Er wusste, dass sie unter 18 war.

Seit der schockierenden Dokumentation „Surviving R. Kelly“, in der dem R&B-Sänger mehrfach sexuelle Belästigung, Nötigung, Sex-Ausbeutung und Unterdrückung vorgeworfen wird, haben Fans, Stars und Akteure der Branche anscheinend Argusaugen auf mutmaßlichen Missbrauch geworfen. Und zwar überall dort, wo Musik den Ton angibt, aber auch Männer mit Macht, die diese ausnutzen könnten gegenüber Minderjährigen.

Und in dieses schlechte Rampenlicht rückt immer wieder auch R&B-Sänger und Rapper Drake.

Der 32-Jährige ist berühmt für Powerfrauen-Hymnen wie „Nice For What“, in denen es um weibliche Selbstbestimmung geht

Er macht supersweete Schlagzeilen mit ehrenhaften Aktionen, zum Beispiel spendete er alles Geld, das seine Plattenfirma ihm eigentlich für den Dreh vom Musik-Video für seinen Song „God's Plan“ gesponsert hatte, an Bedürftige – immerhin eine Million Euro.

Drake ist außerdem bekannterweise Everybody‘s Darling – von RiRi bis Nicki Minaj, Jay-Z und Jessica Alba bis hin zu „Stranger Things“-Star Millie Bobby Brown.

Einerseits.

Auf der anderen Seite ist Millie ein problematisches Beispiel – denn die Beziehung zwischen der Minderjährigen und Drake wirkt auf viele sonderbar eng.

Besonders, weil ihr „täglicher Kontakt“ intensiver wurde, als Millie erst 14 Jahre jung war, Drake aber schon 31 Jahre alt. Für die einen ist es eine ganz normale „quasi großer Bruder“-Beziehung. Für die anderen hat der Kontakt „creepy older uncle“-Vibes.

Und jetzt ist wieder ein Video aufgetaucht, in dem Drake sich gefährlich nahe an ein minderjähriges Mädchen ranmacht – und sich mit beunruhigenden Kommentaren rechtfertigt. Aber von vorne.

Als Hollywood die junge Millie Bobby Brown entdeckt, Darstellerin hinter der Hauptrolle „Elfi“ a.k.a. „Eleven“ in der Sci-Fi-Drama-Serie „Stranger Things“, taucht ein Name plötzlich immer öfter zusammen mit der Nachwuchs-Schauspielerin auf: Drake

Der Rapper steht nicht nur auf die Sci-Fi-Serie, auch die Schauspielerin hat es ihm angetan.

Schnell werden Reporter auf das Gespann aufmerksam, fragen nach. Und Millie schwärmt in diversen Interviews in höchsten Fan-verliebten Tönen von dem R&B-Sänger, gegenüber dem W-Magazine und am Roten Teppich, aber auch auf ihrem eigenen Insta-Account.

Sie hätten sich in einem Hotel in Australien kennengelernt, sagt Millie. Sie erinnert sich: „Und ich so: Wie bitte? DRAKE will MICH sehen? Wartet, na klar. Los geht's. Und dann habe ich mich hübsch angezogen, mit Kleid und Make-up und Haaren und allem und bin mit ihm ausgegangen. Und ganz ehrlich, er war so ein Fan-Boy und ich war so ein Fan-Girl.“ Und: „Ich liebe ihn. Er ist ganz fantastisch, ein toller Freund und ein Vorbild.“

Danach hätten sie ein Dinner zusammen gehabt, sich am darauffolgenden Tag getroffen – und am darauffolgenden Tag wieder. „Und ehrlich, seitdem schreiben wir uns jeden Tag. Er hilft mir mit allem, mit ganz alltäglich Sachen.“ Welche Ratschläge? „Das bleibt geheim.“ Kokettes Lachen. Später stellt sich heraus: Dating-Tipps und Empfehlungen, wie man mit Jungs beziehungsweise Männern umzugehen habe, seien darunter gewesen. Der Kontakt hält an – die Bindung ist tief.

