In seinen Texten soll er Terrorismus verherrlichen und Politikern den Tod wünschen!

Valtonyc schlägt so fest zu, dass es manchmal weh tut. Korrupten Politiker wünscht er die Vernichtung durch "die Atombombe" und für Angehörie es Königshauses in Madrid fordert er "die Todesstrafe". Wer sich in der deutschen Gangsterrap-Szene umhört, der zuckt bei den Lyrics des spanischen Rappers milde mit den Schultern.

Über Texte kann man streiten. Doch dass der 24-Jährige aus Mallorca, der eigentlich Josep Miquel Arenas heißt, wegen seiner Lieder für dreieinhalb Jahre hinter Gitter soll, löst in Spanien eine Welle der Empörung aus. "Die Korrupten gehen Skifahren und Rapper ins Gefängnis. Spanien 2018", klagt Pablo Iglesias, Chef der linken Partei Podemos, auf Twitter.

Das Oberste spanische Gericht hatte ein früheres Urteil am Dienstag bestätigt: Der Rapper soll wirklich eingebuchtet werden! Doch Protest regt sich nicht nur beim linken Politiker, auch Kollegen, aternative Künstler und NGOs kritisieren das Urteil scharf.

"Das Urteil ist skandalös", schimpft etwa ein Kolumnist der eigentlich konservativen Tageszeitung "La Razón". Seine Argumentation: Eine Geldstrafe hätte gereicht. Auch Experten schütteln den Kopf über das Urteil. Die Meinungs- und Kunstfreiheit sei nicht nur für Dinge und Aussagen gedacht, "die uns gefallen, sondern auch für jene, die uns missfallen oder sogar beleidigen", betont der Sprecher des Richterverbandes "Jueces para la Democracia", Ignacio González Vega. Selbst "völlig inakzeptable Äußerungen" würden keine Haftstrafe rechtfertigen.

Doch warum fiel das Urteil trotzdem so hart aus? Der Rapper wurde verurteilt, weil er in seinen Liedern unter anderem Terrorismus verherrliche, die Royals und Politiker beleidigt und mit dem Tod bedroht haben soll. Vor einem Jahr war er in erster Instanz vom Landgericht der Balearen verurteilt worden.

Als Antwort legte Valtonyc unter Berufung auf die Meinungs- und Kunstfreiheit Einspruch gegen das Urteilt ein. Rap sei "extrem, provozierend, allegorisch und symbolisch", hatte er angeführt.

Dass eine so harte Strafe verhängt werden konnte, macht ein Gesetz zur öffentlichen Sicherheit aus dem Jahr 2015 möglich – von kritischen Medien und im Volksmund wird es nur "Ley de la mordaza", "Knebelgesetz", genannt.

Denn Valtonyc ist nicht das einzige Opfer des Gesetzes. Die Twitterin Cassandra Vera wurde 2017 wegen Verherrlichung des Terrorismus zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie im Netz Witze über einen Anschlag der Terrorgruppe ETA von 1973 gemacht hatte. Sie wartet auf ihre Berufungsverhandlung.

Verfahren laufen gegen zahlreiche Twitterer und Künstler. Zwei junge Puppenspieler mussten Anfang 2016 mehrere Tage in Untersuchungshaft verbringen, weil sie eine ihrer Puppen ein Plakat mit der Aufschrift "Hoch lebe ETA" tragen ließen. Sie wurden inzwischen zumindest freigesprochen.

Rapper Valtonyc hatte weniger Glück. Die obersten Richter sind anderer Meinung. Ihr Begründung: Man müsse nur die Liedtexte lesen, um "die Schwere der Tat zu begreifen". Der Verurteilte sieht derweil nicht nur für sich schwarz: "Es gibt viele Angeklagte und Verfolgte. Ich bin nur der erste von vielen. Die Leute werden sich immer weniger wundern, dass Menschen wegen ihrer Ideen verfolgt werden, und die Unterdrückung wird zunehmen", sagte er in einem TV-Interview.

Nun kann Valtonyc nur noch das Verfassungsgericht um Hilfe bitten – doch seine Erfolgschancen gelten als gering!

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de