Besser hätte es kaum kommen können.

Das Sziget-Festival in Budapest ist eines der fabelhaftesten in Europa. Allein die Lage auf einer Donau-Insel macht die Veranstaltung einzigartig. Dazu kommt ein Spirit, der das Event sieben Tage lang zu einer eigenen kleinen Welt werden lässt: ein Zirkus, Theater, Tanzaufführungen, Ausstellungen – eine halbe Million Menschen aus mehr als 100 Ländern begegnen sich beim Sziget auf unterschiedlichste Weise. Man kann dort sogar heiraten! Dieses Jahr findet es vom 7. bis zum 13. August statt.

Nicht unwesentlich ist natürlich das Line-up. Fest stehen schon internationale Acts wie Ed Sheeran, Foo Fighters, Florence + The Machine, The 1975, Twenty One Pilots, Post Malone, Cardi B,  Martin Garrix und The National.

Jetzt sind weitere deutschsprachige Künstler bestätigt worden: Bosse (!), Leoniden, Sophie Hunger und Hearts Hearts! Das Festival lohnt sich also auch für Fans der hiesigen Musikkultur.

Mit dabei ist auch Virág Csiszár, die als Bookerin für Sziget Cultural Management arbeitet, der Firma hinter dem Sziget.

Da die 28-Jährige beim Festival eher im Hintergrund stehen wird, haben wir die Gelegenheit genutzt, um ihr wenigstens jetzt, im Vorfeld des Riesen-Events, einmal ein paar Fragen lang die Bühne zu überlassen.

NOIZZ: Liebe Virág, was hast du in deinen Jahren beim Sziget gelernt?

Virág Csiszár: Alles, was ich über Festivals weiß, über Musiktourneen und Live-Musik, und ich stehe ja noch ganz am Anfang meiner Karriere. Ich habe hier mit 22 Jahren angefangen und viel von meinen Chefs, Kollegen und Musikagenten gelernt, mit denen ich zusammen gearbeitet habe. Es ist ein Prozess, der nie aufhört, ein komplexer Job.

Was hat dich in Sachen Sziget zuletzt richtig gefreut?

Virág: Das tolle Feedback, das wir nach der Festivalsaison 2018 bekommen haben – von unseren Besuchern, den Künstlern, die auf unserem Festivals gespielt haben, den Managern, Agenten und anderen Festival-Organisatoren, die vorbeigeschaut haben, um unser Event auszuchecken.

Was hat dich enttäuscht?

Virág: Viele Herausforderungen während des Booking-Prozesses und vor Ort. Manchmal arbeiten wir monatelang auf eine Show hin und am Ende hat der Künstler an unserem Datum dann doch keine Zeit und wir müssen wieder komplett von vorne anfangen. Last-Minute-Absagen sind für mich ebenfalls ein Albtraum.

Gerade wird viel darüber diskutiert wie männlich beziehungsweise weiblich Festival-Line-ups sind. . Was hast du zu dem Thema zu sagen?

Virág: Als Frau im Musik-Business bin ich sehr stolz auf die Festivals, die hierbei Fortschritte machen oder ihr Ziel sogar schon erreicht haben. Wir versuchen auch mehr und mehr, talentierte Künstlerinnen ins Sziget-Line-up aufzunehmen, aber gegenwärtig sind wir von einer 50-Prozent-Quote noch weit entfernt. Daran müssen wir also noch arbeiten.

Gleichzeitig kann ich sagen, dass wir eine lange Liste von tollen Solo-Künstlerinnen und Bands mit weiblichen Mitgliedern haben, die dieses Jahr bei uns spielen werden. Darauf bin ich stolz. Um nur ein paar von ihnen zu nennen: Florence + The Machine, Tove Lo, Chvrches, Jain, Tove Styrke, Grace Carter, Alma, IAMDDB, Anna Of the North, Broken Social Scene, Big Thief, Superorganism, Pale Waves, Khruangbin, Valeras.

Das Streaming hat die Musikszene verändert. Warum sind Festivals trotzdem beliebter denn je?

Virág: Genau deshalb: Weil immer Menschen viel Zeit online verbringen. Es ist heutzutage viel einfacher, Musik zu konsumieren als noch vor 10, 20 Jahren. Aber nicht kann das Gefühl ersetzen, eine Live-Show zu erleben. Für Künstler ist es schwer, aus Online-Plattformen auszubrechen. Manche Acts haben sehr viele Streams, aber noch nie vor Publikum gespielt. Das kann beim Booking zu Missverständnissen führen. Wenn wir fürs Festival neue Acts buchen, versuchen wir immer auch, zu sehen, wie sie live performen oder wie ihre Produktionen aussehen, um sicher zu gehen, dass das auch etwas ist, was unsere Besucher auschecken müssen. 

Wie sieht die Zukunft des Musik-Business aus?

Virág: Ich hoffe, dass die Live-Musik-Szene ihre Kraft behalten wird und Fans weiterhin Tickets kaufen, um ihre Lieblings-Musiker auf Festivals und Headline-Shows zu sehen. Technologie hat einen großen Einfluss darauf, wie Leute Musik konsumieren, was auch bedeutet, dass aufgenommene Musik nicht mehr die Haupteinkommensquelle eines Künstlers ist und sie Geld verdienen müssen, indem sie touren.

ss

Quelle: Noizz.de