Ufo361: Ein Ausnahmealbum, aber kein Meilenstein.

Ufuk Iglu um Bayraktar ist ein Phänomen im deutschen Rap. Seit 2016 droppte der Berliner unter dem Künstlernamen Ufo361 drei Mixtapes, im April dieses Jahres erscheint sein zweites Studioalbum "808". Mit der Single "Balenciaga" gab er nun eine weitere Vorschau auf das Album.

"Keiner gönnt mir meinen Erfolg. Leider hab ich’s so gewollt", säuselt Ufo gewohnt Autotune-lastig ins Mikrofon. Der Song ist eine Hommage an die Modemarke aus Paris – und an sich selbst. Das meistert der Rapper mit gewohntem Flow und einem wuchtigen Trap-Beat.

Ohne Frage: Seit seinen ersten Songs hat sich der Berliner konsequent weiterentwickelt – vor allem Beats und Videos zeugen von einer besonders ausgeprägten Ästhetik. Hinter seinem neuen Album steckt ein komplett anderes Konzept als noch hinter seinem ersten Solo-Release „Ihr seid nicht allein“ im Jahr 2014. Als audiovisuelles Gesamtpaket funktionieren die Lieder ausnahmslos.

Doch als Ohrwürmer für den Weg zur Arbeit, beim Joggen oder aus der guten Anlage im Wohnzimmer taugen mir die Songs nicht: Die Texte bleiben "ahnbar", die Machart der reinen Songs ohne ästhetisches Gesamtpaket auf Dauer repetitiv.

Aria Nejati vom Portal Hiphop.de erklärt in einem Video, warum "808" ein Meilenstein für Deutschrap sein könnte. Seine Begründung: Ufo361 hat seinen neuen Stil fast perfektioniert, die Ästhetik des Albums scheint extrem ausgefeilt, auf den neuen Sound habe der Rapper ganz gezielt hingearbeitet.

Diese Argumentation kann ich in vielen Punkten unterschreiben. Doch um "808" nach zwei Singles als Meilenstein zu bewerten, fehlt noch das Gesamtbild. Bisher sieht es so aus, als würde im April 2018 ein tadellos produziertes Album mit durchdachtem Audio- und Videokonzept erscheinen.

Besonders aber die Frage, ob "808" der neue Trap-Klassiker des deutschen Raps werden könnte – bisher sei das Haftbefehls "Russisch Roulette" – bringt mich ins Grübeln. Songs wie "Lass die Affen aus’m Zoo", "Saudi Arabi Money Rich" oder "Ich rolle mit meim Besten" waren 2014 absolute Genregrößen.

Die vielen kleinen und großen Geschichten zwischen Straßengepose und reflektierten Tracks und das abgestimmte und brachiale Soundbild haben das Album zu einem besonderen Moment im Deutschrap gemacht. Zu Recht urteilte die Juice damals: "Im popkulturellen Kontext betrachtet, markiert dieses Album den längst überfälligen Zeitpunkt, an dem Straßen-Rap auch fernab aller Genregrenzen auf künstlerischer Ebene ernstgenommen werden muss."

Tadellose Alben mit durchdachtem Gesamtkonzept liefern auch andere Künstler im Rap-Game. Für Ufo361 selbst wird sein zweites Studioalbum sicher ein persönlicher Meilenstein werden. Für Deutschrap nur ein ganz normaler Schritt nach vorne.

Quelle: Noizz.de