Neues Abum „1982“: So klingt die Bromance von Marteria und Casper

Laura Wolfert

HipHop. Popkultur.
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Die beiden haben sich lieb: Casper und Marteria, beide Baujahr 1982 Foto: Screenshot / Instagram / Marteria / Screenshot Instagram @marteria

Eine Reise zwischen Touristen und FKK.

Mit ein paar Bierchen intus schlendert man nachts durch seinen Kiez – mit Kopfhörern, die Mukke laut aufgedreht. Es sind Casper und Marteria, die mit ihren rauen Stimmen am Herz kratzen und die Gefühle von damals wiederaufkommen lassen: Hoffnung, Sorge, Liebesschmerz, Glück.

Während man sich in dem einen Moment noch auf dem Nachhauseweg befindet, versetzen die zwei Rapper den Hörer in die Vergangenheit. Hallo 1982.

Wir haben uns ihr erstes gemeinsames Album „1982“ für euch angehört

Es ist das Jahr, in dem Casper und Marteria geboren sind. Damit nicht die einzige Gemeinsamkeit: Beide Rapper haben fast gleichzeitig in Vegas geheiratet und sind seit knapp acht Jahren wichtiger Bestandteil deutscher Rap-Geschichte. Erst jetzt veröffentlichen sie das langersehnte, gemeinsame Album.

Nach drei Singles, die Lust auf mehr gemacht haben:

Doch wer so viel Hoffnung weckt, kann schnell enttäuschen

„Angekommen zwischen Touristen und FKK“ – glaubt man Marterias zweiter Line, so braucht man nur zwei Stationen mit der S-Bahn fahren, um ins Paradies zu kommen. Wie Recht er hat.

Hört man zu, was die Rapper erzählen, braucht man nur zwei Lieder, bis man sich im „Omega“ wiederfindet – und mit Casper durch die Vorstadt cruist.

Man sieht den „in der Heckscheibe im Takt wackelnden Dackel“, schmeckt „den Schaum in den Pappbechern“ und riecht das „Cannabis Sativa“.

Die Fahrt durch die Vergangenheit dauert gerade Mal 35 Minuten, zehn Songs. Doch mehr braucht es auch nicht. Bei einem guten Album kommt es nicht darauf an, möglichst viele Songs so produzieren – sondern sich ein Konzept zu überlegen und eine Geschichte zu erzählen, von Anfang bis Ende. Genau das gelingt Casper und Marteria hervorragend.

Gestartet wird mit dem Track „1982 (Als ob's gestern war)“, beendet mit „2018 (Gratulation)“. Auf den Zeigefinger und die selbst aufgesetzte Krone verzichten sie.

„1982“ ist kein goldenes Album, bei dem beide der Musik-Welt erzählen wollen, was sie alles schon geschafft haben. Es ist Nostalgie, die keine Träne kullern lässt – sondern die Mundwinkel zu einem Lächeln formt.

Auch bei dem Sound scheinen beide noch in der Vergangenheit zu schwelgen. So kommen einzelne Melodien bekannt vor und erinnern an alte Tracks aus „Zum Glück in die Zukunft“ von Marteria und „Der Druck steigt“ wie „Hin zur Sonne“ von Casper. Klassischer Casper-Marteria-Sound also, Hip-Hop aufgemischt mit Pop-Sound – mit wenigen Trap-Beats.

Die Gefühls-Palette von „1982“ ist wieder bunt: Von lauten Trompeten, die Wut und Mut entfachen, bis zu den sanften Vocals von Kat Frankie in „Denk an dich“, die Trauer weckt.

Casper und Marteria haben nicht enttäuscht. Mit „1982“ haben sie ein Album geliefert, an das man sich auch noch in ein paar Jahren erinnert wird. Dennoch bleibt der große Knall aus.

Casper und Marteria kratzen lediglich am Herz. Sie reißen es nicht raus, oder pumpen es mit Liebe voll, bis es platzt. Aber es klopft, zufrieden.

Quelle: Noizz.de

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