Zu seinem zweiten Geburtstag kommt das Indie-Festival größer und besser zurück.

Dabei waren die Anfänge schwerer als man denkt: Von der Paderborner Kultur- und Musikszene gelangweilt, beschließen die Studierenden des Veranstaltungs-Kollektivs "Wintergrün" 2018 ihr eigenes Festival auf die Beine zu stellen. Dafür haben sie in Paderborn allerdings mit anderen Dingen zu kämpfen, als zunächst angenommen.

Studieren in Paderborn macht betroffen: Das Gras ist schwer zu besorgen, das Kleinbürgertum überbietet sich im Esprit-Kollektions-Schaulauf in die nächste Kirche und zu allen Jahreszeiten findet Libori, ein Jahrmarkt, statt: Als könnte das, wenigstens das, die Flippigkeitsskala der Stadt dann doch noch eben auf 200 hoch ballern.

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Die Zeichen junger Studierender stehen also schnell mal auf Exodus and get the fuck outta here. Am Wochenende und naja, eigentlich immer, sobald sich Möglichkeit am Bahnhof bietet, weiter als Bielefeld zu fahren.

In diesem kuschelig-modrigen Nest befanden sich 2017 auch die sieben Freunde um Markus, Pascal und dem Letten (der eigentlich Janis heißt), als sie das nicht mehr so hinnehmen wollen.

Erste illegale Konzerte im heimischen Wohnzimmer wurden organisiert, aber irgendwann wollte man dem WG-Chamäleon Hugo nicht noch mehr Stress antun, als es durch die Pubertät eh schon hatte. Das Veranstaltungskollektiv "Wintergrün" bildete sich.

Wintergrün deshalb, weil der Lette auf besagten Wohnzimmerkonzerten nicht müde wurde, irgendwelche Topfpflanzen (unter anderem die Wintergrün) zwischen den Künstlern als Deko zu verteilen. Weil eh alle irgendwie in der Musikszene verbandelt waren, warf in einer betrunken Nacht jemand nichtsahnend die magischen sechs Worte in den Raum: "Yo, lass mal 'n Festival machen."

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Damals noch eine angedudelt-euphorische Idee, wurde diese im Sommer 2018 erstmals tatsächlich in Realität umgesetzt. Kleines Line-up, nette Bühne, aber die Struggles of Life waren halt auch nicht weit: Zum ersten Mal ein komplettes Festival buchen, sich mit Sicherheitsplanung, Dixi-Klos und Behörden auseinandersetzen …

Besonders der letzte Tag vor dem Beginn des eintägigen Festivals wurde komplett durchgearbeitet, um Dekoration und Stagemanagement noch auf die Reihe zu bekommen. Man war also bereits ziemlich gut im Arsch, als Pascal gegen zwei Uhr morgens einfiel, dass er ja, scheiße, die 50 Büchsen Kichererbsen noch zu Hummus verarbeiten musste, den er während des Festivals in seinem "Awkward-Jesus"-Foodstand aufs Fladenbrot schmieren wollte.

Während Pascal also in jener Nacht sein Opfer brachte (wirklich ein bisschen wie Jesus), um die verbleibenden Stunden bis zum Morgengrauen mit der Produktion von feinstem Hummus zu verbringen, zogen Markus und der Lette am Festivaltag in einen ganz anderen Krieg, als zunächst angenommen: Vergiss mal Stagetimes und Festivalmanagement, Alter! DIe Creme de la Creme der charismabefreiten Rentnerhipsterschaft Paderborns zog am Samstagnachmittag auf, um ihren Wochenend-Kaffee im Lokal "Elster" zu trinken.

Dumm nur, dass irgendwie alle vergessen hatten, denen zu sagen, dass jenes Café ebenfalls Teil des Festivals ist und somit nur Einlass für Besucher gewährt würde. Sowohl Markus als auch der Lette brachten ihre kompletten, ähm, Schwiegermutter-Charme auf, um diese davon zu überzeugen, ihren Kaffee vielleicht dann doch woanders zu trinken und vor allem aufzuhören, die nichtsahnenden Tanzenden als "Saubande" zu adressieren.

Nachdem all diese Hindernisse also so leidenschaftlich überwunden worden waren und der Rest des Tages dann ziemlich überwältigend cool war, stand dann auch direkt fest: 2019 kommt WIntergrün zurück. Nur besser, größer und zwei Tage lang! Vom 29. bis zum 30. Juni 2019!

Es gibt drei Stages, ein genderneutrales Line-up und heftig gute Musik aus den Sparten Indie Rock, Techno und Experimental – unter anderem von Mavi Phonix, Gurr, Cari Cari und Ilgen-Nur. Kommt vorbei, hängt mit uns ab. Pascal rührt seinen Hummus dieses Jahr auch früher an, promise.

>> Alle Infos zum Wintergrün Festival 2019

Quelle: Noizz.de