Sein Hit "Falling" ist in aller Ohren.

Sieht bisschen verpennt aus, der Junge: Trevor Daniels sitzt um 09:00 Uhr morgens mit uns in seinem Hotel in Berlin. Noch schnell ein letztes Interview in Deutschland bevor er gleich den Flieger nach London nimmt, um auch da eine ordentliche Promo-Rutsche zu absolvieren. Da ist das mit dem Schlaf natürlich keine einfache Sache. "Ich bin auch echt gar kein Morgenmensch! Und hier in Berlin ist es so verdammt kalt", sagt er und versucht zu lächeln.

Der Amerikaner ist aber sonst halt auch echt andere Temperaturen gewöhnt: Eigentlich kommt er aus Houston, Texas. Dort gilt das Klima eher als tropisch. Im Prinzip war es auch das Klima, dass ihm endgültig zur Musik verhalf: Ein Hurricane überschwemmte sein zu Hause. Das Haus seiner Eltern war brusthoch geflutet, alles zerstört. Eine Katastrophe – keine Frage. Aber im Unglück fand sich auch etwas Positives: "Ich habe es gerade noch geschafft, mein Musik-Equipment zu retten. Alles andere war hinüber. Es war zwar schrecklich aber gleichzeitig habe ich da auch gemerkt: Mir liegt eigentlich kaum was an den Gegenständen. Mir liegt eigentlich nur was an der Musik." Eine Woche später kündigte Trevor seinen Job und konzentrierte sich nur noch auf seinen Weg als Künstler.

Ganz so straight kam der Erfolg dann aber dennoch nicht: Bereits 2018 veröffentlichte er seine EP "Homesick". Darauf zu hören: Trippy Pop, ganz melancholisch, ganz elektronisch und zwischendurch verstörend ehrlich. Trevor singt über Ängste, Depressionen und das Gefühl der Einsamkeit. Seine Single "Falling" wurde dann aber erst jetzt ein Hit: TikTok-User entdeckten den eingängigen Track – und ließen ihn unzählige Male in ihren Snippets vorkommen. "Ich kannte TikTok vorher ehrlich gesagt gar nicht so richtig," gibt Trevor dazu. Er nippt mittlerweile an einem sehr großen Wasser. "Was Frisches," er grinst, "damit ich wach werde ..."

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"Der Song handelt von dem Gefühl, wenn du dich von jemandem trennst und denkst, dass passiert mir jetzt erstmal nicht mehr. Und zwei Wochen später triffst du jemanden – und machst genau dasselbe schon wieder." Also quasi ein Anti-Lovesong? Lyrics, in denen sich Trevor danach sehnt, nicht verliebt zu sein, nicht schon wieder überall Herzchen zu sehen? In dem Gegenüber nicht das Besondere zu finden, sondern einfach mal eine Runde alleine zu sein? Er nickt.

Viel Zeit für intensive Beziehungen bleibt ihm derzeit allerdings sowieso nicht: Trevor ist viel unterwegs und arbeitet aktuell auf Hochtouren an seinem Debütalbum. Es soll noch dieses Jahr erscheinen. Danach dürfte es dann vermutlich noch mal so richtig losgehen. Beim Schreiben an seiner neuen Platte sind seine Themen immer noch dieselben: Ängste, Depressionen, Einsamkeit. "Es steckt ja immer in einem. Mal mehr mal weniger," erklärt er. Trevor erzählt, dass er seine Gefühle sonst wenig thematisiert. Er spricht kaum über sein Innenleben mit Freunden. Daher dürfte die Aufrichtigkeit des Musikers in seinem Freundeskreis auch eine Überraschung gewesen sein "Meine Freunde finden meine Musik cool, aber es wirkte auch so, als würden sie plötzlich noch eine weitere Facette von mir sehen können."

Gegen Ende unseres Gesprächs scheint Trevor Daniel endgültig im gegenwärtigen Tag angekommen. Sein Wasser ist leer, eine Mitarbeiterin aus seinem Team präsentiert Trevor eine dicke, übergroße Steppjacke mit Fell an der Kapuze: "Hab ich dir eben besorgt", erklärt sie ihm. Der Musiker schaut beeindruckt "Darin kann mich nichts mehr schocken – nicht mal die Berliner Kälte!"

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Quelle: Noizz.de