Wie verbreitet ist Judenhass im Deutschrap?

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Kollegah in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk Foto: BR/Puls

Diese Frage will jetzt eine WDR-Doku beantworten.

Traurig, dass wir im Jahr 2018 wieder über Antisemitismus reden müssen. Ein jüdisches Mädchen in Berlin wird von seinen (muslimischen) Mitschülern wegen seines Glaubens gemobbt, "Jude" wird zum Schimpfwort und in Paris wird eine 85-jährige Holocaustüberlebende wegen ihres jüdischen Glaubens erstochen und verbrannt.

Da ist es legitim, die Frage zu stellen, warum manche Deutschrapper antisemitische Stereotype verbreiten - zum Beispiel die alte, unbegründete Behauptung, das Finanzjudentum würde die Welt beherrschen. Eigentlich kommt die WDR-Doku "Die dunkle Seite des deutschen Rap" also genau richtig.

Dass die Doku kommen würden, wissen wir, seit Kollegah die federführende Journalistin vor gut zwei Wochen in seiner Instagram-Story gedisst hat. Seit Mittwochabend kann man sie sich in der ARD-Mediathek anschauen.

Die Doku widmet sich recht vielen Protagonisten des Deutschrap: Spongebozz, Haftbefehl, P.A. Sports, Kollegah, aber auch die jüdische Promoterin Marina Buzunashvilli sowie der Rapjournalist Marc Leopoldseder kommen zu Wort.

Wer sich mit dem Thema schon einmal auseinandergesetzt hat, wird hier nicht allzu viel Neues erfahren. Die Doku zitiert die übliche Handvoll Textstellen und konfrontiert damit die Künstler selbst oder zumindest Personen, die ihnen nahestehen. Diese dementieren allesamt. Es würde sich nicht um Antisemitismus handeln, sondern um persönliche Erfahrungen oder missverstandene Metaphern handeln.

Am aufschlussreichsten ist noch die Gruppe Offenbacher Jugendlicher. Sie geben unverwunden zu, dass sie "Jude" schon seit Kindertagen als Schimpfwort kennen - so wie "schwul" oder "behindert". So was würde aber keiner ernst nehmen.

Weder die behandelten Deutschrapper noch ihre Fans scheinen zu verstehen, dass man auch Antisemit sein kann, ohne es zu wissen. Aber wo anfangen? Vielleicht da, wo der Comedian Oliver Polak aufgehört hat, als er Haftbefehl vor drei Jahren verraten hat, dass nicht alle Juden reiche Banker sind ...

Quelle: Noizz.de

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