In der Facebook-Talkshow von Jada Pinkett Smith erklärt Snoop Dogg die Gründe seines Ausrasters gegen Moderatorin Gayle King. In einem Video hatte der Rapper diese wegen einer Interview-Frage zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den verstorbenen Basketball-Star Kobe Bryant bedroht und beleidigt.

In der am Mittwoch erschienenen Folge der Facebook-Talkshow "Red Table Talk" konfrontiert Jada Pinkett Smith den Rapper Snoop Dogg mit seinem öffentlichen Angriff gegen die CBS-Nachrichtensprecherin Gayle King. King hatte in einem Interview mit WNBA-Basketballspielerin Lisa Leslie gefragt, ob Kobe Bryants Vergewaltigungsfall aus dem Jahr 2003 das Vermächtnis der im Januar verstorbenen Basketball-Legende verkompliziere. Snoop hatte daraufhin in einem mittlerweile gelöschten Instagram-Video die Moderatorin King bedroht und beleidigt, außerdem US-Moderatorin Oprah beschuldigt, Schwarze Männer gegenüber weißen in der Berichterstattung zu benachteiligen, und die Befreiung des verurteilten Sexualstraftäters Bill Cosby gefordert.

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Die Reaktionen auf Snoops Kommentare entwickelten sich in den USA schnell zu einer grundlegenden Diskussion darüber, wie Schwarze Frauen behandelt werden. Smith selbst sah das Gespräch mit Snoop "als eine große Gelegenheit, um über die Wunden und die Kultur der Respektlosigkeit zwischen Schwarzen Männern und Schwarzen Frauen zu sprechen." In dem Gespräch solle es nicht darum gehen, Partei zu ergreifen, so Smith. "Bei diesem Gespräch geht es nicht darum, zu beweisen, wer Recht oder Unrecht hat. Bei diesem Gespräch geht es um Heilung."

Snoop erklärte in der Talkshow, was ihn zu dem Ausraster-Video bewegte. Bryant und Snoop waren langjährige Freunde, gerade für Schwarze Männer spielte der Basketball-Star in Los Angeles außerdem eine besondere Rolle. "Kobe war wie der Sohn und der Bruder für L.A., den wir alle brauchten, und dafür liebten wir ihn alle", erklärte der US-Rapper. Der Rapper gestand ein, dass die Emotionen bei ihm übergekocht sind, er "die Kontrolle verlor" – auch weil er in den vergangenen Monaten weitere schmerzliche Verluste einbüßen musste. Seinen Enkelsohn sowie auch sein Freund, den Rapper Nipsey Hussle, der vergangenen März erschossen wurde. Auch dieser war in Los Angeles hoch angesehen: Bis zu seinem Tod engagierte Hussle sich gegen Ganggewalt, da seine Kindheit und Jugend selbst davon geprägt war.

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Das kollektive Trauma Schwarzer Männer in den USA

Doch ein weiterer Grund für Snoops Ausraster geht viel, viel tiefer – das wird klar, als Jada Pinkett Smith die Dimension der Reaktionen anspricht, die Kings Interview gerade bei Schwarzen Männern ausgelöst hat: "Schwarze Männer waren außer sich. Das hatte ich als Kollektiv schon lange nicht mehr gesehen", sagte die Schauspielerin – darauf Snoop: "Ich sehe es ständig. Weil ich ein Schwarzer Mann bin. Normalerweise passiert das einfach nur hinter verschlossenen Türen." "Wenn jemand ein Superheld wird, ist es unsere Aufgabe, unseren Superhelden zu schützen", fügte er hinzu. "Deshalb steht das so in unserem Herzen: Warum greift ihr uns an – nachdem wir es geschafft haben?" Seine krasse Reaktion war also beeinflusst von den eigenen Erfahrungen und das kollektive Trauma Schwarzer Männer, das auf der rassistischen Geschichte der USA beruht. "Automatisch fühlen wir [Schwarze Männer] uns als Zielscheibe", erklärt der Rapper.

Snoop Dogg in einem Lakers-Hoody in Erinnerung an Kobe Bryant bei einem Auftritt im Januar 2020 in Detroit

Snoop: Ich habe meine Macht missbraucht

Snoop zeigte sich während des Interviews reumütig – ihm scheint klar, dass er über die Stränge geschlagen hat. Es tue ihm aufrichtig leid. Bereits vor zwei Wochen entschuldigte er sich bei der Moderatorin King, zeigte sich außerdem selbst geschockt von den Wellen, die er mit seinem Instagram-Video losgetreten hat: "Es gab mir das Gefühl, dass ich zu viel Macht habe", sagte Snoop. "Und zu diesem Zeitpunkt habe ich sie missbraucht."

Nach seinem Ausraste habe er kritische Anrufe von anderen prominenten Schwarzen Männern erhalten, darunter Diddy. Der Anruf, der ihn letztendlich einsichtig gemacht und zu der Entschuldigung bewegt hat, kam allerdings von jemand anderem: seiner Mutter. "Meine Mutter hat mich in der Kirche aufgezogen, und sie hat mich dazu erzogen, Frauen zu respektieren", so Snoop zu Smith und ihrer Familie in der Talkshow. "Wenn deine Mama dir das Gefühl geben kann, dass du ein Kind bist – dann weißt du, dass du falsch liegst", sagte er. "Ich fühlte mich nicht erwachsen. Ich fühlte mich nicht wie Snoop Dogg, der Rapper. Ich fühlte mich wie Snoopy."

Frauenfeindlichkeit als alte Verhaltensmuster

In dem Interview sprach Smith auch frauenfeindliche Texte in Snoops Musik an – sie habe sich bereits mit Tupac früher über seine Texte gestritten (Smith und Snoop waren beide mit dem verstorbenen Rapper befreundet). Der Rapper schien geläutert und erklärte aber, es sei schwer, etwas gehen zu lassen, was das gesamte Leben lang normal war. Damit erklärt er die Beleidigungen, die er King in dem Ausraster-Video an den Kopf geworfen hatte – er sei in alte Verhaltensmuster gefallen.

Was überraschenderweise aber nicht angesprochen wurde waren seine ebenso kontroversen Kommentare zur Unterstützung von Bill Cosby. Während einige Erkläransätze, die Snoop während der Talkshow ausführte, auch auf die Aussagen über Cosby angewendet werden können, ist es doch noch einmal etwas anderes, die Befreiung eines verurteilten Sexualstraftäters zu fordern. Gerne hätten wir Snoops Erklärung gehört.

>> Wie sich Snoop Dogg für Sexualstraftäter Bill Cosby einsetzt

Die gesamte Folge von "Red Table Talk" mit Snoop Dogg könnt ihr hier anschauen:

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Quelle: Noizz.de