Geboren in Thailand, aufgewachsen in Schweden – 2015 wieder nach Thailand abgeschoben.

Und das alles kurz vor seinem Schulabschluss. Das Leben des jungen Rappers Thaiboy Digital ist geprägt von Umbrüchen und Unsicherheit. Doch der 18-Jährige mit dem bürgerlichen Namen Thanapat Thaothawong hat in seinem Leben eine Sache, die alles zusammenhält, die ihn in der Musikwelt immer weiter nach vorne brachte: sein schwedisches Musik-Kollektiv Drain Gang.

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Gemeinsam mit ihren Mitgliedern, den Produzenten Yung Sherman, Whitearmor und den Rappern Bladee und Ecco2K gab er dem Wort "Digital" in seinem Künstlernamen eine ganz neue Bedeutung. Denn um sein kürzlich erschienenes Debüt-Album "Legendary Member" zu produzieren, waren die jungen Männer fast komplett auf digitale Kanäle angewiesen: Zwischen Flügen von Bankok nach London und Stockholm, wo das Album produziert wurde, blieb oft nur kurze Zeit für hitzige Studiosessions. Alles weitere musste das Team über Chats und Telefonate klären. Hier ist der Titelsong des Albums: "Legendary Member".

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In den Songs sind unter anderem auch Gäste wie Rap-Kollege Yung Lean zu hören, der mit seinem innovativen Cloud Rap weltbekannt wurde. Den Songtexten des Albums ist seine aufregende Entstehungsgeschichte nicht anzuhören. Im NOIZZ-Interview aber sprach Thaiboy Digital über große Gefühle: Die schwere Entstehungszeit des Albums, die innige Freundschaft zu seinen Drain Gang-Kollegen – und natürlich die Liebe.

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NOIZZ: Welche Künstler würdest du als deine musikalischen Einflüsse bezeichnen?

Den größten Einfluss haben die Musiker, mit denen ich zusammenarbeite: Bladee, Ecco2k und Yung Lean. Mein Idol war von Anfang Soulja Boy, genauso wie Chief Keef, der eine große Inspiration für mich war, als ich angefangen habe, mit dem Rap ernst zu machen. Besonders viel bedeutet mir Isak Vattenrum weil er mich richtig gepusht hat, als wir ungefähr 13 waren. Er ist jetzt oben im Himmel und ich vermisse ihn sehr.

NOIZZ: Würdest du deine Musik als Cloud Rap bezeichnen?

Ich glaube, ich verstehe, warum Leute meine Musik als Cloud Rap bezeichnen, aber aus irgendeinem Grund würde ich sie selbst niemals als solchen bezeichnen und sagen: "Ja man, ich mache Cloud-Rap".

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NOIZZ: Wie würdest du die Ästhetik deiner Musikvideos beschreiben und von was sind sie inspiriert?

Um ehrlich zu sein, mache ich meine Videos gar nicht selber: Es sind immer Bladee und/ oder Ecco2k, die die visuellen Sachen produzieren. Ich vertraue ihnen da in allen Belangen und weiß nicht, was genau sie inspiriert hat – Fakt ist, dass sie mich inspirieren. Ich weiß noch, als wir mit der ganzen Rap-Sache angefangen haben und wir einfach raus zu Drehs gingen. Wenn wir zurückkamen, dachten wir gar nicht lange drüber nach, sondern schnitten die Videos einfach, wie wir wollte und packten crazy Effekte drüber.

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NOIZZ: Wie haben du und deine Musik sich seit deinem Debüt-Mixtape "Tiger" entwickelt?

Seit "Tiger" bin ich einen unglaublich langen Weg gegangen. Die Menschen, mit denen ich mich umgebe, bringen mich dazu, immer höher und weiter zu wollen. Ich will immer bessere Sachen rausbringen, als die vorangegangenen. Das Gefühl, das ich bekomme, wenn ich jetzt einen Song rausbringe, ist aber noch genauso sensationell, wie damals, als ich "Tiger" veröffentlichte. Die Hauptsache ist, dass ich mache, was mit gefällt.

NOIZZ: Warum hast du dein Debütalbum "Legendary Member" genannt?

Bladee kam zu mir und bat mich, ein paar Calls für sein Album aufzunehmen: Genau das tat ich und auf einem von ihnen sagte ich "Legendary Member man". Dann sah ich, dass die Fans total auf diesen einen abgingen. Als es für mich Zeit wurde, ein neues Album zu produzieren, war das erste, was feststand, der Name: Legendary Member.

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NOIZZ: Du lebst in Bangkok, das Album wurde aber in London und Stockholm aufgenommen. Wie schwer war diese Zeit der Produktion?

