Was macht die Billie-Eilish-Songs so so gut? Das haben sich viele gefragt und nun endlich erklärt uns Songschreiber Finneas himself, was sich hinter den Hits verbirgt und was seine Geheimnisse sind.

Kaum jemand hatte in den letzten Jahren so einen Erfolg wie Billie Eilish verzeichnen können. Die Newcomerin kam aus dem Nichts und füllte schon mit ihrer EP große Konzertsäle und beherrschte die Charts. Mit ihrem Debütalbum "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?" schrieb sie bei den Grammys in diesem Jahr Geschichte. All das wäre wohl kaum möglich ohne ihren Bruder Finneas, der mit ihr die Songs schreibt und die innovativen Popsongs produziert. Mittlerweile hat er auch eine eigene EP veröffentlicht und mit anderen Stars wie Selena Gomez, Tove Lo und Camila Cabello gearbeitet. In einem Interview mit "Pitchfork" gibt uns Finneas nun exklusive Einblicke in seine Arbeitsprozesse.

Billies Eilishs faszinierende Dunkelheit

Ein ganz besonders faszinierend ist der Kontrast zwischen den dunklen und düsteren Klangwelten und Billies zarter Stimme. Es wird ganz besonders deutlich, wie Finneas vorgeht, wenn man auch seine eigene Musik mit der seiner Schwester vergleicht – denn die ist gar nicht so dunkel und folgt auch viel verstärkter klassischen Popschemata, während man bei Eilish-Songs oft neu Strukturen hat wie zum Beispiel "ilomilo".

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Beim Produzieren von Liedern geht Finneas meisten von einem einzelnen Punkt aus, der dann als Wegweiser für den restlichen Sound dient. Dazu dienen ihm zum Beispiel Geräusche, die er in seiner Umgebung aufnimmt und dann im Klangbett verwendet. In "Watch" ist die Highhead zum Beispiel das Anzünden eines Streichholzs, das Finneas verfremdet hat und sogar teilweise auflöst.

Während viele andere Künstler immer alles sehr natürlich klingen lassen wollen, scheut sich Finneas gar nicht davor neues Terrain zu betreten und Atmosphären durch unendliche Loops, Ebenen und Verfremdung zu kreieren und damit offensichtlich genau einen Nerv zu treffen. In "listen before I go" beschreibt Finneas: "Ich glaube wir hatten noch nie so einen krassen Wechsel. Dieser Song hat so eine dunkle Textur, so dunkle Sounds!". Ganz im Gegensatz stehen dazu am Anfang die simplen, seichten Piano-Akkorde , die ganz viel Wärme ausstrahlen und nicht vermuten lassen, wie viel Unbehagen nur wenige Takte später auf uns lauert.

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Finneas spielt mit Harmonie

Es ist auch sehr spannend, wie gezielt Finneas Harmonie einsetzt und generell mit Instrumentierung sehr vereinzelt umgeht. Man bekommt das Gefühl, dass in jedem Songteil etwas anderes passiert, immer gibt es kleine Shifts, kleine Verstecke, die wieder für einen neuen Gänsehautanfall sorgen. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Beat erst viel später droppet, als wir es gewohnt sind oder Anfang und Ende eines einzelnen Titels nach zwei komplett anderen Songs klingen. "Eines der Dinge, die ich in meiner Produktion immer versuche, ist, in gewisser Weise dazu beizutragen, Verschiebungen von Stimmungen zu artikulieren", erklärt der Produzent.

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Finneas geht sparsam mit Harmonie um, und setzt bei Billie eher auf Flirren, Wabern und Zucken, um diese Anziehungskraft ihrer Dunkelheit weiter voranzutreiben. Es ist eine Art Hyperrealismus, denn der Wunderproduzent bringt reelle Stimmungen und Sounds zum überkochen und verknüpft sie so, dass sie im Zusammenspiel ganz neue Formen annehmen. Am Ende bleibt bei ihm eigentlich nur noch Stimmung – sei es durch Hunderte Vocals, die sich übereinanderlegen und sich wie in einer Metamorphose durch unsre Gehörgänge zu verschiedenen Gestalten winden. Wie schon in "Ocean Eyes" oder durch Beats, die er umdreht, mit eigenen Aufnahmen auffrischt oder chaotisch pulsieren lässt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de