Die Britin veröffentlichte dieses Jahr ihr Debütalbum "Walk Through Fire".

Ist jetzt nicht so, als wäre Yola jemals geradlinig unterwegs gewesen. Dass das mit der Musik eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt, wusste sie nämlich schon mit fünf Jahren. Damals sang sie im Kinderchor ihrer Heimatstadt Bristol. Die Ambitionen, Musikerin zu werden, verstand ihre alleinerziehende Mutter allerdings nicht so wirklich.

Yola versucht es natürlich trotzdem. Die erste große Sache ist ihr Part als Backgroundsängerin der 90er-Trip-Hop-Band Massive Attack. Erst mal bleibt Yolanda Quartey, so der bürgerliche Name der Künstlerin, aber dennoch im Hintergrund: Ihre Stimme ist unter anderem auf Alben von Iggy Azalea zu hören, sie schreibt Songs für Katy Perry, ist Sängerin des Bandprojekts Phantom Limb, wo sie zwar endlich Frontfrau sein darf, aber sonst wenig Entscheidungsmöglichkeiten hat.

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"Für schwarze Musikerinnen gibt es vorgefertigte Muster – unser Genre ist R'n'B oder Dance, wir machen Backgroundgesang oder irgendwas mit Gospel. Das Ding ist nur: Das war eigentlich nie, was ich wirklich machen wollte", sagt Yola. Wenn die 35-Jährige spricht, hört man ihr automatisch zu. Nicht nur, weil ihre Stimme auch im Gespräch so intensiv und rau klingt, wie wenn sie singt. Auch weil sie einem gar keine andere Wahl lässt: Sie lacht zwischendurch schallend, gestikuliert die ganze Zeit lebhaft mit den Händen und unterstreicht ihre Aussagen, indem sie ihre flache Hand wahlweise auf ihren Oberschenkel oder die Tischplatte schnellen lässt.

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Es hat gedauert, bis Yola ihre Stimme gefunden hat. "Kurz bevor ich 30 Jahre alt wurde, hab ich mich ernsthaft gefragt, was zur Hölle ich eigentlich mit meinem Leben mache", sie hält kurz inne. "Ich habe mich umgeschaut, und ich sage dir: Da war einiges Mist. Einiges! Ich habe dann angefangen aufzuräumen."

Sie beschreibt, dass sie sich von falschen Freunden befreite, von falschen Kollegen aus der Musikbranche, die ihr nicht gut taten. Sie hatte keine Lust mehr darauf, Kompromisse zu akzeptieren und fing noch mal von vorne an. "Ich begann, meine Songs für mich zu schreiben", sagt sie bestimmt. Das Ergebnis: eine Mischung aus Country, Soul und Pop. Musik die ihrer starken und einzigartigen Stimme bestens steht und in der sie ihre Gefühle verarbeiten kann.

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Bei einem Festival in den Staaten wird Dan Auerbach auf sie aufmerksam. Der Sänger und Songwriter der Rockband The Black Keys und Produzent (etwa von Lana Del Reys Album "Ultraviolent") lädt Yola in sein Studio nach Nashville ein. Die beiden arbeiten zusammen an Yolas Musik und produzieren so das Debüt-Soloalbum der Künstlerin. "Es hat sich zum ersten Mal alles richtig angefühlt. Meine Entscheidungen wurden respektiert, es war super!" schwärmt die Musikerin.

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Musste also erst wieder der weiße Mann kommen, der die schwarze Frau rettet – könnte man fragen, wenn man fies sein möchte. Yola schaut unbeeindruckt. "Hör mal, Girl, ich hab News für dich: Wenn du keinen Bock auf weiße Männer hast, ist die Musikbranche das falsche Pflaster. Hier ist nämlich alles voll von ihnen." Sie lacht laut und sagt knapp, wie man es richtig macht: "Die Kunst ist, die Guten zu finden und die Graupen zu ignorieren!" So nämlich.

Klar, ist es auch Auerbach, der für Yolas Erstlingswerk verantwortlich ist. Immerhin ist er für seinen reichhaltigen, gitarrenlastigen Sound und seine trockenen Retro-Produktionen bekannt ist. Aber es ist Yolas Stimme, die die Stücke sonnig und luxuriös klingen lassen und es sind ihre Geschichten, die für Emotionen sorgen. Geschichten vom gebrochenen Herzen, von Enttäuschungen, von Lektionen, die man schmerzhaft lernen muss und letztendlich von Hoffnung und dem Blick, den man niemals woanders hin als nach vorne richten sollte.

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"Der Titel der Platte 'Walk Through Fire' ist ernst gemeint – ich bin durch Feuer gegangen in meinem Leben. Und ich habe überlebt, und mich schockt jetzt nichts mehr, ha!" Yola schnipst mit ihrer rechten Hand. Man glaubt ihr sofort. Genauer genommen: Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass diese Frau, die vor Coolness und Selbstbewusstsein strotzt, einmal nicht wusste, wo es für sie lang geht. Diese Haltung sich selbst gegenüber, ihre eigene Stimme und ihren Sound musste sie aber erst finden. "Es hat ein bisschen gedauert, ich weiß. Aber jetzt bin ich angekommen – und zwar genau da wo ich hin wollte."

Wo wir Yola haben wollen, dürfte auch klar sein: auf der Bühne. Für zwei eigene Konzerte kommt Yola diesen Winter nach Deutschland:

16. November: Berlin, Lido

17. November: Hamburg, Stage Club

  • Quelle:
  • Noizz.de