„Be true. Not better“ – wurde wieder erfüllt.

Das Haldern war vor Jahren die allererste Instanz für alle weltumarmende, gitarrenlastige Singer- Songwriter-Musik-Liebende. Die Tickets waren nach Minuten ausverkauft und jede/r die/der ein Ticket bekam und nicht Opfer des eingebrochenen Servers war, durfte sich glücklich schätzen. Die Acts auf dem Line-Up waren nicht selten die Stars von übermorgen. Mumford & Sons, Portugal. The Man oder Kate Nash standen auf den Bühnen des Haldern, noch bevor sie Weltstars wurden.

Seit einigen Jahren hat dieser Ruf allerdings Risse bekommen: Kritik am Line-Up werden seit drei Festival-Sommern nicht mehr leise und der Run auf die Tickets war eher ein langsames Schleichen. Aber: Das Haldern ist ein Festival, zu dem man eben auch aus Tradition und tiefer Verbundenheit fährt. So wie ich dieses und ziemlich sicher auch die nächsten Jahre.

Hier trifft man auf dem Zeltplatz die MitgliederInnen anderer kleiner Bands, trifft BesucherInnen, die man nur hier jedes Jahr wiedersieht, geht in den nahegelegenen See schwimmen, um auszukatern oder setzt sich zu den BewohnerInnen des kleinen Städchens, um mit ihnen ein Bier zu trinken. Daneben sind und bleiben Locations wie die Kirche im Dorf oder das Spiegelzelt einfach uneingeholt.

Es stimmt: Das Line-Up hielt auch dieses Jahr tatsächlich wenige Klopper bereit – die Headliner waren keine krassen Acts und alle anderen Bands und MusikerInnen, waren nicht wirkliche Überraschungen. Aber dadurch hatte man genügend Zeit, sich auf Nummern zu konzentrieren, die man sonst nicht im Blick hätte, kann einfach mal rumstreunern und sich auf Dinge einlassen, ohne die ständige Angst etwas zu verpassen.

So steht man irgendwann bierseelig in der Kirche und hört sich den mehrstimmigen Gesang der Barr Brothers an, bekommt auf die Fresse von den voll aufgedrehten King Gizzard & the Lizard Wizard oder lässt sich vom um 13 Uhr mit Rotwein auf der Bühne stehenden Fortuna Ehrenfeld wecken.

Hat man Glück, sieht man in den Kornfeldern hin und wieder die Leute von den Cardinal Sessions, wie sie mit der ein oder anderen Band einen Clip produzieren oder bekommt beim Imbiss am Reithof frisch geräucherten Lachs serviert – natürlich inklusive frisch gezapftem Bier.

Der Leitspruch des Halderns ist und bleibt nun mal "Be True. Not Better." und sich selbst bleibt dieses Festival seit Jahrzehnten treu. Vielleicht muss die Booking-Truppe nur mal wieder mutiger werden, vielleicht einfach mal die jüngere Generation ranlassen oder einfach den Edge wiederfinden. Bis dahin hängen wir auf dem Zeltplatz ab und schauen den freundlichsten FestivalbesucherInnen beim Flunkyball zu.

Quelle: Noizz.de