobleme ein Tape machen, was auf Spotify gut abgeht und ich würde in 'ner coolen Stadt auftreten mit der Icygang.

Wie steht's dabei um den Teil, den du selbst in der Hand hast?

lilmido: Also, es sind gerade so sechs bis sieben Songs ready, die alle bis Ende Mai released werden. Danach werde ich mich an eine EP oder an ein Tape setzen. Aber es kommen auf jeden Fall viele Singles, yea.

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Möchtest du noch was sagen?

lilmido: Ich liebe jeden, der mich unterstützt und mich auf meinem Weg begleitet.

Hier kannst du Shout-Outs geben …

lilmido: Special Shout-Outs gehen raus an die Icygang! Das sind IcyNyu, Presto, Kura, und der Ehrenmann Timo sowie sein Bruder Rimo. Auch mein ehemaliger bester Freund aidsmoji wird hier gegrüßt, da er mich auf meinem Weg bis Dezember 2018 begleitet hat. Ich grüße noch romain, mit dem ich 2019 bisschen Feuer machen werde (am 10. Mai kommt "whatsapp"), und dann grüß ich noch Metus, Ozan, meine Real-Life-Freunde, die mich unterstützen, aber keine Musik machen, und jeden Hörer meiner Musik. Kuss geht raus.

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Quelle: Noizz.de