weniger Subkultur, als man denkt

Ja Mensch, da hat er sich wirklich Zeit gelassen, der Bon Iver. 2017 hörte man bundesweit Fanherzen brechen, als Justin Vernon (wie Bon Iver mit bürgerlichem Namen heißt) seine Auftritte in Europa absagte. Aber jetzt, in der langsam anlaufenden kalten Jahreszeit, kommt der "schöne Winter" nach Berlin. Genauer: In die komplett ausverkaufte Max-Schmeling-Halle. Und die Fans? Die sind da. Sie haben den Schmerz des geplatzen letzten Konzerts überwunden und sind dem Musiker treu geblieben. Die Halle ist voll und dennoch ist es während des Konzerts erstaunlich ruhig.

Bon Iver ist einer dieser verschrobenen Ausnahmetalente – auf die sich eigenartigerweise alle gut einigen können. Dabei ist Bon Iver ein ziemlicher Musik-Biz-Anarchist! Er hält sich nicht so sehr an Regeln und macht eher sein Ding. Es gibt beim Konzert keine Vorband, dafür eine irritierende 20-Minuten-Pause mittendrin. In zwei Sets spielt sich Bon Iver hauptsächlich durch sein letztes Album "22, A Million". Mit Kopfband und -hörern steht er auf der Bühne und reißt die Stücke zwischen Elektro, Indie und Singer- Songwriter inmitten seiner Band runter. Zwischendurch spricht er wenig, gibt dem Publikum aber genau das, was es will.

Stimmlich und musikalisch ist das alles erste Sahne. Was allerdings nervt ist die vollkommen übertriebene Lichtshow. Es wirkt ein bisschen so, als hätten die Labelleute Angst, dass ein vermeintlicher Folk-Musiker nicht genug ist für ein Publikum das über 10.000 Besucher stark ist, sein könnte. Daher schleppen sie sämtliche Scheinwerfervariationen an und strahlen drauf los, was das Zeug hält.

Aber auch das ist vollkommen zu verzeihen – spätestens als sich Bon Iver für die Zugabe alleine auf die Bühne stellt und ganz alleine, nur mit seiner Gitarre, "Skinny Love" singt. Spätestens da ist aus der übergroßen Halle und den vielen Zuschauenden eine Einheit geworden, die singend und in Liebe zergehend "And I told you to be patient..." schmettern.

Quelle: Noizz.de