Und ist perfekt immer gut?

Sie weiß, wie das Business läuft. Sie weiß es nicht nur, sie verdreht mit einem Fake-Wimpernschlag der Deutschrapszene den Kopf und setzt mit ihren Musikvideos einen ganz neuen Standard. Frauen hocken in der fetten Karre nicht mehr hinten auf der Rückbank – sie drücken auf das Gaspedal, von 0 auf 250. "Supersize" sorgt für einen riesigen Hype. Dabei ist es das allererste Album, das Shirin David veröffentlicht. Kann ein erstes Album jemals perfekt sein?

Ein Rückblick: Mitte Februar dieses Jahres droppt Shirin ihren Hit "Gib ihm", der sogar am Weltfrauentag auf Platz eins in den Charts thront. Dabei hat sie das Beste, was in Sachen Popkultur passiert, zusammengesucht. Das Ergebnis ist etwa so geil, wie wenn du aus all deinen Lieblingssüßigkeiten eine fette Torte backst: extremnice.

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Shirin hat mit "Gib ihm" die Latte so hoch gesetzt, dass sie sich erstmal selbst toppen muss. Doch Supersize-Suprise: Es folgt die Single "ICE" , die an ihren vorherigen Erfolg anknüpft. Sie liebt es, Frau zu sein und zeigt erneut, dass nicht nur Männer auf dicke Hose machen können. Und genau dafür lieben wir sie nach wie vor – das ist ihr Markenzeichen. Sie beweist sogar, dass sie nicht nur Bling-Bling-Rhymes draufhat, sondern auch Gefühle zeigen kann. In "Fliegst Du mit" rührt sie die Deutschrapszene mit ihrer fantastischen Stimme und ergreifenden Lyrics fast sogar ein bisschen zu Tränen. Als wäre das alles nicht genug, veröffentlicht sie mit dem französischen Rap-Star Maître Gims den Track "ON OFF" – und einen weiteren Hit, "Brillis". Was kann da noch kommen?

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Der Respekt vor Frauen und ihren Entscheidungen ist so tief in mir verwurzelt, dass er für mich eine Selbstverständlichkeit ist und nicht etwas, das wie eine Werbung mit dem Hashtag #Frauenpower gekennzeichnet werden muss. Es trifft mich immer wieder unerwartet, wenn ich einen reißerischen Artikel über meinen angeblichen Anti-Feminismus lesen muss. Wir sind zwar im Jahre 2019, aber es scheint, dass viele Menschen immer noch davon schockiert sind, dass eine Frau unter ihren Kleidern nackt ist. Ich werde verurteilt, weil ich meinen Körper gerne und stolz präsentiere. Ich möchte mich hier direkt an die Verurteilenden wenden und fragen: Ist das Recht den eigenen Körper so präsentieren zu dürfen wie man es möchte nicht einer der Aspekte, für den zahllose Generationen von Frauen gekämpft haben? Würdet ihr mich immer noch als Sexistin beschimpfen, wenn ich mir mit Edding „Fuck the government“ auf meine nackten Brüste schreiben würde? Wahrscheinlich nicht, denn dann wäre die Message offensichtlich: Ich möchte, dass meine Nacktheit genauso gesellschaftlich akzeptiert wird wie die der Männer. Ich habe nie und werde nie andere Frauen dafür kritisieren wie sie sich kleiden. Vor allem nicht um Aufmerksamkeit zu bekommen und erst recht nicht für Promo-Zwecke. Ich respektiere, wenn Frauen sich, weil sie stolz auf ihre Körper sind, bedeckt kleiden. Ich respektiere, wenn Frauen sich aus völlig anderen Gründen bedeckt kleiden. Aber ebenso respektiere ich, wenn Frauen sich nur im Tanga zeigen, wenn es das ist womit sie sich wohlfühlen. Ich bringe jedem Journalisten, der objektiv einen kritischen Artikel über mich schreibt Respekt entgegen. Aber wenn ich einen Artikel lese, in dem Zitate entkontextualisiert, Frauen gegeneinander aufgehetzt und ich als Anti-Emanze dargestellt werde, dann kann ich nur noch sagen, dass euch nicht nur eure Kugelschreiber, sondern auch das Recht jegliche Schreibprogramme verwenden zu dürfen entzogen werden sollte. Nutzt eure Stimmen für relevante Themen. Kriege. Armut. Naturkatastrophen. Aber ich kann es schon verstehen. Die Stichworte „Shirin David nackt“ werden halt besser als „Der Amazonas brennt- wir werden alle sterben“ geklickt. #SUPERSIZE

Genau das ist das Problem. Shirin ist bereits aus deiner Lieblingssüßigkeitstorte rausgesprungen. Die Überraschung ist vorbei. "Nur mit dir" klingt schön, Naidoo sollte man als Feature allerdings hinterfragen. "Größter Fan", "Melodien" und "Gift" ähneln alle sehr ihren Vorgängern.

Das bedeutet nicht, dass sie Shirins Albumtracks nicht eingängig sind. Sie liefert ein Album, das durchdacht ist und als Gesamtkonzept wirkt. Ja, es ist perfekt – aber vielleicht deswegen auch ein bisschen monoton. Viele Rapper wissen, wie ihre Tracks klingen müssen, damit sie funktionieren. Grüße gehen raus an Capi. Das weiß auch Bossbitch Shirin. Das Hitmuster wird immer wieder angewendet. Ähnliche Melodien, die immer gleiche Tonlage, typische Hip-Hop-Beats. Dadurch fehlt am Tag des Album-Release leider der Knall. Irgendwann hat man sich an der Lieblingstorte satt gegessen – und muss erst einmal wieder auf den Heißhunger warten. Aber der kommt sicher. 

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Quelle: Noizz.de