In einem Interview hat Trettmann über seine Heimatstadt gesprochen.

„Fast hinter jeder Tür lauert ein Abgrund, nur damit du weißt, wo ich herkomm“, heißt es schon in Trettmanns „Grauer Beton“. Heute lebt er in Leipzig, aufgewachsen ist er aber in Chemnitz. Dort, wo in den letzten Tagen der rechte Mob durch die Straßen wütete und Deutschland von seiner hässlichsten Seite zeigt.

Im Interview mit dem „Deutschlandfunk Kultur“ hat er jetzt über die Krawalle in seiner Heimatstadt gesprochen – und schilderte einen über die Jahre gewachsenen Rassismus.

„Das liegt unter anderem daran, dass die Landesregierung über Dekaden verschlafen hat, was gegen rechte Strukturen zu tun und der Feind halt immer links steht und so tritt auch die Polizei auf“, so Trettmann im Interview. Dazu komme noch eine besonders gewalttätige Fußball-Szene.

Bereits zu DDR-Zeiten habe es einen „latenten Rassismus“ in Chemnitz gegeben. „Aber so richtig ging das erst los mit den Wendejahren, als das System quasi gescheitert war. Und alles, was links, rot oder nach Sozialismus und Kommunismus aussah, geächtet und falsch war.“ Damals hätte es immer passieren können, „aufgrund eines Basecaps aufs Maul zu bekommen.“

Und dann wird Trettmann die Gretchen-Frage gestellt: Gibt es noch Hoffnung für Chemnitz? „Das ist so ein grundsätzliches Ding – inwieweit lernt der Mensch aus der Geschichte? Viele Leute sind konfus und haben vergessen, was sich in unserer Geschichte abgespielt hat.“

Wirklichen Optimismus lässt Trettmann nicht aufblitzen: „Wenn ich das über die Jahre hinweg erörtere, verliere ich den Glauben an die Menschheit. Ich kenne da wenige Positivbeispiele. Ich hab massiven Respekt vor Leuten wie Kraftklub und all diesen Leuten, die was tun und in diesen Enklaven kämpfen. Aber wie lange hält man das aus?

Dennoch – kampflos will Trettmann seine Stadt nicht aufgeben: „Ich würde mir wünschen, dass die Leute auf die Straße gehen und zeigen: Chemnitz ist unsere Stadt!"

Das komplette Trettmann-Interview könnt ihr euch hier noch einmal anhören.

Quelle: Noizz.de