Man sollte sich genau überlegen, wen und welche Einstellungen man salonfähig macht.

Shirin David hat heute (20. September) ihr Debüt-Album "Supersize" veröffentlicht und featuret darauf Xavier Naidoo. Die Rapperin und der Sänger performen gemeinsam auf dem Lied "Nur Mit Dir", das auch die neue ausgekoppelte Single ist.

Das Problem: Xavier Naidoo hat sich in der Vergangenheit durch Texte, Aussagen und Nähe zu Rechtspopulisten, Verschwörungstheorien und Reichsbürgern nicht gerade einen Ruf erarbeitet, den man mit einem Feature abfeiern sollte. Zu der Thematik gab es schon vor einigen Wochen eine hitzige Diskussion auf Twitter – angestoßen vom Rapper 3Plusss. Der stellte Motrip und Ali As zur Rede, weil die Rap-Urgesteine als Feature-Gäste auf dem neuen Album von Xavier Naidoo vertreten sind.

>> Nach Kritik von 3Plussss: Warum ist Xavier Naidoo immer noch salonfähig?

Den kompletten (sehr unterhaltsamen) Tweef zwischen 3Plusss, Motrip und Ali As hat "hiphop.de" übrigens zusammengefasst.

Was genau kann man an Xavier Naidoo kritisieren?

Der Platinkünstler ist ...

... ein bekennender Rassist, wie er in einem Interview mit dem "Musikexpress" verlauten ließ. Eines seiner Statements aus besagtem Gespräch ist zum Beispiel das hier: "Bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim."

... ein Sympathisant von Reichsbürgern, auch wenn er das explizit nie so formuliert hat. Reichsbürger? Grob erklärt: Sie glauben sie an ihr eigenes Königreich, weigern sich Steuern zu zahlen, basteln sich gerne mal ihren eigenen Führerschein und akzeptieren das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht. Reichsbürger denken, dass Deutschland immer noch von Alliierten regiert beziehungsweise von Amerika ferngesteuert ist. Wegen dieser kruden Systemkritik werden Reichsbürger in der Regel dem rechten Spektrum zugeordnet. Vor genau diesen Leuten stand Naidoo im Oktober 2014 und hielt eine kurze Rede.

... ein Verschwörungstheoretiker. In seinem Song "Marionetten" von 2017 spricht er von Volksverrätern, Lügenpresse und Verschwörungstheorien. Sein verwendetes Vokabular ist deckungsgleich mit dem der Montagsdemonstranten der Pegida. Die "FAZ" nannte das Lied eine "Reichsbürger-Hymne". Eine Zeile des Lieds geht so: "Und etwas namens Pizza gibt's ja noch auf der Rechnung". Huch, Pizza? Nope. Damit ist der sogenannte "Pizzagate" gemeint. Eine Verschwörungstheorie amerikanischer Rechter, die glauben, Hillary Clinton hätte aus dem Keller einer Pizzeria einen Pädophilen-Ring geleitet.

Böhmermann hat das mal wie folgt zusammengetragen:

Was bleibt also zu sagen? Mit so einem Menschen künstlerisch zusammen zu arbeiten ist eigentlich ein No-Go. Mindestens muss man sich aber vorwerfen lassen, dass man einen Künstler inklusive seiner Werte und Ansichten salonfähig macht. Indem man Musik mit Xavier Naidoo macht, tut man so, als wäre es okay, rechtspopulistisches Gedankengut von sich zu geben, ein verschwörungstheoretisches Weltbild zu propagieren und mit der sektenartigen Reichsbürgerbewegung zu sympathisieren. Das ist es aber nicht.

Warum wir solche Kollaborationen gerade von Shirin schade finden?

Das haben wir auch kürzlich erklärt, als sie bei Flers Song "Shirinbae" mit im Boot war, der eine homophobe Zeile enthält und ein Frauenbild verbreitet, das Frauen auf ihren Körper reduziert.

In einem Satz: Shirin ist eine selbstbewusste Powerfrau, die in einem Männer-Business (Rap) unfassbar erfolgreich ihr Ding macht. Das finden wir super. Wenn sie aber Songs wie "Shirinbae" pusht oder mit einem Xavier Naidoo zusammenarbeitet, dann bewirkt sie das genaue Gegenteil: Dann schürt sie ein sexistisches Frauenbild und steht für Musik, die Kommerz über Moral stellt. Das geht nicht klar.

>> Shirin, warum gibst du dich für Flers homophoben Steinzeit-Rap her?

Und deshalb werden wir auch nicht müde, aufs Neue zu fragen: Warum kollaboriert man mit einem Musiker, der immer wieder mit seiner rechtspopulistischen und unmenschlichen Haltung Schlagzeilen macht? Ihr könnt die Frage nicht mehr hören? Wir auch nicht. Aber was wir noch viel weniger weiter hören können, sind neue Zusammenarbeiten mit eben solchen Leuten. Oder die Stille, weil die besagten Personen einfach keine Stellung beziehen.

Hört verdammt noch mal auf, Xavier Naidoo salonfähig zu machen!

Shirin Davids Debüt-Album "Supersize" ist seit heute (20. September) draußen.

Quelle: Noizz.de