Wir haben Marvin Göldner (25) gefragt, der das kleine feine Kieler Musik-Label „Empore“ betreibt.

Irgendwann drückte mir Marv eine Schallplatte in die Hand. „Hier. Von meinem Label.“ Die Hülle war Dunkelgrau; die Vorderseite zeigte ein seltsames Foto, auf der Rückseite stand „Jeremy Liar – Annapurna“ und die Namen von vier Tracks.

„Du hast ein Label?“ Ich war perplex.

Ich wusste, dass Marv ein Start-up hat und sein prägnantes Gesicht überdurchschnittlich oft überdurchschnittlich lang in die Snapchat-Kamera hält (er heißt dort marv4eyes).

Aber ein Label? Geht das so einach? Was muss man dafür können? Und: Warum zur Hölle macht man das überhaupt?

Ich hakte nach. Und hielt die Antworten fest, weil ich sie für eine gute Anleitung zum Gründen eines eigenen Musik-Labels halte – viel wertvoller als die Antworten irgendeines großen Label-Chefs. Meistens lernt man doch im Kleinen besser, wie das Große funktioniert.

Außerdem legen zwei Künstler des Labels am Donnerstag bei der NOIZZ-Party in Burg Schnabel auf: Mitbegründer Marc Wolf vom DJ-Duo Avidus und Valiete. Wer den Sound von „Empore“ also mal im Club kennenlernen will, sollte unbedingt vorbeikommen!

NOIZZ-Party im Burg Schnabel Foto: Noizz.de

NOIZZ: Marvin, warum um alles in der Welt hast du 2014 zusammen mit zwei Kumpels ein Label gegründet?

Marvin Göldner: Ich habe schon immer Musik gemacht. Wenn andere Kinder auf dem Fußballplatz standen, habe ich mit meinen Kumpels im Proberaum gehockt. Zuerst Punkrock, dann Indie und am Ende immer mehr Elektro. In meinem Abi-Buch steht bei der Frage, was ich in 20 Jahren machen würde: „Chef von Universal sein.“ Während meines Studiums hatte ich dann aber gemerkt, dass das schneller gehen und man auch selbst ein Label gründen kann.

Wann war das?

Marvin: 2014, aber die erste Vinylplatte kam erst zwei Jahre später raus. Davor hab ich aber auch schon Musik veröffentlicht – auf MySpace, Soundclound und anderen Online-Plattformen.

Könnte ich auch „einfach so“ ein Label gründen?

Marvin: Theoretisch schon, sofern du genug Musik hast und eine Art Katalog erstellen kannst. Wenn du auch physische Tonträger vertreiben willst – also Platten, CDs und/oder Kassetten (ja, die gibt's auch noch!) –, ist ein Vertrieb als Partner sehr praktisch. Der kümmert sich darum, dass deine Platten in die Läden kommen und du im Internet präsent bist.

Was ist die größte Herausforderung?

Marvin: Du musst Künstler davon überzeugen, ihre Musik auf deinem Label zu veröffentlichen. Wenn es noch einen Remix von der EP geben soll, bedarf das dann einiger Koordination zwischen den Künstlern.

Sowieso ist Planung das A und O. Durch den Vinylboom der letzten Jahre kommt es manchmal zu extremen Verzögerungen bei der Pressung. So kann es passieren, dass Release-Termine nicht eingehalten werden können, weil die Platte einfach nicht gepresst werden kann. Dann musst du natürlich dafür sorgen, dass die Platte auch bei denjenigen ankommt, die sie im Club spielen.

Was brauch ich sonst noch?

Marvin: Ach ja, wenn du ein Label startest und Musik veröffentlich willst, brauchst du einen Labelcode. Dieser wird benötigt, damit die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) abrechnen kann, wenn deine Platten im Radio oder Fernsehen gespielt werden.

Muss ich selbst auflegen oder Musik produzieren, um ein Label zu gründen?

Marvin: Nein. Ich lege selbst nur ab und zu auf und produziere selbst nicht mehr. Allerdings ist es essenziell, dass du viel Musik hörst und ein Gespür dafür hast, was den Sound des Labels ergänzen könnte. Man kann sagen, dass jede Platte Teil des Gesamtwerks ist. Es muss insgesamt einfach einen runden Sound ergeben, der für sich stehen kann.

Noch mal ein paar Fragen zu eurem Label „Empore“. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Marvin: Die Szene in unserem Heimathafen Kiel steht der in anderen Städten wie Berlin eigentlich in nichts nach. Allerdings fehlte es an einer Plattform oder Empore, mit der wir unseren Sound in die Welt tragen können.

Hat das Label auch einen physischen Ort?

Marvin: Definitiv! Gestartet ist Empore im Luna Club Kiel, weil wir da auch viele Partys veranstaltet haben und der Club seit mehr als 17 Jahren ein fester Anker in der örtlichen Clubszene ist.

Wo habt ihr die Künstler für euer Label aufgetrieben?

Marvin: Die meisten kommen aus unserem engsten Kreis, denn es war die Idee, diesen Künstlern eine Empore für ihr musikalisches Schaffen zu bieten. Für jedes Release suchen wir Remixer aus, die zu unserem Sound, dem Künstler und letztendlich auch zum Club passen.

Seid ihr durch euer Label reich geworden?

Marvin: Nein, bislang noch nicht wirklich, und es fließt auch alles immer wieder zurück ins Label. Damit reich zu werden, war aber auch nie das Ziel.

Wie viel habt ihr bisher auf „Empore“ veröffentlicht?

Marvin: Am Freitag kommt unsere vierte EP „Nekromant“ von Avidus auf Vinyl raus. Zusammen mit den digitalen Releases sind es insgesamt sechs.

Warum veröffentlicht ihr das als Schallplatte?

Marvin: Für uns hat es immer einen riesigen Unterschied gemacht, ob Musik nur digital veröffentlicht wird oder als physisches Produkt, das man in den Händen halten kann. Zusammen mit dem Artwork ergibt auch die Platte so ein Gesamtwerk. Vinylplatten führen dazu, dass Musik anders, also langsamer und intensiver, gehört und aufgelegt wird. Die Produktion kostet natürlich einiges, aber das ist es am Ende auch wert.

Wie geht es mit „Empore“ weiter?

Marvin: Wir wollen natürlich mehr Künstler signen und die jetzigen weiterhin mit aller Kraft supporten. Ziel ist es, mindestens vier Platten im Jahr zu veröffentlichen und diese weiterhin international zu vertreiben. Und natürlich gilt es, Hits zu landen, aber da sind wir bescheiden und gucken, was passiert.

Quelle: Noizz.de