Der Sänger will gegen die Bezeichnung vorgehen.

Xavier Naidoo hat schon seit Jahren an Standing verloren: Seit er im Jahr 2014 einen denkwürdigen Auftritt bei einer Reichsbürger-Demonstration hinlegte, ist der musikalische Mainstream immer mehr von ihm abgerückt. Beim Eurovision Song Contest 2015 ist er zum Beispiel nicht als deutscher Kandidat angetreten, wie ursprünglich vorgesehen war.

Doch auch davor schrieb der Söhne-Mannheims-Sänger Texte, die seinen Hang zu Verschwörungstheorien mehr als nur erahnen ließen. In „Raus aus dem Reichstag“ heißt es: „Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel / Der Schmock ist'n Fuchs und ihr seid nur Trottel.“

Diese Ausschlachtung antisemitischer Klischees – der einflussreiche Jude, der den Umgang mit Geld beherrscht und im Hintergrund die Fäden zieht – stammt bereits aus dem Jahr 2009. Die Vorwürfe, Naidoo sei ein Antisemit, sind seitdem immer wieder zu hören; diese Textstelle wird dabei häufig zitiert, genau wie seine Rede bei den Reichsbürgern, die ihr euch hier anschauen könnt:

„Er ist Antisemit. Das ist strukturell nachweisbar.“

Der Sänger sieht das anders und will nun ein Gericht darüber entscheiden lassen, ob er sich Antisemit nennen lassen muss oder nicht. Wie die Mittelbayerische Zeitung schreibt, richtet sich Naidoos Klage gegen die konkrete Aussage einer Bildungsreferentin der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Im Rahmen einer Veranstaltung, bei der Vertreter verschiedener Behörden über das Phänomen der Reichsbürger informiert wurden, soll sie ihn als Antisemiten bezeichnet haben. Das genaue Zitat entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie: „Er ist Antisemit, das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagen, weil er gerne verklagt. Aber das ist strukturell nachweisbar.“

Naidoo kam persönlich zum Prozess

Am Dienstag wurde der Fall nun in Regensburg vor dem Landgericht verhandelt, Naidoo kam sogar persönlich. Die Referentin begründete den Vorwurf ebenfalls mit der Stelle aus „Raus aus dem Reichstag“ und zog einen weiteren Song, „Marionetten“, heran. Die dort verwendeten Codes und Chiffren seien als antisemitisch einzuordnen.

Naidoo verwies auf seine jahrelange und immer noch andauernde Zusammenarbeit mit dem jüdischen Konzertveranstalter Marek Lieberberg und auf den (nicht öffentlich bekannten) jüdischen Vornamen seines 2015 geborenen Sohnes. Auch seine Arbeit für verschiedene Initiativen, die sich gegen Fremdenhass einsetzen, soll laut Naidoo ein Beleg dafür sein, dass er kein Antisemit sei.

Ein Urteilsspruch soll am 17. Juli verkündet werden.

Quelle: Noizz.de