Hotpants, Sixpacks und eine echte Hochzeit

Beim Parookaville wurde das Festivalgelände zum Laufsteg. Das Motto: sexy, sexy, sexy! Die Frauen trugen bauchfrei, Glitzer-Tattoos und knappe Hotpants. Die Männer dicke Muskeln und obenrum nichts.

Die Stimmung war trotz aller Oberflächlichkeit richtig gut. Bei den Konzerten gab es Spontan-Umarmungen zwischen fremden Leuten. Und am Pissoir unterhielt man sich angenehm über das größtenteils gute Wetter.

Einbürgerung in die erfundene Kleinstadt

Es fing damit an, dass die Festival-Besucher „Bürger“ genannt wurden. Denn das Parookaville-Gelände in Weeze verwandelte sich in eine Kleinstadt.

Knast, Kirche, Postamt – hier gab es alles, was eine echte Stadt ausmacht. Wer wollte, konnte sich beim „Registration Office“ so richtig einbürgern lassen. Inklusive Pass und Stempel.

Die Aufnahme war allerdings teuer. Neben den enorm hohen Ticketpreisen (250 Euro inklusive Camping) kostete allein einmal Duschen schon drei Euro …

Die total romantisch-irre Bier-Hochzeit

Kein Scheiß, auf dem Parookaville haben sogar Menschen geheiratet. Und zwar ganz real mit Ringen, Pastorin und in einer Kirche, die vom Sponsor Warsteiner zusammengezimmert worden war.

Zu trinken gab’s natürlich Bier. Mal ehrlich: Ist das noch romantisch oder schon total gaga? Wohl eher letzteres, wenn man sich noch einmal die kuriosen Szenen durch den Kopf gehen lässt:

Das Pärchen fuhr mit einem Chevy bei der Kirche vor. Zwei kleinwüchsige Männer in Elvis-Kostümen öffneten ihnen die Türen. Der Altar wurde von Disco-Licht bestrahlt, durch das Gotteshaus wummerte feinste House-Musik. Es folgte die übliche Zeremonie.

Doch dann wurde es irgendwie doch noch romantisch. Als der Bräutigam sein Ehegelübde sprach, flossen ihm die Tränen übers Gesicht. Er rang nach Worten, seine Frau lächelte, dann steckte er ihr den Ring an.

Abrissmucke und Feuerwerk

Nun ja, was soll man zur Musik sagen? Es war gut, dass die DJs pausenlos ihre Namen an die Bildschirme der Hauptbühne projizierten. Andernfalls hätte man sie wohl kaum voneinander unterscheiden können.

Erster Grund: Auf der riesigen, 110 Meter langen Main Stage konnte man optisch nur erahnen, welcher DJ gerade sein Set spielte. Dass die Künstler dann auch noch zur Hälfte von ihrem Mischpult verdeckt waren, machte es nicht gerade besser.

Zweiter Grund: Auch akustisch war es von Auftritt zu Auftritt immer wieder das gleiche Programm. Erst begann der Remix von irgendeinem Song, dann folgten die „Put your Hands up“-Befehle und anschließend ein abgefuckter Abrissbeat. Das Ganze dann in Endlosschleife.

Dazu ein Großaufgebot an Feuerwerk. Kaum ein DJ ließ es sich nehmen, meterhohe Stichflammen in den Himmel zu schießen oder tonnenweise Pyro abzufeuern.

Primitiv, aber wirkungsvoll. Denn das Publikum rastete trotz aller Gleichförmigkeit ausnahmslos aus. Alles sprang, gröhlte, feierte.

Kurzer Nachtrag: Auf den kleinen Bühnen gab es dann übrigens doch noch vereinzelt gute Elektro-Musik zu hören.

Quelle: Noizz.de