Und das schon seit fast fünf Jahren!

Mittlerweile haben es wohl alle mitbekommen – Kanye West steckt mit Pornhub unter einer Decke. Der Musiker wurde von dem Anbieter von Porno-Filmchen beauftragt, der Kreativdirektor der Pornhub Awards am 6. September 2018 zu sein. Das Angebot nahm Kanye an, und war tatsächlich an besagtem Abend der Dirigent der Porno-Verleihungen. Er produzierte sogar individuell entworfenen Porno-Merch und veröffentlichte im Rahmen des Events einen neuen Song mit Lil Pump, „I Love It“.

Das Video und der dazugehörige Inhalt stehen in offensichtlichem Zusammenhang mit der Pornhub-Seite, siehe die Statuen nackter Frauenkörper, und mit dem gleichen futuristischen Motto, wie von den Pornhub Awards und Textzeilen wie: „You’re such a fuckin‘ ho, I love it.“

Aber das Zusammenspiel von Pornhub und der Musik-Industrie geht viel weiter zurück als die Pornhub Awards im Jahr 2018. Im Prinzip fing alles im Jahr 2014 an. Wir haben für euch eine kleine Chronologie erstellt.

Tatsächlich hat die Porno-Seite schon vor fast fünf Jahren ein Musik-Label gegründet. Es heißt Pornhub Records. Das Label sollte für mehr Queer-Content plädieren. So abwegig wie der Move zu Anfang schien – eigentlich war Pornhub schon lange eine Plattform für junge Künstler, ihre Videos hochzuladen. So veröffentlichte zum Beispiel EDM-Produzent FaltyDL auf der Seite den Track „Greater Antilles Part 2“, Art-Rocker Xiu Xiu das Lied „Black Dick“, und Rammstein seinen Song „Pussy“. Sex Sells – und das gilt auch für Musik.

Nach der Gründung des Labels suchte Pornhub direkt nach einem Song, der als Hymne für die Webseite gelten sollte. Dabei sollte es nicht unbedingt um Porno-Einreichungen gehen, wie Pornhubs Vize-Präsident Corey Price Billboard erzählte. Im Grunde seien sie schließlich nur ein „werbefinanziertes Unternehmen, das Inhalte für sein Publikum sucht“ – also wieso nicht einen Sprung in die Musik-Kultur wagen? Die Regeln: Über 18 musste man sein und Boy-Bands oder Teen-Pop sind unerwünscht.

Zu gewinnen war ein Preisgeld für eine eigene Video-Produktion und 500.000 versprochene Klicks. Die Entscheidung traf dann die Jury im Jahr 2015. Zu ihre gehörten unter anderem Rapper T-Pain und Musik-Journalist Dan Ozzi. Unter Tausenden Bewerbern aus der ganzen Welt gewannen schließlich der Rapper Jordan Royale mit „Pornhub Anthem“ und die Rockerin Mihannah Zhang mit „You Make Me Feel Like“.

Gerade, als man dachte, das Projekt Pornhub Records wäre auf Eis gelegt, veröffentlichte das pornöse Label das Musik-Video zu „Loner“ von Mykki Blanco. Das Ganze kam gut an. Etwas merkwürdiger Content schien für das Plattenlabel der richtige Weg zu sein.

Trotz unstetig aktiver News um Pornhub Records scheint das Label auf Content-Suche zu sein. In einem Interview mit „Digital Music News“ bittet das Label weiterhin um Bewerbungen unter music@pornhub.com.

Nun also in der Jetzt-Zeit angekommen, angelt sich Pornhub eines der größten Gesichter aus dem Musik-Business: Kanye West. Mithilfe des Rappers wird Pornhub in der Musik-Szene wieder relevant. Der auf den Pornhub Awards veröffentlichte Track „I Love It“ hat auf YouTube mittlerweile fast 210 Millionen Views. Kanye West hatte von Pornhub als Dank für seine im Fernsehen ausgesprochene Pornhub-Liebe außerdem eine lebenslange Premium-Mitgliedschaft bekommen - gute PR.

Die Zusammenarbeit zwischen der Porno-Seite und der Musik-Welt schreitet voran, und das ist gar nicht so blöd. Denn auf Pornhub können Musiker ihre artistische Vielfalt ziemlich frei entfalten, ohne Opfer von Zensur zu werden. Eine Förderung von außergewöhnlichem Inhalt im Musik-Business ist also eigentlich etwas Gutes, selbst, wenn Pornhub dahintersteht.

Quelle: Noizz.de