Mit ihrem Universal-Deal holt sie nicht nur für sich selbst das Beste heraus ...

Look what you made her do, um es mit Taylor Swifts eigenen Worten zusagen. Seit 13 Jahren war sie beim ein und demselben Plattenlabel, nämlich Big Machine. Taylor Swift als Künstlerin unter Vertrag zu haben, war für das Indielabel, das sich auf Country und Pop spezialisiert hat, eine große Nummer. Alleine Swifts aktuelle Platte „Reputation“ verkaufte sich rund 3,5 Millionen Mal. Insgesamt hat sie über 140 Millionen Tonträger verkauft.

Jetzt endetet ihr Vertrag, den sie als 15-Jährige unterschrieben hat. Die ganze Musikwelt wartete darauf, was Swift jetzt nur machen würde. Nun des Rätsels Lösung: Sie unterzeichnete bei Republic Records, welches Teil der Universal Music Group ist. Auch ihr vorheriges Label Big Machine hatte für den internationalen Vertrieb ihrer Alben mit dem Major zusammengearbeitet.

Details über den Vertrag gibt es nur wenige, aber die haben es in sich und könnten das Musikbusiness vollkommen revolutionieren. Zum einen werde sie in Zukunft die Rechte an ihren Master-Aufnahmen behalten. Zum anderen habe das Label zugesagt, alle Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen am Streamingdienst Spotify den Künstlern zu vergüten.

Das muss man sich einmal vorstellen: Tay Tay unterschriebt einen Vertrag für sich und fordert mehr für ALLE Künstler, die ebenfalls bei Universal sind. Swift, die als eine der erfolgreichsten Musikerinnen der USA gilt, hatte sich schon in der Vergangenheit immer wieder für die Rechte von anderen Künstlern eingesetzt.

Allerdings wurde sie auch oft angefeindet:

Etwa für den Ticketverkauf zu ihrer Reputation-Tour. Dafür konnten sich Fans quasi in eine virtuelle Warteschlange einkaufen mithilfe einer App. Je mehr Merch du kaufst, je öfter du ihre Videos auf YouTube schaust, desto eher hattest du eine Chance, ein Ticket zu ergattern. Swift wollte damit eigenen Angaben zu Folge sichergehen, dass keine Bots die Tickets kaufen und auf den Schwarzmarkt zu überteuerten Preisen bringen.

Fans hingegen fühlten sich auf gut Deutsch etwas verarscht. Tay Tay, die sonst für ihre Fannähe bekannt ist, sorgte mit ihrer Ticketapp eher dafür, dass Fans, die nicht genug Kohle haben, einfach nicht auf ihre Konzerte konnten. Und auch sonst wird Tay Tay oft vorgeworfen, sie sei eine knallharte Businessfrau, die alles so durchzieht und einkalkuliert, dass sie den größtmöglichen Gewinn abfährt.

In einem GQ-Interview von 2015 sagte sie selbst einmal: „Wenn ich kein Popstar geworden wäre, hätte ich wohl studiert. Irgendwas, wo man viel kommuniziert. Vielleicht Marketing.“ Das erklärt vieles was Taylor Swift macht, aber auch viele ihrer scheinbar egoistischen Schritte in der Musikwelt sind Teil eines wohl ausgeklügelten Plans, der jetzt nach und nach aufzugehen scheint.

Vielleicht läutet Tay Tay sogar das Ende der Musiklabels ein

Bereits 2015 legte sich Taylor Swift mit der Streamingwelt an: Ihre Songs zog sie von allen Plattformen zurück. Der Grund: Es sei nicht fair, wie Künstler bei den Einnahmen durch die Streams beteiligt werden. Taylor gab es weder auf Spotify, noch auf Apple Music, noch auf Amazon Music. Wer „Shake It Off“ hören wollte, musste ihre Musik kaufen. So einfach war das. Damit stärkte Taylor ihre Position als Künstlerin. Sie machte nicht mit beim Spielchen.

Das ging sogar so weit, dass sie in einem offenen Brief, Apple-Chef Tim Cook zum Handeln aufrief: „Wir bitten auch nicht um kostenlose iPhones. Bitte verlangen Sie von uns nicht, Ihnen unsere Musik ohne Gegenleistung zur Verfügung zu stellen.“ Und Tada – der Appell zeigte Wirkung. Swift hatte einen Exklusivdeal mit Apple Music, der ihr Vorzugsrechte einbrachte.

Aber auch für andere Künstler bewegte sie etwas: Apple sorgte dafür, dass auch Streams in der dreimonatigen Probephase von Apple Music in Zukunft für alle Künstler vergütet werden sollten. Auf Spotify blieb Taylor Swift aber stumm. Bis Juni 2017, kurz vor ihrem letzten Album-Release. Wieder ein geschickter Schachzug, der Aufmerksamkeit garantierte.

Aber in den zwei Jahren ihrer Abstinenz hatte sich etwas verändert. Vor ihrem Boykott brachte dort ein Play etwa 0,0009 US-Dollar ein, mittlerweile sind es 0,0063. So machen Swift und ihr Label pro Woche etwa 400.000 US-Dollar Umsatz allein bei dem schwedischen Streaming-Portal.

Und nun bringt Taylor Swift die nächste Säule im Streaming-Game zu Fall: die Labels.

Bisher war es nämlich von Künstler zu Künstler verschieden, wie sehr das Label ihn oder sie an den Einkünften durch Streamingdienste beteiligte. Für manche war es wohl mikroskopisch wenig. Mit Taylor Swifts Universal-Deal endet sich zumindest etwas für alle Künstler beim größten Musiklabel der Welt.

Macht Taylor Swift das Business so zu einem besseren? Eher nicht. Aber es ist ein Anfang, der vielen hilft. Und zeigt auch, wie in Zukunft die Musikindustrie vielleicht ganz auf das Label verzichten kann. Insgesamt machte das Musikbiz mit Labels, Streamingdiensten und anderen Komponenten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43 Milliarden.

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Was vor gut zehn Jahren verrückt klang, wird nach und nach Realität: Streamingdienste wie Spotify könnten anstelle von Labels treten. Jetzt gibt es exklusiv eingespielte Sessions nur für Spotify oder Apple Music. Und Jay-Zs Streaming-Dienst Tidal ist noch einen Schritt weiter und übernahm etwa für „4:44“ von Jay-Z die gesamte Distribution des Albums. Diesen Ansatz verfolgen alle Streaminganbieter. Und das erklärt vielleicht auch Taylor Swifts Macht, die sie bei ihren Verhandlungen mit Universal hatte. Die großen Majors, die fast drei viertel des Marktes beherrschen, haben Angst vor der Zukunft.

Insofern ist Taylors Swift Akt vielleicht nicht der einer Mutter Theresa und pure Nächstenliebe. Jedoch zeigt sie, dass Künstler nicht ohnmächtig den großen Labels gegenübertreten müssen. Und das ist ja schon mal was.

Quelle: Noizz.de