Sie verdienten Millionen, sie verprassten Millionen.

Mehr als fünf Millionen verkaufte Platten, mutmaßlich Millionen-Beträge auf dem Konto und auf dem Zenit ihrer Popularität – das war der Punkt, an dem sich Tic Tac Toe 1997 medienwirksam bei einer Pressekonferenz trennten. Nächstes Jahr sollen sie wieder auf Tour gehen. Ob wirklich alle Bandmitglieder der Originalbesetzung dabei sein werden, ist noch nicht bekannt.

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Wir von NOIZZ haben uns angeschaut, was in der Karriere der Band eigentlich schief gegangen ist und wie die populärste Rap-Girlband Deutschlands so hart absteigen konnte (no judgement, natürlich).

Wir erinnern uns: Von 1995 bis 1997 feierten Tic Tac Toe Erfolge mit Songs wie "Ich find' dich scheiße" und "Mr. Wichtig". Sie sprachen den Teenagern aus den Herzen, mit ihrer rotzig-frechen Art, entwickelten sich im rasanten Tempo zur wichtigsten Instanz der deutschen Musikszene. Die Alben verkauften sich mehrere Millionen Mal. Die Konzerte waren ausverkauft. Ein Hype geboren.

So schnell Tic Tac Toe jedoch aufstieg, so steil und schnell ging es auch wieder abwärts. Bei einer Pressekonferenz 1997 saßen Jazzy, Lee und Ricky auf einem Podium. Ricky sagt zu Beginn noch, sie freue sich, dass sie weitermachen und neue Projekte kommen würden. Allerdings eskaliert das Gespräch in einem Streit, die Band trennt sich auf der Bühne. Lee rennt davon. Alles aus.

Zumindest für kurze Zeit. Bereits Stunden später sitzt Ricky in der damaligen Show von Harald Schmidt, sichtlich perplex und mitgenommen. Zu der Zeit wurden Entscheidungen gefällt, die karrieretechnisch alles andere als gut waren. So wie dieser Auftritt. Ricky wurde während des Streits angeprangert, sie habe psychische Probleme.

Es wurde still um Tic Tac Toe.

Drei Jahre später versuchte die Band ein Comeback – doch statt Ricky war nun Sara dabei. Der Versuch floppte. Auch ein weiteres Comeback 2005 war wenig erfolgreich, obwohl der Text der Lead-Single "Spiegel" aus heutiger Sicht gar nicht mal so schlecht war. Damals waren wir, das Publikum, vielleicht noch nicht bereit für ein derart gesellschaftskritisches Lied. Die für 2006 vorgesehene Tournee sollte erst zehn Konzerte umfassen, musste dann bis auf drei Termine abgesagt werden. Der Grund: geringe Nachfrage. 2007 löste sich die Band auf.

Bereits 2003 ließ Jazzy verlauten, dass sie all ihr Geld ausgegeben habe und vom Dispo lebe. Sie habe knapp eine Million verdient – alles habe sie bei Gucci gelassen und nur "gekauft und gekauft". Auch Lee sagte bei Markus Lanz, dass von dem Geld nichts mehr übrig sei. Sie arbeitete im Kölner Zoo und lebte ein "normales Leben" mit knapp 1.000 Euro im Monat.

Über Ricky heißt es, sie habe zwischenzeitlich auf Lehramt studiert, das Studium brach sie jedoch ab, bekam ein Kind und lebte in Dortmund.

Die einzige, die weiter versuchte in den Medien zu bleiben, war Jazzy. Sie nahm an "Goodbye Deutschland", zeigte ihr Leben in der Nähe von Cannes, wo sie mit Mann und Kind bei ihrer Mutter lebte. Jazzy kellnerte in einem Lokal.

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2013 nahm sie am Promiboxen teil, versuchte, ihre Karriere wiederzubeleben. Sogar einen Song brachte sie raus, "Immer auf die Fresse", in dessen Video sie sich auszieht. Auch das half nicht. Zuvor war sie im RTL-Dschungelcamp.

Und nun die Comeback-Tour. Ricky und Jazzy sind dabei. Lee weiß von noch nichts – seit zehn Jahren habe man nichts voneinander gehört. Jazzy sagte kürzlich in einem Interview, sie sei positiv von dem Feedback überrascht, das die Tour ausgelöst hat. Ein Hype ist wiedergeboren.

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Besser könnte das Timing nicht sein. Die 90er sind kulturell wertvoller denn je. Schaut man sich die Mode im Clip zu "Mr. Wichtig" an, könnten die Outfits auch heute wieder getragen werden. Wenn die Mode also wieder im Trend ist, könnte dasselbe auch mit der Musik passieren. Gegönnt sei es ihnen.

god

Quelle: NOIZZ-Redaktion