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Das Ding ist: Millie Bobby Brown ist reifer als die meisten Teenager. Sie ist UNICEF-Botschafterin, überzeugt ranghohe, steinalte Politiker mit ernsten, schlauen Reden, wagt den Schulterschluss mit Frauen wie Emma Watson, die für ihre Rechte kämpfen und einstehen.

Millie ist zwar minderjährig, wächst aber in einem Erwachsenen-Umfeld auf. Das ist beruhigend und besorgniserregend zugleich. So zieht der „Stranger Things“-Star eben einige ältere Kollegen in ihren Bann, die einfach auch riesige Fans der Serie sind. Darunter „Shape of You“-Sänger Ed Sheeran und Formel-1-Profi Lewis Hamilton.

Denn: Stars sind auch nur Netflix-Suchtis

Anders als bei Drake diskutieren die meisten Menschen aber nicht über diese Fotos, sondern über die Chat-Verläufe zwischen dem Rapper und der Schauspielerin. Und diese Debatte ist jetzt neu befeuert worden. Grund: Ein Video aus dem Jahr 2013 geht jetzt viral. Damals ist Drake schon halbbekannt, 23 Jahre alt. Volljährig.

Auf seinem Konzert holt er – soweit, so typisch – eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne. Genau genommen eine junge Frau – aus deutscher Perspektive eine Jugendliche. Das Mädchen ist erst 17. Im US-Staat Colorado gilt man mit 17 zwar nicht mehr als Teen. Aber das ist nicht überall so. Er umarmt sie sofort von hinten, küsst ihren Nacken. Drake säuselt dabei ins Mikrofon: „Ich hab's dir ja gesagt, ich mag dein Haar, richtig? Was ist das? Herbal Essences? Duftet fresh.“

Dann wendet er sich an die Crowd, sagt: „Ihr sorgt noch dafür, dass ich mich mitreißen lasse. Ich kriege Ärger für diesen Scheiß.“

An dieser Stelle fragt Drake „Wie alt bist du?“, und das Mädchen aus dem Publikum antwortet: „17.“

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Ihr junges Alter findet Drake also in wenigen Sekunden raus. Doch schon davor macht er Andeutungen, dass ihm vollkommen bewusst sei, dass er sich mit dieser Aktion woanders strafbar machen würde. Und es ist ihm so was von klar. Drake flucht daraufhin nämlich, flippt gespielt aus, schimpft im Spaß: „Ich kann doch nicht in den Knast gehen, Mann! Warum siehst du nur so aus?“ Er wiederholt damit Vokabular, dass auch Täter nutzen – in dem er dem Mädchen für ihre Optik die Schuld gibt, so, als könne er sich da ja gar nicht beherrschen.

Diese Szene lässt sogar Fans an seinem Saubermann-Image zweifeln. Denn: Drake geht sogar noch einen Schritt weiter. Als die Situation schon derart unangenehm – und derart zweifellos falsch ist, sagt er: „Na ja, guck: Ich hatte meinen Spaß. Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt schuldig fühlen soll oder nicht, aber ich hatte Spaß.“ Und: „Mir gefällt es, wie sich deine Brüste an meiner Brust anfühlen. Ich will dir nur Danke sagen.“

Drake küsst sie noch mehrere Male, bevor sie die Bühne verlässt.

Klar, die rechtliche Grauzone kannte Drake. Gleichzeitig war die junge Frau nach jetzigem Stand nicht unfreiwillig auf der Bühne. Und gefühlt ist der Unterschied zwischen 17 und 23 Jahren nicht so riesig wie zwischen 31 und 14. Vielleicht hat Drake knapp zehn Jahre später gelernt, was geht und was nicht – und will Millie vor ähnlichen Typen wie seinem früheren Ich schützen.

All das wird sich jetzt wohl klären, denn die Argusaugen sind offener denn je.

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Quelle: Noizz.de