Die Band zeigt in Berlin, dass sie es immer noch kann.

Mike Skinner kann auch unsicher sein: Ganz kurz, nur einen halben Song lang, aber es ist ihm anzumerken. Er rappt die ersten Zeilen fast schüchtern vor sich hin. Dass die Lyrics leicht neben dem Beat kommen war schon immer Absicht, seine Aufregung nicht. Aber mit der ersten Ansage kommt die Rampensau im 39-Jährigen zurück: „Die Welt hat sich verändert, aber ich habe mich verfickt nochmal nicht verändert!“, schreit Skinner in den Heimathafen Neukölln. Die erste von vielen Champagnersalven schießt ins Publikum. Skinner hat seinen Rhythmus wieder.

Sieben Jahre sind vergangen seit der Auflösung seines Einmann-Projekts „The Streets“. Das letzte Konzert in Berlin ist sogar schon zehn Jahre her. Da war Bush noch Präsident der USA, scherzt der Frontmann zwischen den Songs. Doch für Skinner war es Zeit für ein neues Kapitel der alten Band.

Deswegen kann es buchstäblich keinen besseren Opener als „Turn the Page“ geben. Es ist der erste Track von seinem Debütalbum „Original Pirate Material“, 16 Jahre alt. Die Platte wurde zum Überraschungshit. Ein ungewöhnlicher Mix aus Hip Hop, Grime und Clubbeats, den Skinner in einem Kleiderschrank aufnahm. Der damals 23-Jährige wurde zum Sprachrohr englischer Mittelklassekids.

Für ihren Comeback-Gig hätten The Streets deutlich größere Hallen füllen können: Im kleinen Berliner Heimathafen waren die Tickets nach wenigen Minuten ausverkauft. Doch das Konzert dient wohl nur als Testlauf. Wesentlich größere Venues hat Skinner auf der Insel schon gebucht. Doch bevor es in die Heimat geht, wollen der Engländer und seine Band wissen, ob sie es noch immer können.

Kein Wunder, dass Skinner heute keine Experimente eingeht: In fast 90 Minuten spielen The Streets konsequent ihre größten Hits, den Fans gefällts! Skinner versprüht Energie, als ob es die lange Pause nie gegeben hätte. Mal springt er ins Publikum, dann nimmt er einen Schluck Pfeffi aus der Menge, ehe er sich zum Schluss einen riesen Circle-Pit wünscht, der den Frontmann verschlingen soll.

Das musikalische Fundament der Show bilden das bahnbrechende Debüt und der ähnlich starke Nachfolger „A Grand don’t come for free“. Aus den drei Nachfolgeplatten bedient sich Skinner weniger. Auch die Handvoll neuer Songs, die The Streets in den vergangenen Monaten veröffentlicht haben, werden abgesehen von „Boys will be Boys“ übergangen.

Auch wenn es am Ende vermutlich nicht, wie von Skinner gefordert, der größte Moshpit aller Zeiten war: Seine Freude ist durchgängig zu spüren. Als er das Ende seiner Band 2011 verkündete, sagte er noch, er habe keine Lust noch mit 40 seinen Hit „Let’s push things forward“ singen zu müssen. Dafür müsste er The Streets bis November endgültig begraben haben. Nach diesem Konzert ist das schwer zu glauben.

Quelle: Noizz.de