Ganz ehrlich – es war das Schwierigste, was ich jemals gemacht habe. Ich habe die ganze Zeit gedacht: "Für dieses Album muss ich einfach alles geben. Und in manchen Momenten mein Bestes noch verdoppeln. Meine Freunde haben während dieser schweren Zeit hinter mir gestanden und mir geholfen, über meine Grenzen hinauszugehen, Track für Track. Wir alle haben richtig viel Herzblut in das Album gesteckt – ich hätte das auf gar keinen Fall ohne sie geschafft.

NOIZZ: Welchen Einfluss hatte deine Abschiebung aus Schweden nach Thailand auf deine Musik?

Die Abschiebung aus Schweden hat riesigen Einfluss auf meine Musik. Davor habe ich Musik einfach aus Spaß mit meinen Kumpels gemacht, aber nachdem das passiert war, hatte ich auf einmal einen Haufen Gefühle, von denen ich nicht wusste, wohin damit. Ich muss mich korrigieren: Schon kurz vor meiner Abschiebung begannen diese krassen Gefühle. Denn vor mir wurden bereits meine Eltern abgeschoben – ich blieb allein zurück. Zu meinem Glück nahm mich Whitearmor auf und ich konnte bei ihm leben. Er verlangte niemals Geld dafür, auch im Nachhinein nicht. Er machte vom Aufstehen bis zum Schlafengehen nur Musik. Einmal wollte ich einfach nur ein paar Songs mit seinen Beats aufnehmen, was wir auch für eine Weile taten – und plötzlich war mein Debüt-Mixtape "Tiger" fertig. Das war mein Türöffner in der Musikszene. Ich habe Whitearmor unglaublich viel zu verdanken.

NOIZZ: Wie ist dein Leben in Thailand im Vergleich zu deinem Leben in Schweden?

Es ist in jeglicher Hinsicht komplett anders. Bankok ist ein verrückter Ort – aber sobald du dich hier einmal niedergelassen hast, kann es das Schönste sein, was du jemals gesehen hast. Ich hatte hier schon viele Aufs und Abs, aber jetzt kann ich einfach tun, was ich will, auf die Art, die ich mir schon immer gewünscht hatte. Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen, in einem Land, in dem ich lange, lange Zeit nicht gelebt habe – und das unter anderem, weil Leute meinen Song "Diamonds" mit Yung Lean gehört hatten. Der hat mir hier wirklich Türen geöffnet.

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NOIZZ: Willst du manchmal zurück nach Schweden?

Ja. Immer.

NOIZZ: Was bedeutet es dir, Teil der Drain Gang zu sein?

Ein Leben lang.

NOIZZ: Was ist die Vision der Drain Gang?

Ich weiß nicht so richtig, wie ich es in Worte fassen soll ... Aber was ich weiß ist, dass wir immer die schönste Zeit haben, wenn wir uns, egal wo auf der Welt treffen und ein paar Songs produzieren.

NOIZZ: Was ist dein persönlicher Lieblingssong? Und warum?

Ich hasse es, dass ich das jetzt sage, aber – ich liebe alle Songs auf dem Album. Denn immer wenn ich einen von den Songs höre, katapultiert mich das zurück in die Zeit, in der der Song entstanden ist. Die Tracks sind zwar alle verschieden, aber eines haben sie gemeinsam: Sie entstanden bei einer crazy Studio-Session mit meinen Jungs. Aber wenn ich einen auswählen muss, dann "Kit Kat". Der Tag, an dem wir den produziert haben, war der verrückteste überhaupt. Aber darüber schweige ich.

NOIZZ: In deinem Song "Lip Service" singst du über ein Mädchen und beschreibst sie als Engel. Auf Instagram postest du auch öfter Fotos, auf denen du ein Mädchen küsst. Ist sie deine Freundin?

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Ja, sie ist wirklich ein Engel und ja, sie ist meine Freundin. Wir sind seit fast zwei Jahren ein Paar und kennen einander schon seit langer Zeit. Manchmal kommt sie zu mir, wenn ich mit einem Song nicht weiterkomme und baut mich auf. Und dann, obwohl ich dachte, das sei unmöglich, schreibe ich den Song plötzlich zu Ende. Das ist erst gestern wieder passiert. Sie hat auf meinem Schoß geschlafen, als ich "Side by Side" schrieb. Und bevor sie da lag, war mir einfach nichts eingefallen.

NOIZZ: Kannst du von deiner Musik leben?

Ja, das tue ich gerade.

NOIZZ: Was ist dein nächstes großes Ziel?

Ich will irgendwann einmal in einer großen Arena performen. Wenn ich auf meinem Balkon im 30. Stock stehe, stelle ich mir manchmal vor, wie ich genau dort ein Konzert gebe und sich, so weit mein Blick reicht, Menschen versammelt haben und mir zuhören. Die ganze Stadt wäre ein einziges großes Konzert, das wäre wirklich toll.

Thaiboy Digitals Debüt-Album ist am 26. September erschienen und auf allen großen Streamingplattformen verfügbar.

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  • Quelle:
  • Noizz.de