Willkommen im Mittelalter.

US-Rapper T.I. Harris hat in einem Podcast bekannt gegeben, dass er seine 18-jährige Tochter zu ihren Frauenarzt-Terminen begleitet, um sich von der Intaktheit ihres Jungfernhäutchens zu überzeugen. Wie BuzzFeed berichtet, ließ der 39-jährige Musiker dies in einer mittlerweile gelöschten Folge des Podcasts "Ladies Like Us" verlauten.

Den Moderatorinnen des Podcasts, Nazanin Mandi und Nadia Moham, erklärte er ganz offen, wie er entsprechende Infos über seine Tochter vom Arzt einhole. Wenn der Arzt also etwa darauf hinweise, dass es Teil seiner Schweigepflicht sei, keine Infos über seine volljährige Patientin rauszuhauen, würde T.I. seine Tochter Deyjah Harris vor dem Doc fragen, ob sie denn was vor ihm zu verheimlichen habe. Diese verneine dies natürlich, und schon kann der Doktor sagen, ob das Töchterchen denn nun mit intaktem Jungfernhäutchen rumlaufe oder nicht.

Erster Impuls bei dieser News: Urgh! Diese Nachricht ist verstörend auf so vielen Ebenen! Wir wissen gar nicht so richtig, wo wir anfangen sollen. T.I.s Aussagen triefen jedenfalls vor toxischer Männlichkeit, Unmenschlichkeit, Hinterwäldlertum, Dummheit und wahnsinnig wenig Vertrauen zum eigenen Kind.

Kurzer Reality-Check an T.I.: Obwohl Clifford Joseph Harris jr., so der Musiker mit bürgerlichem Namen, seine Tochter gezeugt und aufgezogen hat, ist sie nicht sein Eigentum. Erst recht nicht, nachdem sie die Volljährigkeit erreicht hat. Mit ihr also zum Frauenarzt zu gehen, um Selbigen zu drängen, die Unberührtheit der Tochter zu bestätigen, ist übergriffig in höchstem Maße. Der Körper einer Frau gehört nämlich ganz alleine ihr selbst und nicht dem Vater, Freund, Staat oder sonstwem.

In dem Harris also darüber hütet, ob das Töchterchen noch Jungfrau ist, suggeriert er ihr, dass ihr Wert vom Mann überprüft und an- oder aberkannt werden darf. Noch schlimmer: Dass ihr Wert überhaupt nur von ihrem Körper abhängt. T.I. propagiert somit vor seiner Tochter – und nun auch vor der ganzen Welt –, dass eine Frau nicht selbstbestimmt Sex haben darf, wie sie Lust hat, sondern unbefleckt und rein sein muss (was immer das eigentlich sein soll). Wir fragen uns, ob T.I. schon was von Gleichberechtigung gehört hat – oder kontrolliert er bei seinen Söhnen ebenfalls die sexuelle Aktivität?

Dieses Männer- und Frauenbild an sich ist ja schon schlimm genug. Darüber hinaus zeugt Harris Verhalten von einem ziemlich schlechten Verhältnis zum eigenen Kind. Angenommen nämlich, im Hause Harris werden mittelalterliche Wertvorstellungen oder überholte religiöse Regeln ernstgenommen und Sex vor der Ehe abgelehnt: Wäre es da nicht das Menschlichste und Naheliegendste, dem Kind diese Werte vorzuleben, beizubringen und ihm dann zu vertrauen? Zum Arzt zu gehen, um zu fragen, wie es bei der Tochter in den intimen Ladyparts aussieht, beweist also, wie stark das Misstrauen von Harris ist. Und wie egal ihm die Tatsache ist, dass ein solches Verhalten vom eigenen Vater für die Tochter extrem erniedrigend sein muss. Das ist wiederum ein bisschen traurig.

Zu guter Letzt fragen wir uns, ob Harris eigentlich jemals im Biounterricht zugehört hat. Oder noch nicht mal das – es reicht schon, wenn er die letzten dreißig Jahre nicht komplett im Toaster gepennt hat, um zu wissen, dass Jungfernhäutchen mit Bettgymnastik und Penetration gar nicht so viel zu tun haben. Jungfernhäutchen sind fragile Häutchen, die beim Sex einreißen können. Wie Dr. Jennifer Gunter auf Twitter aber festhält, ist das Hymen sehr dehnbar. Es kann also sein, dass man sexuell geradezu einem rammelnden Hasen gleicht und immer noch ein intaktes Jungfernhäutchen vorweisen kann. Oder aber, dass man gar keinen Sex hat, das Häutchen aber einfach beim Sport oder im Alltag einreißt. So, und jetzt?

Neben der Tatsache, dass es einem extremes Unbehagen beschert, sich vorzustellen, wie Daddy Harris um die Jungfräulichkeit seiner Tochter kreist, sind Jungfräulichkeitstests für Frauen und Mädchen psychisch belastend, wie diese Studie beweist. Aber um die Psyche seines Kindes scheint sich T.I. sowieso wenig zu kümmern – oder dachte der Typ, der seit gut zwei Jahrzehnten in der Öffentlichkeit steht etwa, dass sein Gequatsche über das Jungfernhäutchen seiner Tochter unkommentiert bleibt? Aber vielleicht hat der Grammy-Gewinner ja auch von diesem ominösen Internet noch nichts gehört? Denkt er möglicherweise auch, dass die Erde eine Scheibe ist? Das würde zumindest einiges erklären.

Das Netz jedenfalls rastet ganz gut aus. Unter Deyjah Harris' vorletztem Instagram-Post häufen sich die Kommentare: Viele, die ihren Vater verurteilen, viele, die sie verurteilen, viele, die angeekelt sind und viele, die ihr Sex anbieten, "um Daddy beim nächsten Gynäkologen-Termin so richtig wütend zu machen". Auf dem neusten Bild hat Tochter Harris die Kommentarfunktion einfach komplett abgestellt. Auf Twitter wird ebenfalls diskutiert – meist zu Ungunsten T.I.'s. Leicht verdaulich dürfte es aber nicht sein, wenn der eigene Vater derart intime und eigenartige Infos in die Welt hinausposaunt.

Schade, dass Halloween schon vorbei ist. In einem T.I.-Kostüm würde man dieser Tage nämlich so richtig schocken. Aber immerhin: Der Preis für creepy Daddy des Jahres geht an Clifford Joseph Harris jr.!

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Quelle: Noizz.de